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Menschenwürde statt Menschenhandel

Menschenhandel ist eine gravierende Folgeerscheinung der weltweiten Migration. Menschen, die auf der Flucht oder Suche nach einem besseren Leben sind, sind oft schutzlos gegenüber Opportunisten oder gar Verbrechern. Caritas Schweiz setzt sich gegen Menschenhandel und für menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen für alle Migrierenden ein.

Menschenhandel ist weltweit verbreitet. Über 40 Millionen Männer, Frauen und Kinder leben, gemäss Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) aus dem Jahr 2017, unter Bedingungen «moderner Sklaverei». Jedes vierte der Opfer ist ein Kind. Dabei ist Menschen-handel nicht immer, aber doch sehr oft mit Migration verbunden. Gemäss den Zahlen des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (2016) überquert die Mehrheit der offiziell erfassten Opfer eine internationale Grenze. Menschenhandel spielt sich schwer-gewichtig auf regionalen Routen ab, und zwar tendenziell von ärmeren zu reicheren Regionen.

Wie Menschenhandel und Migration ineinander übergreifen

Wenngleich ausbeuterische Verhältnisse, massive Erniedrigungen und Menschenhandel unabhängig von Migration existieren, so sind sie doch in vielfältiger Weise mit ihr verflochten. Welt-weit sind Menschen unterwegs, um Arbeit und Verdienst zu finden, damit sie ihren Lebensunterhalt und der ihrer Familien bestreiten können. Viele von ihnen haben eine geringe Schulbildung, kaum Chancen auf dem (vielfach sehr beschränkten) lokalen Arbeitsmarkt und sind bereit, sich anderswo als unqualifizierte Arbeitskraft zu verdingen. Diese Ausgangslage und ihre Risikobereitschaft machen die Migrierenden besonders verletzlich gegenüber Ausbeutung und Menschenhandel. Gleichzeitig sind Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht vor Verfolgung und Krieg. Mangels sicherer, legaler Routen befinden sich alle schliesslich auf ähnlich prekären Routen. Schlepperdienste sind weitherum unerlässlich geworden. Die Abhängigkeit von ihnen steigert das Risiko, getäuscht, ausgebeutet oder als «Menschenware» gehandelt zu werden. Dies ist besonders dann der Fall, wenn aufgrund von Grenzschliessungen immer wieder neue Routen gewählt und koordiniert werden müssen. So hat die aktuelle Fluchtbewegung aus dem Mittleren Osten nach Europa traurige Berühmtheit erlangt.

Zwar bestehen auf internationaler und nationaler Ebene eine Reihe relevanter Verträge gegen Menschenhandel, Zwangsarbeit, Sklaverei und Ausübung von Gewalt, besonders gegen Frauen und Kinder. Doch werden die heutigen Rechtsmittel der aktuellen Situationen kaum mehr gerecht. Auch fehlt es am Willen zu ihrer Durchsetzung. Dies kann direkt auf Kosten des Schutzes von Opfern von Menschenhandel gehen. Wo zum Beispiel Einreisestaaten gegen das «Schleppertum» (und zum Schutze ihrer Grenze) vorgehen, können die Schutzbestimmungen des sogenannten Palermo-Protokolls der Vereinten Nationen umgangen werden. So können Staaten den ungeklärten Rechtsstatus von Migrierenden und Flüchtenden ausnutzen, indem sie zum Beispiel die Tragödien auf dem Mittelmeer den Machenschaften von Menschenhändlern anlasten und so von ihren eigenen Verantwortlichkeiten ablenken.

Aktiv gegen Menschenhandel

Prävention von Menschenhandel und Schutz der Opfer bilden unerlässliche Punkte im Ringen um verbesserte Rahmenbedingungen für Migrierende. Forderungen nach einem Ende von Ausbeutung und Menschenhandel gehören zudem zu den Zielsetzungen für eine nachhaltige Entwicklung der «Agenda 2030». Der Schutz vor Menschenhandel hat aber auch eine sehr praktische Ebene. Caritas Schweiz engagiert sich insbesondere in Asien seit längerem dafür, dass besonders betroffene Bevölkerungsgruppen die Gefahren des Menschenhandels besser erkennen. Sie setzt sich weiter für den Schutz und die gesellschaftliche Integration von Opfern ein. Der Schul- und Berufsbildung sowie der Anwaltschaft fallen dabei wichtige Rollen zu. Migrierende stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen und müssen teilweise riskante Entscheide treffen. Das gilt es anzuerkennen. Damit sie wirksame Unterstützung erhalten, bedarf es einer guten Zusammenarbeit der Behörden und von Hilfsorganisationen auf den unterschiedlichen Ebenen. Insgesamt aber sind die Staaten gefordert, zusätzliche, legale Migrations- und Fluchtwege zu schaffen, um Ausbeutung und Menschenhandel langfristig zu untergraben. 

Bild: In Kambodscha unterstützt die Caritas die Organisation Damnok Toek dabei, von Gewalt und Menschenhandel betroffene und bedrohte Kinder wie den Jungen im Bild eine bessere Zukunft zu ermöglichen. (c) Oliver Kuhn

Neuerscheinung zum Thema: Almanach Entwicklungspolitik 2019 

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