Mehr Erdbeben-Sicherheit mit lokaler Bauweise

Wiederaufbau von Häusern und Latrinen in Indonesien - Mediendienst 06/2021

Caritas Schweiz unterstützt den Wiederaufbau in Zentral-Sulawesi weiterhin mit dem Bau von Häusern und Latrinen. Durch eine erdbebensichere Bauweise und einen partizipativen Ansatz ist die Bevölkerung für die Zukunft besser vorbereitet. Besonders gefördert werden die Hausbesitzerinnen.

Blog: Mehr Erdbeben-Sicherheit mit lokaler BauweiseIm Herbst 2018 erschütterten ein schweres Erdbeben und ein Tsunami die indonesische Insel Sulawesi und führte zu Verlusten und Schäden, die bis heute sichtbar sind. Über 4000 Menschen sind bei dieser Naturkatastrophe ums Leben gekommen und über 110 000 Häuser wurden beschädigt.

Mit Unterstützung der Glückskette baut Caritas Schweiz 350 Häuser und Latrinen in vier Dörfern im Sigi-Distrikt wieder auf. Neben rund 1000 Begünstigten profitieren durch das Projekt auch 100 Handwerker durch Schulungen in erdbebensicherem Wiederaufbau und verbesserten Kenntnissen lokaler Baumaterialien.

Enge Zusammenarbeit mit lokalen Behörden

Das Wiederaufbau-Projekt von Caritas Schweiz zeichnet sich durch einen partizipativen Ansatz aus. Dabei werden lokale Fachkräfte in Weiterbildungen eng begleitet. Lokale Maurer und Schreiner verbessern ihre Kenntnisse zu erdbebensicheren Bauweisen mit lokalen Materialien. Der Bauprozess wird dabei weitgehend durch die Hausbesitzerinnen und -besitzer geleitet.

Pak Umar, Dorfvorsteher von Bulubete, bestätigt, dass die Partnerorganisation von Caritas Schweiz, Bumi Tangguh, eng und kontinuierlich mit den Begünstigten zusammenarbeitet. «Wir kennen uns im Dorf und sind froh um die Unterstützung», sagte er. Der Bedarf der Region sei immer noch grösser, als es die Regierung durch ihr Wiederaufbau-Programm abdecken kann.

Weiterbildung für Hausbesitzerinnen in Baufragen

Unter den Begünstigten werden in erster Linie Frauen geschult, da sie mehr Zeit mit Hausarbeit und Kinderbetreuung zu Hause verbringen, während die Männer oft tagelang auf dem Feld arbeiten. In Weiterbildungen lernen die Hausbesitzerinnen die Vor- und Nachteile verschiedener lokaler Baumaterialien kennen, studieren den Bauprozess und lernen auch einfache Reparaturen am Haus selbst durchzuführen. Dadurch werden die Frauen in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt und übernehmen mehr Verantwortung für ihr neues Zuhause. «Das zeigt sich auch darin, dass sie sich mehr um ihren Garten kümmern und Blumen anpflanzen», sagt Leyn Gantare, der Landesbeauftrage von Caritas Schweiz vor Ort. Die gepflegten Gärten hätten eine positive Aussenwirkung auf das ganze Dorf, meint Leyn Gantare weiter.

Eine der neuen Hausbesitzerinnen, Ibu Monoarfa, meinte stolz, dass sie nun gelernt habe, einfache Reparaturarbeiten selbst vorzunehmen, oder sie rufe den lokalen Schreiner an, den sie nun durch den Bauprozess auch kennengelernt habe.

Mehr als ein Haus

Aber nicht nur die Hausbesitzerinnen können ihre Kenntnisse erhöhen, auch die Handwerker, Maurer und Schreiner wurden in speziellen Fortbildungen durch Bumi Tangguh geschult. Nasrin beispielsweise, ein lokaler Maurer, sagte, er würde nun der richtigen Mischung von Zement, Sand und Kies mehr Bedeutung zumessen als davor, weil er nun weiss, dass dies die Stabilität des Hauses beeinflusst. «Durch die richtige Mischung der Baustoffe erhöht sich die Sicherheit der Häuser», sagt er stolz. Mawran hat dank Caritas die Ferrozement-Methode kennen gelernt, eine besonders erdbebensichere Bauweise. Heute weiss er, dass er nicht nur ein Haus gebaut, sondern einen besseren Schutz für die Familie ermöglicht hat.

Das Wiederaufbau-Projekt von Caritas Schweiz in Zentral-Sulawesi läuft bis August 2022.

Bild: Botteng Village, West-Sulawesi, 2021. (c) Riduan Pakpahan

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