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Schwierigen Umständen Rechnung tragen

Rückkehrberatung für Asylsuchende und Flüchtlinge - Mediendienst 8/2018

Die Rückkehrberatungsstelle der Caritas in Goldau berät Asylsuchende und Flüchtlinge bei der Planung ihrer Heimkehr. Sie arbeitet im Auftrag der Kantone Obwalden, Schwyz, Zug sowie des Bundes. Rückkehrende werden mit finanzieller Hilfe, individuellen Berufs-, Ausbildungs- und Wohnprojekten und mit medizinischer Hilfe unterstützt. Im Zentrum stehen besonders verletzliche Personen.

Herr B. befindet sich in den Beratungsräumlichkeiten der Rückkehrberatung. Auf seinem Handy zeigt er Fotos seiner Kinder. Sie leben in Afghanistan, er hat sie seit über zwei Jahren nicht mehr gesehen. Dann zeigt er Bilder von den neusten Bombenanschlägen in Kabul. Der Stress und die Anspannung der letzten Monate sind ihm deutlich anzumerken. Sein psychischer Zustand ist labil, er zeigt Anzeichen einer Traumatisierung. Aus Sorge um seine Familie hat er sich entschieden, nach Afghanistan zurückzukehren. Aber nun sind da die Bilder der zerstörten Häuser und Autos. Am folgenden Tag ist Herr B. nicht mehr auffindbar. Erst einige Wochen später meldet er sich wieder bei uns. Schliesslich kehrt er, die Zusage für ein berufliches Reintegrationsprojekt im Gepäck, zu Frau und Kindern zurück.

Personen wie Herr B. gelten als vulnerabel (wörtl. «verletzlich»). Es sind Menschen, die bei der Rückkehr eine besondere Unterstützung benötigen. Die Gründe dafür sind vielfältig: psychische oder physische Probleme, hohes Alter oder eine Behinderung. Aber auch alleinerziehende Elternteile oder unbegleitete Minderjährige fallen unter diese Kategorie. Oft sind (oder wären) vulnerable Personen bereits in der Schweiz auf Unterstützung angewiesen. Die Rückkehr ins Heimatland ist für sie um ein Vielfaches schwieriger als für die übrigen Rückkehrer und Rückkehrerinnen. Aufgrund ihrer spezifischen Bedürfnisse ist die Beratungsarbeit mit diesen Personen eine besondere Herausforderung, die Empathie und Behutsamkeit erfordert. Insbesondere bei Personen mit psychischen Problemen – wie bei Herrn B. – ist die Beratung ein oft schwieriger Prozess, bei dem es immer auch zu Rückschlägen kommen kann.

Es braucht eine sorgfältige Vorbereitung

Frau I. stammt aus dem Irak. Sie hat nie eine Schule besucht und wurde bereits im jugendlichen Alter erstmals Mutter. Doch dann trennte sie sich von ihrem Ehemann. Als alleinerziehende Mutter hatte sie in ihrer Heimat einen schweren Stand, und ihre Familie unterstützte sie nicht mehr. Sie floh in die Schweiz, in der Hoffnung, ihre Kinder später zu sich holen zu können. Die Kinder liess sie bei einer Freundin zurück. Doch nun befindet sich ihr jüngster Sohn nach einem Unfall im Spital, und sie will nur noch nach Hause. Im Gespräch mit uns weint sie häufig, ist unkonzentriert und kann dem Gesagten kaum folgen.

Bei vulnerablen Personen ist eine sorgfältige Planung und Vorbereitung der Rückkehr unabdingbar. Es stellen sich Fragen wie: Wo kann Frau I. nach der Rückkehr wohnen? Wie kann sie ihren Lebensunterhalt verdienen? An wen kann sie sich für eine weitere Unterstützung im Irak wenden? Um diese Punkte zu klären, arbeitet die Rückkehrberatung eng mit Fachpersonen aus der Betreuungsarbeit, Medizin und Psychiatrie zusammen. Soweit möglich werden auch Familienmitglieder oder Organisationen in den Zielländern mit einbezogen. Hier kann die Rückkehrberatung auf die IOM (Internationale Organisation für Migration) und andere Hilfswerke zurückgreifen. Im Fall von Frau I. konnte Caritas neben der regulären Rückkehrhilfe die Finanzierung einer Wohnung für die ersten Monate nach der Rückkehr sicherstellen. –

Herr L. leidet an akuten Herz-/Kreislaufproblemen und hohem Blutdruck. Sein Asylgesuch wurde abgelehnt, und er ist bereit, in sein Heimatland Georgien zurückzukehren. Er hat jedoch grosse Angst vor dem Flug, da er bereits einmal einen Herzinfarkt während einer Flugreise erlitten hat. Zudem weiss er nicht, wie er in seinem Zustand zukünftig Geld verdienen soll.

Bei vulnerablen Personen ist eine auf die Person zugeschnittene, individuelle Hilfe unabdingbar. Herr L. wird schliesslich während des Fluges durch einen georgischen Arzt begleitet. Ebenfalls wird sichergestellt, dass seine medizinische Behandlung nach der Rückkehr fortgesetzt werden kann. In der Heimat angekommen, kann Herr L. durch Teilzeit-Mitarbeit in einem Büro seine minimale Rente aufbessern.

Fälle vulnerabler Rückkehrer und Rückkehrerinnen nehmen zu

Seit 2014 nehmen die Fälle von vulnerablen Rückkehrern schweizweit kontinuierlich zu. Dies bedeutet eine zunehmende Herausforderung für die Rückkehrberatungsstellen. Die Arbeit mit vulnerablen Personen erfordert eine Sensibilisierung für das Thema, spezifisches Fachwissen und permanente Weiterbildung. Caritas Schweiz kann seit den Anfängen der Schweizerischen Rückkehrhilfe 1997 auf Erfahrungen in diesem Bereich zurückgreifen.

Bild: Symbolbild, (c) Caritas Diözese Bozen

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