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Nothilfe in Syrien dringender nötig denn je

Humanitäre Lage in Syrien ist zum Anbruch des achten Kriegsjahrs katastrophal - Mediendienst 3/2018

Das Leid der Zivilbevölkerung in Syrien nimmt kein Ende. Die neuerliche Eskalation der Gewalt hat die humanitäre Lage der Syrerinnen und Syrer in den betroffenen Gebieten massiv verschärft und weitere Hunderttausende Menschen zur Flucht gezwungen. Derweil sind die humanitären Bedürfnisse in ganz Syrien weiterhin immens. Caritas Schweiz führt mit ihren Partnerorganisationen die Nothilfe in den Städten Aleppo und Homs weiter.

Gerade in den «Deeskalationszonen» Idlib und Ghouta ist der syrische Bürgerkrieg seit Beginn des Jahres mit extremer Härte neu entbrannt. Im Januar registrierte UNHCR in dem nordwest-syrischen Gouvernement Idlib fast 300’000 neue Vertriebene. Sie suchten Schutz vor Regierungstruppen, die von Süden vorrückten, und vor eindringenden türkischen Truppen an der Nordgrenze von Syrien. Im Februar schlossen Regierungstruppen östlich von Damaskus einen Belagerungsring um die Region Ghouta. Massive Luftschläge und der Beginn einer Bodenoffensive gegen bewaffnete Oppositionskräfte verschärften die Sicherheits- und Versorgungslage der 400’000 Einwohnerinnen und Einwohner von Ghouta eklatant.

Eine politische Lösung des Syrienkonflikts bleibt derweil ausser Sicht. Diplomatische Foren in Genf und Sotchi haben die Konfliktparteien bisher nicht an den Verhandlungstisch geführt. Vorbedingungen der Konfliktparteien und Vorbehalte gegen die Organisationen und Staaten hinter den Foren verhindern weiterhin den Beginn echter Verhandlungen.

Dabei werden die Konfliktlinien zunehmend unübersichtlich. Im vergangenen Jahr bestand noch der Minimalkonsens, dass der so genannte Islamische Staat (IS) zerstört werden müsse. Nach erfolgreicher Zurückdrängung des IS stossen nun aber die Interessen auswärtiger Akteure aufeinander. Während das syrische Regime mit russischer und iranischer Unterstützung weiter seinen Einfluss auf Oppositionsgebiete ausdehnt, wendet sich die Türkei gegen kurdische Organisationen im Norden und Israel gegen eine Präsenz von iranischen Truppen an Syriens Südgrenze.

Humanitäre Bedürfnisse unvorstellbar gross

Vor diesem Hintergrund erscheint eine Verbesserung der Sicherheitslage, die eine zeitnahe Rückkehr einer grösseren Anzahl Vertriebener zulässt, Wunschdenken. Stattdessen bleibt die Versorgung von 13,1 Millionen Syrerinnen und Syrern, die gegenwärtig innerhalb ihres Landes auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, und von weiteren 5,5 Millionen Menschen, die ihr Land verlassen mussten, als eine der grössten Herausforderungen des Konflikts. 

Nicht nur die Syrerinnen und Syrer aus den umkämpften Gebieten, die täglich unter Beschuss um ihr Leben fürchten müssen oder als neu Vertriebene ohne Unterkunft, Nahrung oder Wasser sind, benötigen Unterstützung. Auch in den von akuten Kampfhandlungen nicht (mehr) betroffenen Regionen des Landes kämpft die Zivilbevölkerung nach wie vor um ihr Überleben. Mehrfache Vertreibung, zerstörte Existenzgrundlagen sowie mangelnder Zugang zu Dienstleistungen und Gütern des täglichen Bedarfs treibt die Menschen an die Grenze der Erschöpfung. «Der Krieg hat mir meinen Mann genommen und mein Haus zerstört», sagt eine Mutter aus Aleppo. «Ich muss nun Vater und Mutter sein für meine Kinder. Langsam schwinden meine Kräfte.» Viele Familien gehen hohe Risiken ein um zu überleben. Frühheirat oder Kinderarbeit sind potenzielle Überlebensstrategien.

Wie kann die Caritas effektiv Nothilfe leisten?

Mit den Partnerorganisationen Caritas Syrien und Jesuit Refugee Services leistet Caritas Schweiz Nothilfe in den beiden urbanen Zentren Aleppo und Homs. Sie hilft den Bedürftigen, ihre Grundbedürfnisse zu sichern. In Aleppo verteilt die Caritas täglich 9000 warme Mahlzeiten an Schutzbedürftige. Besonders bedürftige Personen wie Schwangere oder stillende Mütter erhalten dabei grössere Essens­portionen. Bis zu 7,2 Tonnen Mahlzeiten werden pro Woche zubereitet und verteilt.

Weiter unterstützt die Caritas die Menschen in Aleppo und in Homs mit Nahrungsmitteln, Hilfsgütern für den täglichen Bedarf, Wasser, mit der Miete, bei den Behandlungskosten, Schulgebühren und Lernmaterialien für Kinder sowie mit Kleidergutscheinen. Über 21'000 Syrerinnen und Syrern, zum Teil Menschen, die aus anderen Landesteilen geflohen sind, kommt diese Hilfe zugute. Da in urbanen Zentren Syriens Nahrungsmittel zunehmend wieder auf dem freien Markt erhältlich sind, verfolgt Caritas Schweiz auch in Syrien den Ansatz «Cash First» und bevorzugt Geldtransfer-Programme (CTP, Cash Transfer Programming, siehe Beitrag «Wie Geldtransfers Hilfsmassnahmen verändern» Seite 6).

Der direkte Zugang zu den Begünstigten findet über die Partnerorganisationen statt. Diese kennen die Versorgungs- und Sicherheitslage der Zivilbevölkerung vor Ort am besten. Sie führen Bedürfnisabklärungen durch und implementieren die Projekte. Gleichzeitig unterstützen die Mitarbeitenden von Caritas Schweiz die Partnerorganisationen vor Ort bei der Methodenwahl, bei der Fortbildung der lokalen Mitarbeitenden und bei der Entwicklung neuer Projektvorschläge. Sie sind somit direkt involviert in die Weiterentwicklung des Programms und helfen sicherzustellen, dass die überlebenswichtige Hilfe so effizient und nachhaltig wie möglich dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird.

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