Fortschritte bei der Integration – trotz Pandemie

Berufliche und soziale Integration von Flüchtlingen im Kanton Freiburg - Mediendienst 05/2021

Im Frühjahr 2020 wurden die Herausforderungen für die Fachstelle Integration von Caritas Schweiz im Kanton Freiburg noch ein Stück komplexer. Es galt, trotz Pandemie für möglichst viele Flüchtlinge Möglichkeiten der Erwerbsintegration zu entwickeln und so auch der sozialen Isolation vorzubeugen. Von 1500 während ihrer Integration begleiteten Flüchtlingen übten Ende 2020 über 645 eine Erwerbstätigkeit aus oder machten eine Berufsausbildung.

Blog: Fortschritte bei der Integration – trotz Pandemie Als im März 2020 das Corona-Virus die Schweizer Wirtschaft, Kultur, den Sportbereich und das Gesundheitssystem lähmte, bekamen die Berufs- und Sozialberaterinnen und -berater die Auswirkungen unmittelbar zu spüren. Firmen und Bildungseinrichtungen stornierten bereits vereinbarte Praktika und Sprachkurse, laufende Veranstaltungen und Kurse wurden ausgesetzt. Die Fachstelle Integration der Caritas Schweiz in Freiburg informierte die Betroffenen über die Situation und erarbeitete Erklärvideos zu Hygienemassnahmen und Verhaltensregeln während der Pandemie. Nach der ersten Informationswelle wurde die soziale Isolation für die Geflüchteten mit jedem Pandemiemonat belastender.  

Bereits im Januar 2020 hatte Caritas eine Stelle für soziale Integrationsberatung geschaffen. Ziel war es, rund 350 besonders verletzlichen Menschen eine kontinuierlichere und persönlichere Integrationsberatung zu ermöglichen. Zur prioritären Zielgruppe gehört insbesondere 16- bis 25-Jährige sowie Menschen mit psychischen Problemen infolge einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die Geflüchteten reagieren durchweg positiv, wenn die Integrationsberaterin sie anruft: «Wie schön, dass Sie an mich gedacht haben!» Diese Telefonate können zehn Minuten dauern und manchmal auch eineinhalb Stunden. Wenn nötig besucht die Beraterin Betroffene sogar im Gefängnis, um die spätere soziale Integration bei Entlassung aus der Haft zu fördern.

Auch wenn die Pandemie die Bandbreite der beruflichen und sozialen Integrationsmassnahmen reduzierte, eröffnete sie doch auch neue Möglichkeiten. Manche Unternehmen kontaktierten die Fachstelle proaktiv, um neue Praktikumsplätze anzubieten. Ein besonders vulnerabler Flüchtling, voller Motivation und Engagement, konnte eine solche Chance nutzen und leistete bei den Entsorgungsbetrieben der Stadt Freiburg exzellente Arbeit. Diese positive Erfahrung gab ihm nicht nur mehr Selbstvertrauen, sondern auch die Chance auf einen festen Arbeitsplatz. Am Ende seines Praktikums wurde beschlossen, seine Erwerbsintegration durch eine Integrationsbegleitung zu unterstützen.

Erwerbsintegration  

Die ersten Pandemiemonate waren nicht einfach für die Mitarbeitenden der Erwerbsintegration. Praktika, Integrationsmassnahmen und Sprachkurse konnten nicht stattfinden, genauso wenig wie Präsenzgespräche. Doch mit den Lockerungen der letzten Wochen wurde wieder mehr möglich. Die Fachstelle Integration startete alternierend mit Präsenzgesprächen. Die Flüchtlinge, die aktiv einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz suchen, sind auf Unterstützung angewiesen. Vor diesem Hintergrund entstand eine neue Massnahme: Smart Exploration. Hier wird vermittelt, wie man bei der Suche nach einem Arbeitsplatz unterschiedliche Informatik-Tools nutzen kann. Dazu zählen das Anlegen und Bewirtschaften eines Cloud-Kontos, der gezielte Einsatz von Jobbörsen und Job-Plattformen, E-Mail-Korrespondenz und Videokonferenzen. Auch die Recherche im Internet nach Arbeitsmarktinformationen gehört dazu. Die Selbstständigkeit der Flüchtlinge ist Dreh- und Angelpunkt einer gelungenen Integration. Auch konnte die Fachstelle Integration mit dem externen Partner K-SEG Schnupperpraktika in Bauberufen kombiniert mit der Einführung in Arbeitssicherheit durchführen. 19 Flüchtlinge haben teilgenommen.

In der Fachstelle selbst ist die Asylsuchende Sivarubini als KV-Lernende im dritten Lehrjahr tätig. Die 29-jährige Frau absolvierte zwei Jahre kantonale Integrationskurse, um dann direkt eine Lehre anzuschliessen, die sie mit einem Berufsattest als Büroassistentin abschloss. Bei Caritas Schweiz hat sie nun die Möglichkeit, ihre Ausbildung zur Kauffrau mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) abzuschliessen und danach eine Stelle anzutreten.

Auch der dreissigjährige Dawit G. konnte während der Corona-Monate seine Initiativkraft unter Beweis stellen. Mit einem einwandfreien Bewerbungsdossier unter dem Arm stellte er sich bei zahlreichen Arbeitgebern persönlich vor. Er absolvierte ein dreitägiges Praktikum in einer Molkerei, die ihm danach einen Ausbildungsvertrag als Milchtechnologe ab Juli 2021 anbot. Die Zeit bis zum Ausbildungsstart überbrückt er mit einem längeren Praktikum im gleichen Betrieb.

Gute Kontakte zu einem Pflegeheim in der Stadt Freiburg ebneten Anfang Jahr den Weg für die Einstellung von zwei Flüchtlingen als Pflegehelfende.

Herausforderungen

Die Herausforderungen für die Fachstelle Integration sind und bleiben die Anerkennung der Diplome, der Zugang zur tertiären oder gymnasialen Bildung (erschwert durch die Zweisprachigkeit im Kanton Freiburg) sowie zu Universitäten und Sportverbänden (Fussball, Basketball, Leichtathletik etc.). Auch die kontinuierliche Weiterentwicklung der Arbeitswelt und die sich verändernden rechtlichen Rahmenbedingungen bergen Herausforderungen.  

Doch die Bilanz per Ende 2020 ist positiv: 121 Flüchtende haben einen Ausbildungsplatz, 359 einen unbefristeten und 149 einen befristeten Arbeitsvertrag. 171 Praktika (gesamthaft 327 Praktikumsmonate) wurden organisiert. Von 1500 Flüchtenden, die während ihrer Integration begleitet wurden, haben 645 einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz.

Bild: Berufliche Integration von jungen Flüchtlingen in Freiburg (Departement Fribourg). (c) Fabian Biasio
 

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