Kein Leben wie zuvor

Zur Situation von Rückkehrenden im Kosovo - Mediendienst 10/2020

Die staatliche Unterstützung für Rückkehrende in den Kosovo ist unzureichend und wenig koordiniert. Dies erschwert die Reintegration und führt erneut zu Perspektivlosigkeit und Armut.

Die Massnahmen des Kosovo zur Reintegration von Rückkehrenden ist Teil des Assoziierungsabkommens mit der EU. Für das Ministerium für Innere Angelegenheiten hat die Eingliederung in den Arbeitsmarkt und die soziale Integration von verletzlichen Gruppen besondere Priorität. Zu diesen zählen unbegleitete Kinder, alleinerziehende Mütter, Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und Betroffene von geschlechtsspezifischer Gewalt. 

Menschen verlassen den Kosovo nicht nur wegen politischer Verfolgung und Diskriminierung. Armut, die Hoffnung auf ein besseres Leben oder die Aussicht auf verbesserte Gesundheitsversorgung und Schulen für die Kinder sind weitere Gründe, weshalb die Heimat verlassen wird, mit geringen Chancen auf eine geregelte Aufenthaltsbewilligung in Westeuropa.

Seit 2017 sind insgesamt 17 065 Personen in den Kosovo zurückgekehrt, meistens unfreiwillig und aufgrund abgelehnter Asylanträge. Der Anteil von ethnischen Minderheiten ist mit 37% vergleichsweise hoch, während sie in der Bevölkerung nur gerade 7% ausmachen.

Fragmentierte und unkoordinierte Unterstützung

Nach Ankunft am Flughafen in Pristina kann man sich in der Heimatgemeinde registrieren lassen. Mit einer Bescheinigung als «Rückkehrende/r» erhält man damit ein Anrecht auf Mietunterstützung für 6 Monate, nach Bedarf Holz für den Winter, gebrauchte Möbel sowie 3.60 Euro pro Monat für medizinische Versorgung für ein Jahr. 

Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit ist die Integration in den lokalen Arbeitsmarkt schwierig. Es ist daher nicht erstaunlich, dass sich seit 2017 nur gerade 2172 Personen beim Arbeitsamt registriert haben. Mangelnde Dienstleistungen seitens des Arbeitsamts, schlechte Koordination mit anderen Ämtern sowie schlechte Arbeitsbedingungen halten viele Jobsuchende davon ab, sich an das Arbeitsamt zu wenden. Sie arbeiten oft saisonal oder auf dem Schwarzmarkt. 

On-the-job-Training als Starthilfe

So ist es auch Lulzim Asllani ergangen. Er reiste im Jahr 2012 mit seiner Familie wegen Armut und mangelnden Perspektiven nach Salzburg. Er fand Arbeit in einer Möbelreparatur-Firma. Als ihr Asylantrag abgelehnt wurde, kam die Familie 2018 wieder zurück in den Kosovo. Lulzim erinnert sich: «Nach der Ankunft war klar, dass mein Leben nicht mehr so sein wird wie zuvor, alles sah düster aus.» In seiner Heimatgemeinde Vushtrria hat er sich registrieren lassen, wodurch er für sechs Monate Unterstützung für die Miete bekam. Mit Gelegenheitsarbeiten, ohne Vertrag, hat er sich und seine Familie bisher mehr schlecht als recht über Wasser gehalten. Lulzim sagt, dass ihn viele Firmen nicht einstellen möchten, um die Steuern zu umgehen. Dank des Projekts SUREP von Caritas Schweiz absolviert Lulzim nun eine betriebliche Ausbildung in einer Schreinerei. Er hofft, nach den drei Monaten in derselben Firma regulär angestellt zu werden.

Unsicherheit und Ängste kehren zurück

Neben der Herausforderung im Arbeitsmarkt sind auch viele Rückkehrende von gesundheitlichen Problemen, Stress oder gar häuslicher Gewalt betroffen. Violeta Limani ist Krankenschwester und alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Da sie unter der Gewalt ihres Mannes litt, hatte sie bereits in Deutschland vor der Rückschaffung die Scheidung eingereicht. Obwohl Violeta ausgebildete Krankenschwester ist, hat sie bisher keine Stelle gefunden. Sie lebt nun ohne ihren Mann, zusammen mit den Kindern, aber ohne jegliche Unterstützung des Staates. Durch das kosovarische Rehabilitationszentrum für Folteropfer, eine Partnerorganisation von Caritas Schweiz, erhält sie regelmässige psychosoziale Beratung. «Die Sitzungen helfen mir, mit der aktuellen Situation besser zurecht zu kommen», sagt Violeta. Während sie sich in Deutschland sicher fühlte, prägen Unsicherheit und Ängste vor der Zukunft wieder ihren Alltag, ähnlich wie vor der Migration vor drei Jahren. Sobald sich Violeta stabilisiert hat, wird auch sie im Projekt SUREP durch Arbeitsmassnahmen unterstützt.

Lulzim und Violeta sind keine Einzelfälle. Die Angebote des kosovarischen Staates für Rückkehrende sind unzureichend und unkoordiniert. Das SUREP-Projekt von Caritas Schweiz bietet interdisziplinäre Unterstützung für Rückkehrende an, in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden. Das Projekt läuft noch bis im Juni 2021.

Bild: Berufliche Integration repatriierter Personen in einer Schmiede, Kosovo. (c) Arben Llapashtica
 

Caritas-Engagement: das Projekt im Kosovo