Verständigung für alle

Interkulturelles Dolmetschen für Freiburg, Jura und den französischsprachigen Teil des Kantons Bern - Mediendienst 11/2020

Seit seiner Gründung vor über 25 Jahren steht für den interkulturellen Dolmetschdienst «se comprendre» von Caritas Schweiz die Qualität der Verständigung im Zentrum. Aber wie definiert man «Qualität» in einem Kontext, in dem die Dolmetschenden allein arbeiten und immer wieder mit emotional sehr belastenden Situationen konfrontiert sind?

Mit «se comprendre» bietet Caritas Schweiz interkulturelle Dolmetschleistungen für die Regionen Freiburg, Jura sowie den frankophonen Teil des Kantons Bern. Derzeit deckt das Angebot 31 Sprachen mit 138 interkulturellen Dolmetschenden ab. Spitäler, Schulen und andere Institutionen gehören zu den wichtigsten Einsatzgebieten, oberste Priorität hat immer die Qualität der Verständigung. 2019 wurden drei Kernbereiche definiert, um dem hohen Qualitätsanspruch gerecht zu werden: die Qualifizierung der Dolmetschenden, die Kundennähe der Dienstleistung sowie die Bereitstellung von Tools, um die Qualität der Verdolmetschung direkt messen zu können.

Die Qualifizierung der Dolmetschenden ist unabdingbar  

Oft sind die Rahmenbedingungen der Dolmetscheinsätze komplex und psychisch sehr belastend. Umso wichtiger ist es, dass die interkulturellen Dolmetscherinnen und Dolmetscher entsprechend vorbereitet und geschult sind, um auch in solch fordernden Situationen mit hoher Qualität arbeiten zu können. Deshalb absolvieren alle Dolmetschenden von «se comprendre» eine obligatorische Grundausbildung, in der es um interkulturelle Kommunikation, die Rolle der Dolmetschenden und ihre Grenzen sowie den Umgang mit Emotionen geht. Zu Beginn des Vertragsverhältnisses wird die Sprachkompetenz der Dolmetschenden evaluiert und bei ihren ersten Praxiseinsätzen stehen ihnen erfahrene Kolleginnen und Kollegen als Mentoren mit Rat und Tat zur Seite.

Abhängig von der Zahl der geleisteten Einsatzstunden absolvieren alle interkulturell Dolmetschenden Intervision und Supervision. Dolmetschende, die sehr schnell auf eine hohe Anzahl von Einsatzstunden kommen, sind verpflichtet, sich für die Zertifikatsausbildung der Schweizerische Interessengemeinschaft für interkulturelles Dolmetschen und Vermitteln (Interpret) anzumelden. Ab 2021 ist die Zertifikatsausbildung die Voraussetzung für Dolmetscheinsätze. Aufbauend auf das Zertifikat gibt es mehrere Weiterbildungsmöglichkeiten zum eidgenössischen Fachausweis für interkulturelle Dolmetschende und Vermittelnde. Dank der Unterstützung der Kantone Freiburg, Jura und Bern kann «se comprendre» Dolmetschende, die sich weiterbilden möchten, finanziell unterstützen. 2019 erhielten je zwei Dolmetschende für die Sprachen Tigrinya, Amharisch, Arabisch, Türkisch, Kurdisch kurmandschi und Kurdisch badini bei «se comprendre» einen festen, unbefristeten Anstellungsvertrag. Dies schafft eine stärkere Bindung der Dolmetschenden an den Vermittlungsdienst und verbessert ihre Arbeitsplatzsicherheit.

Hohe Erreichbarkeit und Verfügbarkeit für die Kunden und Partner

Online bietet der Dolmetschdienst eine einfache Vermittlung an. Dies stellt eine gute und rasche Erreichbarkeit der Dolmetschenden sicher. Der direkte Kontakt bleibt aber nach wie vor ganz zentral, um Probleme zu lösen und bei Fragen zu unterstützen. Zweimal im Jahr erscheint ein Newsletter, mit dem Kunden und Partner über aktuelle Themen in den Kantonen rund um das interkulturelle Dolmetschen auf dem Laufenden gehalten werden. Partner und Dolmetschende berichten hier auch über Erfahrungen im Arbeitsalltag. Einen guten Überblick über aktuelle Fragen und zukünftige Projekte des Dolmetschdienstes gibt die Website www.secomprendre.ch. Hier besteht auch die Möglichkeit, wenn gewünscht auch anonym, einen Erfahrungsbericht zu verfassen, Vorschläge für Weiterbildungsthemen einzubringen oder einen Termin für ein Treffen zu vereinbaren.

Qualität im Fokus

Zur direkten Qualitätsbeurteilung der Dolmetschleistungen hat der Dolmetschdienst einige Massnahmen umgesetzt: So kann der Kunde über eine Applikation unmittelbar nach der Dolmetschsituation die Leistung des Dolmetschenden bewerten. Der Dolmetschende bekommt so eine Rückmeldung zu seinem Einsatz und der Vermittlungsdienst erfährt auf direktem Weg, wo es Verbesserungspotenzial gibt und was schon gut läuft.

Darüber hinaus überprüfen Mitarbeitende von «se comprendre» vor Ort verschiedene Aspekte wie Pünktlichkeit, Erscheinungsbild, Betreuung des Dolmetschenden, Einhaltung des Berufskodex im Kontakt zum Begünstigten usw. Solche Besuche sind eine gute Gelegenheit, um den Kunden nochmals auf die Rolle des Dolmetschenden sowie auf die notwendigen Arbeitsbedingungen hinzuweisen. Beide Seiten schätzen diesen Austausch. Die Kunden finden es begrüssenswert, die Dienstleistung mit einem Gesicht verbinden zu können, und die Dolmetschenden finden es hilfreich, dass ihnen jemand mit fundiertem Rat zur Seite steht.

Auch in einer immer virtuelleren Welt bleiben zwischenmenschliche Beziehungen, gegenseitiges Vertrauen und partnerschaftliche Beziehungen Dreh- und Angelpunkte, um sich zu verstehen.
 

Caritas-Engagement im Bereich Asyl und Migration