Himbeeren für den europäischen Markt

Caritas Schweiz fördert landwirtschaftliches Wachstum im Kosovo - Mediendienst 09/2021

Beeren, Obst und Gemüse sind sehr gefragt bei europäischen Konsumentinnen und Konsumenten. Das ist eine Chance für Bäuerinnen und Bauern im Kosovo. Im Rahmen eines Projekts der Caritas Schweiz wurden im letzten Jahr beispielsweise beachtliche 3100 Tonnen Himbeeren geerntet und exportiert. Eine Erfolgsgeschichte.

Die Landwirtschaft bleibt die wichtigste Einkommensquelle für Menschen in ländlichen Gebieten im Kosovo. Hier leben rund 60 Prozent der Bevölkerung. Über die Jahre blieben öffentliche Investitionen zur Modernisierung im ländlichen Raum weitgehend aus, auch zur Anpassung an Klimawandel und zur Förderung von Frauen.

Die Caritas Schweiz wirkt im Kosovo bereits seit zwölf Jahren mit Schweizer Expertise an der Marktsystementwicklung für die Landwirtschaft mit. In zehn Regionen des Landes, darunter ethnisch mehrheitlich albanische wie serbische Gebiete, engagiert sie sich für Anbau, Verarbeitung und Vermarktung von ertragreichen Produkten: Wertschöpfungsketten für Beeren, Heil- und Aromapflanzen sowie die Obst- und Gemüseverarbeitung wurden dafür ausgewählt. Diese Bereiche haben nachweislich das beste Potenzial für nachhaltiges Wachstum, Schaffung von Arbeitsplätzen, Armutsminderung aber auch für den Export. Das Projekt SIRED ist mit 2,5 Millionen Euro gefördert durch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit. Auch tragen neun Gemeinden mit Kofinanzierungen bei, darunter die grösste Gemeinde Pristina mit einem Beitrag von 1,5 Millionen Euro.

Nachhaltiges Wachstum nach Schweizer Vorbild

Während der letzten zehn Jahre hat der Kosovo Projektfinanzierungen von mehreren Gebern für den Agrarsektor erhalten. Diese Projekte haben zwar etwas Armut gemindert, jedoch nicht die zugrunde liegenden Probleme der Unternehmen gelöst. Die Caritas Schweiz geht ‒ neben anderen Schweizer Akteuren ‒ mit dem Ansatz der Marktsystementwicklung einen nachhaltigeren Weg, um Menschen, Betriebe, Gemeinden und das Land auf dem Weg zu mehr Eigenständigkeit zu stärken. Flexibel geht das Projekt auf konkrete Herausforderungen ein, sei es gegen Covid-19 oder in der Digitalisierung. Besonders in der Biozertifizierung ist die Caritas Schweiz Vorreiterin und bringt gemeinsam mit dem Schweizer Forschungsinstitut für Biolandbau (FIBL) den Sektor voran, dessen Bedarf besonders in der EU für den Export gestiegen ist. 

Stärkung lokaler Marktakteure

Nach genauer Marktrecherche ist die Nachfrage nach Beeren, Heil- und Armomapflanzen sowie Obst und Gemüse in der Region, in der Schweiz und der EU sogar noch weiter gestiegen, was man besonders am historisch hohen Preis für Himbeeren merkt. Die Landwirte sind sich der starken Nachfrage bei verschiedenen Beeren bewusst und wollen dies nützen, zum Glück in einem klimatisch bisher stabilen Jahr. Viele Partnerfirmen der Caritas engagieren so zahlreiche lokale Landwirte, um ihnen mit Anbaugeräten und Setzlingen zu helfen, um ihre Verarbeitungs- und Lagerkapazitäten zu verbessern, aber letztlich um ihr Wissen, ihre Vermarktung und den Verkauf zu professionalisieren. Zusätzlich werden Frauenkooperativen gefördert, Schritte über die Informalität hinaus zu wagen, sich registrieren zu lassen und ihre Betriebe zu professionalisieren.

Gesteigerter Export

Trotz Covid haben im Jahr 2020 Agrarunternehmen im kosovarischen Beerensektor insgesamt 3100 Tonnen Himbeeren, 320 Tonnen Erdbeeren und 300 Tonnen Blaubeeren gesammelt und in die EU, die Schweiz, die Türkei und nach Serbien exportiert. Ähnlich gut läuft es für medizinische und aromatische Kräuter und Pilze. Der Kosovo verzeichnet im vergangenen Jahr über 3600 Tonnen Export verschiedener Heilkräuter, auch hier bei steigender und ermutigender Nachfrage – auch für Bioprodukte.

Positive Auswirkung auf ländliche Gemeinden

Die Integration von Kleinbauern in ein nachhaltiges, tragfähiges Marktsystem hat auch gute indirekte Effekte durch Einkommenssteigerung. Das Projekt SIRED plant so bis Ende 2022 über 1000 Betriebe im ländlichen Raum zu erreichen. Nicht zuletzt tragen viele in der Schweiz lebende Kosovarinnen und Kosovaren, bereits gut integriert und weitergebildet, zum Erfolg der Landwirtschaft im Kosovo bei, indem sie ihr Wissen und ihr Engagement einsetzen und insgesamt zu mehr Wertschätzung des ländlichen Raums im Kosovo beitragen. Eine ganze Reihe erfolgreicher Agrar-Unternehmerinnen und -Unternehmer sind aus der Schweiz, Deutschland und aus anderen EU-Ländern zurückgekehrt und beeinflussen so ihre ländlichen Gemeinden positiv.

Foto: Himbeerernte in Bosnien-Herzegowina, wo die Caritas ebenfalls mit Himbeerproduzentinnen und -produzenten arbeitet. (c) Andreas Schwaiger

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