Navigation mit Access Keys

 

Freiwillige für den Stall und fürs Gemüt

Helferinnen und Helfer entlasten Schweizer Bergbauernbetriebe in Not - Mediendienst 5/2018

Die Fussverletzung ihres Mannes bringt Bergbäuerin Erika Amacher* an den Rand ihrer Kräfte: Primär muss sie für nicht erledigte Arbeiten in die Bresche springen. Dank den Freiwilligen von Caritas-Bergeinsatz erfährt sie Entlastung. Und es bilden sich Freundschaften fürs
Leben.

Die Präsidentin des Schweizer Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes, Christine Bühler, bestätigt, was Bergbäuerin Erika Amacher erlebt: "Die harte Arbeit auf den Bergbetrieben ist nicht auf viele Schultern verteilt. Oft braucht es nur wenig und das fragile Gefüge droht auseinanderzubrechen. Gerade für Frauen, die häufig viel Verantwortung auf dem Betrieb übernehmen, ist der Einsatz von Freiwilligen wertvoll".

Doppelte Arbeit trotz Rückenproblemen

Im Frühjahr gibt es Arbeiten, die erledigt werden müssen. In jedem Fall. Lawinenniedergänge des Winters haben viel Schaden bei Amachers angerichtet. Die Steine müssen geräumt werden, sonst kann das Vieh nicht auf die Weide. Weil Walter Amacher seinen verletzten Fuss noch nicht belasten kann, musste seine Frau während rund einem Monat mehrmals pro Woche selber ins steile Gelände klettern, um den Hang von Steinen und Holz zu befreien. Eine harte Arbeit für die 55-jährige Bäuerin, die selber mit Rückenproblemen zu kämpfen hat. Als "Systemdruck" bezeichnet sie diese Situation. Amachers haben fünf Kinder, zwei von ihnen wohnen noch zu Hause, alle sind aber berufstätig. Die Hofübernahme hat noch nicht stattgefunden. Glücklicherweise konnte einer der Söhne diesen Frühling einen Monat unbezahlten Urlaub nehmen und wird dem Vater bei den landwirtschaftlichen Arbeiten zur Seite stehen. Die Bergbauernfamilie wohnt ganz hinten im Saanenland im Berner Oberland auf 1200 Meter über Meer in den Bergzonen 3 und 4. Die Bewirtschaftung der 23 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche ist infolge der Topografie sehr arbeitsintensiv. Dazu werden auch 15 Hektaren Wald gepflegt, die der Sturm "Burglind" in Mitleidenschaft zog.

Freiwillige packen an und bringen Entlastung

Beginnt Bäuerin Amacher von den Freiwilligen zu erzählen, hellt sich ihre Miene auf: Zu einigen, die während der letzten Jahre einen Einsatz leisteten, haben sich Freundschaften gebildet. Drei Freiwillige melden sich fast jährlich stets auf diesem Betrieb an. Sie sind gut eingearbeitet und können von der ersten Stunde an voll eingespannt werden. Zudem können diese drei Männer dank dem freundschaftlichen Band auch ad-hoc angerufen werden, wenn zum Beispiel an einem schönen Sommersamstag die Heuernte infolge drohender Gewitter besonders schnell eingefahren werden muss. Das gibt Flexibilität und hilft den Systemdruck abzubauen. Und Erika Amacher kommt ins Schwärmen, als sie von der 24-jährigen Freiwilligen erzählt, die letzte Woche auf ihrem Betrieb war: Von Unkrautbekämpfung, Stall Misten, über Haushaltsarbeiten bis zu einfachen Handlangerarbeiten bei einem kleinen Bauprojekt konnte die junge Frau sehr vielseitig eingesetzt werden. "Es ist einfach enorm motivierend, wenn mehr Hände da sind, die das Arbeitsvolumen bewältigen können. So sehe ich über den Berg", sagt die Bergbäuerin und betont, dass gerade der soziale Kontakt für sie und ihren Mann wichtig und bereichernd ist.

870 Freiwilligeneinsätze im letzten Jahr

Caritas-Bergeinsatz vermittelt seit 40 Jahren schnell und unkompliziert freiwillige Helferinnen und Helfer an Bergbauernbetriebe. Betriebe, die sich in einer begründeten Notsituation befinden, können ein Gesuch für Freiwillige stellen. 2017 leisteten 870 freiwillige Frauen und Männer 1100 Einsatzwochen auf 110 Bergbauernbetrieben. Dies Entspricht rund 52 800 Arbeitsstunden im Wert von 1,2 Millionen Franken.

* Name geändert

Ersatzinhalte