Kosovo: Politische Lage bleibt volatil – mit sozialen Folgen

20 Jahre Caritas Schweiz im Kosovo - Mediendienst 09/2019

Kosovo: Politische Lage bleibt volatil – mit sozialen FolgenZwanzig Jahre nach Kriegsende hat sich im Kosovo viel verändert. Doch das Land bleibt eines der ärmsten Europas – und politisch volatil, wie die für Anfang Oktober angekündigten Neuwahlen erneut zeigen. Caritas Schweiz arbeitet seit Kriegsende durchgehend im Kosovo, um mehr und bessere Einkommensmöglichkeiten zu schaffen, die Vorschulbildung zu verbessern und Minderheiten und rückkehrende Migranten in die Gesellschaft zu integrieren. Ein Rück- und Ausblick.

Das 20-jährige Jubiläum von Caritas Schweiz im Kosovo stellt eine Zäsur dar. Es bietet die Möglichkeit, auf die langjährige gute Zusammenarbeit zurückzublicken und dem Team, den Partnern und Gebern und insbesondere der Bevölkerung des Kosovo für ihren unermüdlichen Einsatz zu danken. Aus diesem Anlass reist Hugo Fasel, Direktor von Caritas Schweiz, am 20. September nach Pristina, um allen Beteiligten seinen Dank persönlich auszusprechen. Zugleich ist das 20-jährige Jubiläum auch eine Gelegenheit, um in die Zukunft zu blicken und die Frage nach dem weiteren Engagement von Caritas Schweiz im Kosovo zu stellen. 

Denn auch 20 Jahre nach dem Ende des Krieges bedarf der Kosovo weiterhin externer Unterstützung. Die politische Lage im Land bleibt volatil, für Oktober 2019 sind Neuwahlen angekündigt. Kosovo ist eines der ärmsten Länder Europas mit einer besonders jungen Bevölkerung, die unter Armut, Arbeitslosigkeit, Korruption und schwacher Rechtsstaatlichkeit leidet. Die Entwicklungszusammenarbeit von Caritas Schweiz zielt darauf ab, die Akteure der Zivilgesellschaft und des öffentlichen Sektors zu befähigen, längerfristig eigenständig zu agieren. 

Einkommensschaffung, Vorschuldbildung und Integration

Caritas Schweiz war eine der ersten Hilfsorganisationen, die direkt im Anschluss an den Krieg im Kosovo im August 1999 die Arbeit aufnahm und seitdem durchgehend im Land präsent ist. Im Laufe der vergangenen 20 Jahre hat Caritas Schweiz gemeinsam mit lokalen Partnern viel erreicht: Zunächst wurden ca. 4000 Häuser sowie zehn Primarschulen und Strassen wiederaufgebaut, um den Menschen das Nötigste zum Leben zur Verfügung zu stellen. Im Jahr 2004 wandelte sich das Engagement dann von der humanitären Hilfe hin zur längerfristigen Entwicklungszusammenarbeit mit einem Fokus auf Einkommensschaffung, Bildung und Migration.

Im Bereich Einkommensschaffung fokussierte sich Caritas Schweiz ab 2009 auf die Landwirtschaft und die Beschaffung von dringend benötigtem Material für den Bau von Infrastruktur. Mit der Zeit wandelte sich der Fokus hin zu Beratungsdienstleistungen, Fortbildungen und Organisationsentwicklung von Bauern- und Produzentenverbänden in den Sektoren Beeren, Honig, und Gewürzkräuter. Heute arbeiten die begünstigten Bäuerinnen und Bauern nach dem Standard der sogenannten «Integrierten Produktion» und teilweise bereits im biologischen Landbau. Durch diese Massnahmen erhalten die kosovarischen Bäuerinnen und Bauern Zugang zum europäischen Markt und neue Arbeitsplätze wurden geschaffen. 

Obwohl die Bevölkerung sehr jung ist, fehlt im Kosovo ein starkes frühkindliches Bildungssystem, zu dem alle Kinder Zugang haben. Deshalb startete Caritas Schweiz 2004 in Drenas das erste Projekt im Bereich Bildung, welches zunächst die Ausstattung von Kindergärten und die Ausbildung von Kindergärtner/innen zum Ziel hatte. Über die Jahre hat Caritas einen innovativen pädagogischen Ansatz zur frühkindlichen Erziehung und Vorschulbildung entwickelt, welcher im ganzen Land grosse Anerkennung findet und derzeit in die Curricula der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrer integriert wird und somit das Fundament in der Ausbildung der nächsten Generation bildet. 

Kosovo: Politische Lage bleibt volatil – mit sozialen FolgenIm Bereich der Migration und sozialen Inklusion hat sich Caritas Schweiz zwischen 2005 und 2015 auf die Integration von Minderheiten (Roma, Ashkali und Ägypter) in Gjakova fokussiert. Zusätzlich wurden zahlreiche lokale zivilgesellschaftliche Organisationen, insbesondere Nichtregierungsorganisationen in den Bereichen Jugend, Minderheiten und Frauenrechte, gestärkt. Zudem unterstützt Caritas Schweiz seit 2018 Menschen, die in den Kosovo zurückkehren durch Arbeitsmarktintegration, psychosoziale Beratung sowie Rechtsberatung.

Dank etablierter Partnerschaft gut aufgestellt für die Zukunft

Mit diesen Projekten leistete Caritas Schweiz einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung des Kosovo. Dabei meisterte das Team viele Herausforderungen und passte sich stets den sich ändernden Voraussetzungen im Land an. Heute arbeiten zwölf 12 Mitarbeitende in Pristina für Caritas Schweiz unter der Leitung der Landesdirektorin Vera Haag Arbenz. Caritas geniesst einen besonderen Ruf als verlässlicher langjähriger Partner – eine gute Ausgangslage, um die bestehenden Herausforderungen in Angriff zu nehmen und die Menschen im Kosovo, welche weiterhin auf Expertise und finanzielle Unterstützung angewiesen sind, bei ihrem Weg aus der Armut und der ersehnten Transition in eine rechtsstaatliche und demokratische Zukunft zu begleiten. 

Foto ganz oben: Caritas Schweiz unterstützt im Kosovo unter anderem repatriierte Menschen dabei, sich beruflich wieder einzugliedern. (c) Arben Llapashtica

Foto oben: Caritas-Direktor Hugo Fasel spricht an der Medienkonferenz anlässlich des 20-Jahr-Jubliäums. Pristina, 20.9.2019. (c) Caritas Schweiz