Navigation mit Access Keys

 

Junge Flüchtlinge brauchen bessere Chancen

Caritas-Positionspapier zur Integration von jungen Flüchtlingen - Mediendienst 5/2018

Nach den grösseren Flüchtlingsbewegungen im Jahr 2015 hat sich die Zahl der jungen Flüchtlinge und Vorläufig Aufgenommenen stark erhöht. Ohne Grund- und Ausbildung in der Schweiz ist ihnen die Chance auf ein eigenständiges Leben verwehrt. Bund und Kantone haben eine Integrationsagenda lanciert, um die berufliche Integration zu verbessern. Caritas begrüsst diesen Effort, macht aber auf Lücken aufmerksam und benennt Dringlichkeiten.

Per Ende Dezember 2017 lebten in der Schweiz gegen 30 000 Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Status der Vorläufigen Aufnahme oder als Flüchtling im Alter zwischen 16 und 30 Jahren. Hinzu kommen 12 000 junge Menschen im selben Alter, die noch den Status N von Asylsuchenden haben. Sie kommen vorwiegend aus Ländern, in denen seit Jahren Bürgerkrieg, Gewalt und diktatorische Zustände herrschen: aus Eritrea, Afghanistan, Syrien, Somalia oder dem Irak. Die jungen Leute bringen sehr unterschiedliche Schulerfahrungen und berufliche Voraussetzungen mit. Ohne Grund- und Ausbildung in der Schweiz ist den meisten von ihnen die Chance auf ein eigenständiges Leben verwehrt. Jugendliche ab 16 Jahren können das hiesige Schulsystem nicht mehr durchlaufen und erhalten nur noch Zugang zu lückenhaften Integrationsstrukturen, die kaum einen Bildungs- und Berufsabschluss ermöglichen.

Dringlichkeiten für eine zukünftige Integrationsagenda

Bund und Kantone haben nun eine Integrationsagenda lanciert. Der Bund wird seinen finanziellen Beitrag an die Kantone aufstocken, und die Integration soll zukünftig als Prozess gestaltet werden, mit einer durchgängigen Fallführung, die möglichst bald nach der Einreise beginnt. Caritas begrüsst diese neue Ausrichtung und den Einsatz von mehr Bundesfinanzen sehr, hat doch eine Bestandsaufnahme der Schweizer Integrationspolitik gezeigt, dass sich die bisherigen Bemühungen oft nicht nach dem Bedarf, sondern vielmehr nach den zur Verfügung gestellten Mittel ausrichteten. Für die Umsetzung der Integrationsagenda weist Caritas auf Lücken und dringliche Punkte hin.

Schulbildung bis zum Niveau der obligatorischen Schule bleibt unerwähnt

In der Schweiz muss jedes Kind die obligatorische Schule besuchen. Erst danach können Wege in Richtung einer Berufsbildung eingeschlagen werden. Für Flüchtlinge über 16 Jahre existieren keine entsprechenden Schulangebote. Sieht man sich die Konzepte der neu aufgegleisten Vorlehren und Pilote des Bundes und der Kantone an, ist anzunehmen, dass bei den nach wie vor begrenzten Plätzen für Vorlehren, Brückenangebote und Praktika diejenigen zum Zuge kommen, die bereits die dazu notwendige schulische Vorbildung mitbringen. Umso grösser dürfte dadurch der Abstand zu denjenigen werden, die noch sehr wenig Schulbildung mitbringen. Deren Chancen, einen Beruf erlernen zu können, sinken dadurch noch mehr. Bund und Kantone müssen Strategien entwickeln, die gewährleisten, dass alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis mindestens 30 Jahre das Schulniveau der obligatorischen Schule erreichen können. Die erwachsenengerecht gestalteten Module müssen mit sichergestellter Kinderbetreuung auch Frauen mit Kindern offenstehen.

Integrationsangebote aufstocken statt Geld verschieben

In Zukunft wird der Bund die einmalige Integrationspauschale auf 18 000 Franken aufstocken. Dies ist dringend notwendig, reichen doch die gegenwärtigen 6000 Franken pro Person mit Asylentscheid oft kaum für Sprachkurse, um ein bestimmtes Sprachniveau zu erreichen. Die Folge der kargen Bundesbeiträge war, dass die Kantone sehr unterschiedliche Integrationsangebote entwickelt haben. Kantone, die vieles unternommen haben, möchten die erhöhte Integrationspauschale nun als Kompensation ihrer bisherigen Anstrengungen verstehen. Dadurch werden die Integrationsanstrengungen aber nicht ausgeweitet. Der Bund muss darum seinen Beitrag an konkrete Zielvorgaben und Massnahmen knüpfen, und die Kantone sollen diese dazu gebrauchen, um ihre Integrationsangebote bedarfsgerecht und in guter Qualität zu gestalten. Es darf nicht passieren, dass Kantone höhere Bundesgelder nur dazu einsetzen, die eigenen Integrationsbeiträge zu senken und einen Sparkurs einzuschlagen.

Damit die berufliche Integration gelingt, müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen. Mit dem Status der Vorläufigen Aufnahme ist es praktisch unmöglich, eine Wohnung, Lehr- oder Arbeitsstelle zu finden. Weder Arbeitgeber noch Wohnungsvermieter sind bereit, jemandem mit einem vorläufigen Status etwas Längerfristiges zu bieten. Die Vorläufige Aufnahme muss darum durch einen Schutzstatus ersetzt werden, der dieselben Rechte gewährt wie der Flüchtlingsstatus.

Ersatzinhalte