Navigation mit Access Keys

 

Für jede Krisensituation den richtigen Wasserfilter

Wasserfilter zur Trinkwasseraufbereitung im Haushalt in Krisensituationen - Mediendienst 02/2019

Wasserfilter sind ein wichtiges und oft verwendetes Instrument zur Wasseraufbereitung in humanitären Krisen. Dennoch gibt es bis heute wenig Forschung zur Leistungsfähigkeit und Benutzerfreundlichkeit einzelner Filtertypen ausserhalb des Labors. Hier setzt ein vergleichendes Forschungsprojekt an, dessen Teilkomponente im Norden Kenias Caritas Schweiz umsetzt.

Für jede Krisensituation den richtigen WasserfilterWasserfilter können Leben retten – besonders in humanitären Krisen. Bei Naturkatastrophen wie dem Erdbeben auf der indonesischen Insel Sulawesi kommt es zu einem Zusammenbruch der bestehenden Wasserversorgung, Menschen fliehen vor gewalttätigen Konflikten an Orte, an denen es vorher noch keine Infrastruktur gab, oder durch den Klimawandel verstärkte Wetterphänomene wie Dürren und Überschwemmungen machen bestehende Wasserquellen unnutzbar. In all diesen Situationen bleibt den betroffenen Menschen nichts Anderes übrig, als verschmutztes Wasser zu trinken und damit sich und insbesondere ihre Kinder und ältere Personen diversen Krankheitserregern auszusetzen. Wasserfilter können hier den entscheidenden Unterschied machen, indem sie jene Mengen Wasser, die für den täglichen Konsum gebraucht werden, aufbereiten. Hierfür gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Filtertechnologien und -designs, die direkt bei den Haushalten platziert und von den Familien selbständig bedient werden.

Obwohl die Funktionsfähigkeit diverser Filtertypen im Labor getestet und bestätigt wurde, ist bislang nicht abschliessend erforscht, wie sich die Filter unter realen Bedingungen in einer Krisensituation und über längere Zeit bewähren. Dabei ist gerade dies ausschlaggebend, denn während humanitären Krisen fehlt oftmals die Zeit und die Möglichkeit, die Filter bei den Familien ausführlich einzuführen und ihren Gebrauch eng zu begleiten. Wasserfilter müssen daher robust, intuitiv zu bedienen und einfach im Unterhalt sein. Ohne empirische Daten zur Frage, wie sich Wasserfilter in humanitären Kontexten bewähren, fehlt es Hilfsorganisationen wie beispielsweise der Caritas Schweiz an handfesten Kriterien, um jene Wasserfilter auszuwählen, die zur Wasseraufbereitung im Rahmen der geleisteten Nothilfe jeweils am besten passen. 

Benutzerzentrierte Evaluation der Wasserfilter

Aus diesem Grund führt Caritas Schweiz zusammen mit der Hochschule für Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz, der Abteilung Siedlungshygiene und Wasser für Entwicklung, der Eawag und Cesvi, sowie mit der Unterstützung von Erlha’s Humanitarian Innovation Fund-Programm, ein Forschungsprojekt durch mit dem Ziel, eine wissenschaftliche Methode zur Evaluation von Wasserfiltern in humanitären Kontexten zu entwickeln und zu testen. Zusätzlich werden die Erfahrungen und Präferenzen der Endnutzerinnen und -Nutzer der Filter erhoben und ihr Feedback mit den Herstellern geteilt, damit diese ihr Produkt weiterentwickeln und besser auf die Bedürfnisse der Menschen in Notsituationen ausrichten können. Insgesamt werden fünf verschiedene Wasserfilter für Haushalte in drei Notsituationen hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit, Benutzerfreundlichkeit und korrekten Verwendung evaluiert: Zwei Keramikfilter, zwei Filter mit Ultrafiltrationsmembranen und ein Keramikfilter, der zur Nachbehandlung Brom freisetzt. Als Feldstudien dienen die Besetzten Palästinensischen Gebiete, der Norden Kenias und Somalia.

Caritas Schweiz führt die Feldstudie im Norden Kenias in Zusammenarbeit mit der Jomo Kenyatta University for Agriculture and Technology durch. Dabei testen 150 Haushalte im Dorf Ndikir in Marsabit County zwei verschiedene Wasserfilter, die ihnen per Los zugeteilt wurden, über eine Dauer von je vier Monaten. Das Projektteam von Caritas Schweiz besucht die Haushalte mindestens einmal pro Monat, befragt und berät die Familien zum Gebrauch und Unterhalt der Filter und nimmt Wasserproben. Die Resultate der Wasserproben generieren einerseits wichtigen Informationen zur Leistungsfähigkeit des Filters. Andererseits wird fortlaufend sichergestellt, dass die Familien funktionstüchtige Filter haben. In diversen Workshops und Interviews diskutieren die Testerinnen und Tester zudem die Vor- und Nachteile der fünf evaluierten Filter sowie die eigenen Vorstellungen, wie der ideale Wasserfilter aussehen müsste. Indem die Haushalte je zwei unterschiedliche Filter testen, können sie dabei nicht nur auf ihre Erfahrungen mit dem einzelnen Filter zurückgreifen, sondern die Filter auch untereinander vergleichen.

Ndikir, ein Dorf voller Expertinnen und Experten

Das kleine Dorf Ndikir in Marsabit County wurde für die Studie ausgewählt, weil es in einem der trockensten Gebiete im Norden Kenias liegt und in den Jahren 2016 und 2017 akut von der Dürre in Ostafrika betroffen war. Seine Bevölkerung betreibt grösstenteils Naturweidewirtschaft und hat sich mit ihrem halbnomadischen Lebensstil an die extremen Wetterbedingungen angepasst: Während Trockenperioden wandern die Familien mit ihrem Vieh auf der Suche nach Wasser und Weiden in der Region umher. Während der Dürre 2016/17 trockneten jedoch immer mehr Wasserquellen aus. Die Menschen mussten bis zu 25 Kilometer weit gehen, um die nächstgelegene Wasserquelle zu erreichen. Die Wasserqualität konnte dabei von den Menschen nicht mehr berücksichtigt werden. 

Vor dem Hintergrund der Dürre, haben die Familien in Ndikir im Rahmen des Forschungsprojekts eine sichere und äusserst dringend benötigte Methode zur Aufbereitung ihres Trinkwassers erhalten, wie erste Ergebnisse der Studie zeigen. Die Filter stehen ihnen auch über die Dauer der Studie hinaus zur Verfügung, denn jede Familie kann das zuletzt getestete Modell behalten. Das Design der Feldstudie hat die Bewohnerinnen und Bewohner von Ndikir zudem zu eigentlichen Expertinnen und Experten für die getesteten Filter gemacht. Anstatt dass sie die Filter «nur» erhalten haben, haben sich die Familien durch die Mitwirkung an der Studie eine eigenständige Meinung über die Eignung der getesteten Produkte gebildet. Denn am Ende wissen die Menschen von Ndikir am besten über ihre eigenen Bedürfnisse und Präferenzen Bescheid.  

Bild: Eyeris Communications

Unser Engagement: Wasser, Hygiene und sanitäre Grundversorgung

Ersatzinhalte