Freiwilligenarbeit bei Caritas

Freiwillige engagieren sich trotz «physical distancing» - Mediendienst 06/2020

In der Armutsbekämpfung ist Freiwilligenarbeit unentbehrlich. Aufgrund der Massnahmen zum Schutz vor Covid-19 können Freiwilligeneinsätze seit Mitte März jedoch nicht im gewohnten Rahmen stattfinden. Dennoch ist Caritas froh, auf das Engagement und die Flexibilität ihrer Freiwilligen auch während der Corona-Krise zählen zu können. Mit zunehmender Armut und sozialer Ausgrenzung bleibt ihre Solidarität auch längerfristig von Bedeutung.

Blog: Freiwilligenarbeit bei CaritasDas Beispiel von Caritas St. Gallen-Appenzell zeigt exemplarisch, dass die Freiwilligenarbeit in der Armutsbekämpfung eine unersetzliche Rolle einnimmt: Die Caritas-Märkte im Kanton St. Gallen sind vor, während und nach der Corona-Krise für die Grundversorgung der armutsbetroffenen und -gefährdeten Menschen unentbehrlich. Nebst der Ladenleitung stellen normalerweise freiwillige Mitarbeitende den Betrieb der beiden Caritas-Märkte in Will und St. Gallen sicher. Diese Freiwilligen sind mehrheitlich über 65 Jahre alt. Ausgerechnet diese Personengruppe war aufgefordert zu Hause zu bleiben. 

Deshalb war es für die Märkte im Kanton St. Gallen wichtig, den Ausfall von älteren Freiwilligen innerhalb kürzester Zeit zu kompensieren. Dank der grossen Solidarität sowie Whatsapp und Co. verbreitete sich diese Nachricht innert weniger Stunden. So meldeten sich viele Studierende und Menschen, die nicht arbeiten oder zur Schule gehen konnten. Dank ihrer spontanen Hilfsbereitschaft blieben die Caritas-Märkte in St. Gallen geöffnet.

Der Caritas-Markt ist eines der Einsatzorte, wo sich Freiwillige in der aktuellen Krise engagieren. Freiwillige sind etwa auch im Rahmen von Lieferdiensten für Einkäufe im Einsatz, um den Grundbedarf von Armutsbetroffenen und -gefährdeten sicherzustellen. Caritas Ticino hat die eigens kreierte Webseite «Un aiuto insieme» aufgeschaltet, um solche Hilfeleistungen zu unterstützen. 

Freiwillige leisteten im letzten Jahr 288 000 Einsatzstunden bei Caritas

Die aktuelle Ausnahmesituation lehrt uns einmal mehr, dass die Freiwilligenarbeit von der Generationendurchmischung lebt. Caritas ist dankbar um den unermüdlichen Einsatz der jüngeren Generation. Gleichzeitig darf der Beitrag der älteren Generation für das Wohlergehen von armutsbetroffenen und 
-gefährdeten Personen in «regulären Zeiten» nicht ausser Acht gelassen werden. Im Jahr 2019 engagierten sich 4600 Freiwillige bei der Caritas, die insgesamt 288 335 Einsatzstunden geleistet haben. Dabei machte der Anteil der Personengruppe der über 65-Jährigen im Schnitt ein Fünftel der Freiwilligen aus, in gewissen Caritas-Organisationen sogar bis zur Hälfte. Was alle Caritas-Freiwilligen verbindet: Das grosse Engagement gegen Armut und soziale Ausgrenzung.

Gerade in gesellschaftlichen Ausnahmesituationen wird die Notwendigkeit von intakten sozialen Kontakten und der (intergenerationellen) Hilfsbereitschaft deutlich spürbar. Dies umso mehr bei Menschen in prekären Lebenslagen, die ohnehin schon starkem sozialen Ausschluss ausgesetzt sind. Deshalb setzen die Freiwilligeneinsätze bei Caritas heute auf alternative Kontaktmöglichkeiten wie Telefon, Mail oder Briefe.

Anhaltende Einsatzbereitschaft von Freiwilligen notwendig

Es ist absehbar, dass Armut und soziale Ungleichheit durch die Corona-Krise weiter zunehmen werden. Denn einerseits können viele Menschen von den kurzfristigen staatlichen Unterstützungsmassnahmen zur Abfederung sozialer und wirtschaftlicher Folgen nicht profitieren, weil sie etwa bei den Sozialversicherungen nicht angemeldet sind. Andererseits bestanden strukturelle Probleme und soziale Ungleichheiten schon vor der Corona-Krise, die sich nun beispielsweise durch die Zunahme der unfreiwilligen Unterbeschäftigung verstärken könnten. Finanzielle Schwierigkeiten bedrohen oftmals auch die soziale Inklusion und Teilhabe.

Es ist deshalb anzunehmen, dass Solidarität und zwischenmenschliche Begegnungen noch längere Zeit gefragter sein werden, um sozialem Ausschluss entgegenzuwirken. Die Nachfrage an Freiwilligen wird daher auch nach der Corona-Krise bestehen bleiben, wenn nicht sogar zunehmen. Schon jetzt warten unzählige Bergbauerfamilien sowie weitere Menschen in prekären Lebenssituationen darauf, dass sie Unterstützung von Caritas-Freiwilligen erhalten. Die Freiwilligeneinsätze bei Bergbauerfamilien können zwar wieder stattfinden. Aufgrund der aktuellen Lage können jedoch nur Freiwillige aus der Schweiz und dies unter Berücksichtigung der Empfehlungen und Weisungen des Bundes eingesetzt werden. Erfreulicherweise haben sich in den letzten Tagen auf einen Aufruf hin zahlreiche Personen für einen solchen Einsatz angemeldet.

Die spontane Einsatzbereitschaft und Solidarität, die sich in den letzten Wochen überall in der Schweiz zeigen, sind bemerkenswert und schenken Hoffnung für die Zukunft. Gleichzeitig wird früher oder später die Einsatzbereitschaft der jungen Menschen abnehmen, wenn sie ihre Alltagspflichten und anderen Freizeitaktivitäten wieder aufnehmen. Der Improvisationswille in den Caritas-Märkten und anderen Freiwilligeneinsätzen sowie die Solidarität mit den Mitmenschen bleiben somit weiterhin gefragt.

Bild: Caritas-Markt Sursee, (c) Caritas Luzern

Caritas-Engagement: Armutsbekämpfung