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Pflegende Angehörige – allein und am Ende ihrer Kräfte

Rechtzeitig Hilfe holen - Mediendienst 4/2018

Möglichst lange zu Hause bleiben: Das ist der Wunsch der meisten älteren Menschen. Ohne die richtige Hilfe geht das jedoch nicht, sonst sind die Angehörigen bald masslos überlastet. Sie tun gut daran, sich rechtzeitig zu informieren, verschiedene Angebote für Pflege und Betreuung miteinander zu vergleichen und das für sie richtige zu wählen.

Paula Schneider* will ihren Ehemann trotz zunehmender Pflegebedürftigkeit zu Hause behalten. In den letzten Monaten hat sich der Parkinson ihres Mannes verschlimmert – er ist mehrmals gestürzt und ist jetzt zeitweise verwirrt. Seine Frau hat Angst, ihn alleine zu lassen. Das Ehepaar Schneider ist seit über 40 Jahren verheiratet und lebt im eigenen Haus in einer grösseren Gemeinde. Die Spitex kommt täglich, doch das reicht nicht. Paula Schneider organisiert deshalb eine Betreuerin aus Osteuropa.

Eigentlich hätten ältere Menschen ein Anrecht auf eine ihren Bedürfnissen entsprechende Betreuung. So steht es in der Verfassung und so steht es in den Altersleitbildern vieler Gemeinden. Die Realität sieht jedoch anders aus: Wer nicht ins Pflegeheim will, muss die Betreuung zu Hause selber organisieren und auch selber finanzieren. Die Spitex-Pflege ist zwar von der Krankenkasse bezahlt. Aber das sind vielleicht zwei Stunden pro Tag. Die restlichen 22 Stunden sind Sache der Angehörigen. Partnerinnen und Partner, Töchter und Söhne leisten dabei viel – oft zu viel. Sie sind am Tag und in der Nacht verfügbar, sorgen für Haushalt, Pflege, Betreuung und Sicherheit. Sie haben immer mehr das Gefühl, für alles alleine verantwortlich zu sein. Sie stehen in der Pflicht, gehen kaum aus dem Haus, die Freunde bleiben weg. Sie sind allein, überlastet und bald am Ende ihrer Kräfte.

Betreuung nicht in Eigenregie organisieren

Wer sich rechtzeitig Hilfe holt, hat in dieser Situation die besseren Karten. An Angeboten fehlt es nämlich nicht: neben der öffentlichen Spitex gibt es auch private Spitex-Anbieter. Und in der 24 Stunden-Betreuung gibt es heute in der Schweiz rund 80 Agenturen – bei dieser Flut von Anbietern gibt es auch schwarze Schafe. Die Herausforderung besteht aber darin, das Richtige zu wählen. Und das bedeutet: gut, verfügbar und bezahlbar. Deshalb lohnt es sich, die Angebote miteinander zu vergleichen. Die meisten Gemeinden haben heute eine Fachstelle für das Alter. Dort gibt es unabhängige Informationen über die Pflege und Betreuung zu Hause. Pflegende Angehörige sollten die Betreuung nicht in Eigenregie organisieren. Denn die Betreuung älterer Menschen ist nicht eine Privatsache, sondern eine Aufgabe der Gesellschaft.

Paula Schneider hat ihren Auftrag erfüllt: Ihr Mann konnte bis zuletzt zu Hause leben. Erst die allerletzten Tage verbrachte er im Spital. Darauf ist sie stolz. Aber sie hat einen hohen Preis bezahlt. Die stete Sorge, das Aufstehen in der Nacht, die alleinige Verantwortung für die Pflege und Betreuung haben ihre Spuren hinterlassen.

Das Angebot der Caritas

Caritas Schweiz setzt Betreuerinnen aus Osteuropa unter fairen Bedingungen bei älteren Menschen ein. Das Caritas-Modell der 24 Stunden-Betreuung legt nicht nur Wert auf die korrekte Anstellung der Betreuerinnen und Betreuer, sondern auch auf die Unterstützung und Entlastung der pflegenden Angehörigen.

Weitere Informationen: www.caritascare.ch

*Name geändert

Bild: Alexandra Wey

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