Ungewisse Rückkehr in der Corona-Pandemie

Trotz Einschränkungen wenden sich Migrantinnen und Migranten an die Rückkehrberatung - Mediendienst 10/2021

Migrantinnen und Migranten, die freiwillig die Schweiz verlassen möchten, müssen in der Corona-Pandemie zusätzliche Hindernisse bei der Rückkehr überwinden. Die Rückkehrberatungsstelle von Caritas Schweiz unterstützt diese Personen bei den Rückkehrvorbereitungen unter erschwerten Umständen sowie beim unsicheren Neustart im Heimatland.

Blog: Wenig beachtete Hindernisse bei der IntegrationTrotz Corona-Pandemie spüren die Mitarbeitenden der Caritas-Rückkehrberatungsstelle in Arth-Goldau eine anhaltende Nachfrage. Migrantinnen und Migranten aus den Kantonen Obwalden, Schwyz und Zug, die freiwillig in Herkunftsländer wie Marokko, Tunesien, Iran, Irak, Äthiopien, Ghana, Kamerun oder Kolumbien zurückzukehren planen, erhalten hier Unterstützung. Diese Menschen möchten aus unterschiedlichsten Gründen oft unverzüglich zu ihren Verwandten und Bekannten zurückkehren, beispielsweise dann, wenn ein Familienmitglied schwer erkrankt ist. Für andere Personen sind es die ungewissen Perspektiven in der Schweiz, die sie bewegen, mit Caritas in Kontakt zu treten. Eine Rückkehr und der Neubeginn im eigenen Heimatland erscheinen in diesem Licht dann oft als die bessere – oder einzige – Option.

Diese Situation ist für die Betroffenen oft schwierig und mit Stress verbunden. Doch die Corona-Pandemie bedeutet für viele eine zusätzliche Unsicherheit und Belastung. Zu Beginn waren Flugverbindungen stark reduziert, wurden kurzfristig annulliert oder wegen geschlossener Grenzen gar eingestellt. Hinzu kamen oft schwer einzuschätzende Restriktionen bei der Einreise im Heimatland, wie eine teils mehrwöchige Quarantäne in einem zugewiesenen Hotel. Oft scheiterte das Vorhaben bereits daran, dass die heimatliche Botschaft geschlossen war und so keine für die Ausreise notwendigen Dokumente ausstellen konnte.

Schwieriger Neustart im Herkunftsland

Sind die Schwierigkeiten vor der Ausreise endlich überwunden und ein Flug verfügbar, kommen oft neue Probleme dazu, denn die Folgen der Corona-Pandemie sind global. In vielen Herkunftsstaaten der Migrantinnen und Migranten ist die heimatliche Wirtschaft geschwächt, und passende Arbeits- und Reintegrationsangebote für Rückkehrende sind schlicht nicht vorhanden. Dadurch wird der Neustart für Rückkehrende zu einem unvorhersehbaren und risikoreichen Unterfangen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie nach jahrelanger Abwesenheit oft schlecht auf die aktuellen Lebensumstände im Heimatland vorbereitet sind – erst recht, wenn sich diese aufgrund der Pandemie völlig verändert haben.

Die Rückkehrberatungsstelle der Caritas versucht trotz dieser Ungewissheit mit ihren Klientinnen und Klienten angepasste und nachhaltige Projekte für den beruflichen Neustart zu entwickeln, damit sie ihr Vorhaben erfolgreich umsetzen können. Kleinstprojekte wie ein bescheidener Lebensmittelladen oder ein Motorrad-Taxi werden vor der Ausreise von Caritas beantragt und entweder vom Staatssekretariat für Migration (SEM) oder anderen Organisationen finanziert. Es bedarf hier oft zusätzlicher Anstrengungen, Kreativität und finanzieller Mittel, damit das Vorhaben trotz pandemiebedingter Einschränkungen erfolgreich realisiert werden kann. Empathie, eine Beratung auf Augenhöhe und eine sorgfältige Vorbereitung tragen dazu bei, dass der Neustart im Heimatland gelingt.

Grosser Vorbereitungsaufwand

Der Arbeitsalltag der Rückkehrberatungsstelle hat sich seit April 2020 verändert: In den Gesprächen erleben die Mitarbeitenden hautnah die schwierige und angespannte Situation ihrer Klientinnen und Klienten. Die Möglichkeiten zur Unterstützung waren besonders in der Anfangszeit der Pandemie sehr eingeschränkt. So konnte der Kontakt zu den Klientinnen und Klienten teils über einen längeren Zeitraum nur telefonisch oder per WhatsApp aufrechterhalten werden. Waren wieder Flüge verfügbar, mussten neben der üblichen Ausreiseorganisation zusätzlich die unterschiedlichen Covid-, Einreise- und Quarantäne-Auflagen in den Herkunfts- und Transitländern in Erfahrung gebracht und erfüllt werden. Dies verlangte von den Mitarbeitenden oft viel Flexibilität und zuweilen ein unkonventionelles Vorgehen, damit der Wunsch nach einer Rückkehr trotz Corona-Pandemie erfüllt werden konnte.

Bild: Georg Hofer
 

Caritas-Engagement: Asyl und Migration