Einkommen für Tausende Kleinbauern im Westbalkan

Welche Wirkung hat die internationale Entwicklungszusammenarbeit? - Mediendienst 04/2019

Wie erzielen Entwicklungsprojekte Wirkung? Am Beispiel von Landwirtschaftsprojekten im Westbalkan zeigt sich, dass Erfolge auf verschiedenen Ebenen erzielt werden müssen, um nachhaltige Wirkung für die Kleinbauern zu erreichen. Wirksamkeitsmessung heisst dabei immer auch Lernen und Steuern.

Blog: Einkommen für Tausende Kleinbauern im WestbalkanDie Landwirtschaft spielt für die Menschen in den Ländern des Westbalkans eine wichtige Rolle bei der Einkommensgenerierung. Während in der Schweiz 3 Prozent aller Beschäftigten in diesem Sektor arbeiten, sind es in Bosnien und Herzegowina sechs, in Kosovo sogar zehn Mal mehr Menschen. Der Beitrag der Landwirtschaft an das Bruttoinlandprodukt ist mit 10 Prozent in Kosovo und in 7 Prozent in Bosnien und Herzegowina deutlich höher als hierzulande mit lediglich 0,7 Prozent. In beiden Ländern herrscht grosse Arbeitslosigkeit und Armut und viele Menschen leben in ländlichen Räumen.

Vom Individuum zum Kollektiv

In Bosnien und Herzegowina wie auch in Kosovo führt Caritas Schweiz seit über zehn Jahren Projekte zur ländlichen Entwicklung durch, mit welchen sie die Landwirtschaft und Einkommensgenerierung fördert. Das Ziel ist es dabei, Armut zu reduzieren und die Lebensbedingungen zu verbessern. Begonnen hat es mit einfachen Trainings und Beratungen für die Kleinbauern. Sie erhielten Zugang zu Ressourcen wie qualitativ gutem Saatgut, weiteren benötigten Materialien und Mikrokrediten. Ein wichtiger Aspekt war auch die Verbindung der Bauern zu Unternehmen, die ihre Ernte abkaufen.

Nach wie vor ist der Ansatz der Caritas, mit den Landwirtschaftsprojekten im Westbalkan den Kleinbauern Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. Die Projekte haben sich aber über die Zeit verändert. Während zuerst direkt mit den Bauern gearbeitet wurde, hat Caritas Schweiz in ihren neueren Projekten begonnen, bestehende Bauernverbände und Kooperativen in der Organisationsentwicklung zu unterstützen respektive neue aufzubauen. Dahinter steht die Idee, die Produktivität und Effizienz der Bauern stärker zu fördern, mehr Bauern zu erreichen und nachhaltige Strukturen nach Projektende zu hinterlassen. Die Organisationen kaufen für ihre Bauern gebündelt benötigte Materialien ein, bieten Beratungen an, verbreiten gute Anbaupraktiken und Produktionsstandards (zum Beispiel zertifizierte organische Produktion) und können so einen besseren Marktzugang und höhere Verkaufspreise erzielen.  Die Projekte begleiten auch neu gegründete oder bestehende Dachverbände, beispielsweise für die Produktion von Himbeeren oder Honig. Diese Verbände repräsentieren ihre Mitgliedorganisationen auf nationaler und internationaler Ebene und bringen so weitere Vorteile auf den verschiedenen Ebenen, von denen die Kleinbauern profitieren.
 

Landwirtschaftsprojekte im Westbalkan zeigen Wirkung

Es ist von grosser Bedeutung, die Erfolge und Wirksamkeit von Entwicklungsprojekten zu erfassen. Das Messen der Wirkung dient nicht nur dazu, Rechenschaft gegenüber den Spendern wie auch den Begünstigten abzulegen. Wirkungsmessung ist auch die Basis dafür, im laufenden Projekt nötige Anpassungen zu machen und für zukünftige Initiativen zu lernen, um so die bestmögliche Wirkung zu erzielen.

Unabhängige Evaluationen wie auch interne Untersuchungen und regelmässiges Monitoring zeigen, dass die Projekte einen positiven Einfluss auf die lokale Wirtschaft haben. Sie bieten neue Einkommensmöglichkeiten und verbessern so die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung, reduzieren Armut und bieten Alternativen zur Migration.

Durch das Engagement von Caritas Schweiz konnten die Verbände ihre organisatorischen Fähigkeiten wie auch ihre finanzielle Unabhängigkeit verbessern und spürbar Einfluss auf nationale Politiken und Strategien nehmen. Gleichzeitig erhöhte sich die Wettbewerbsfähigkeit und die Menge und Qualität der Produktionen von Tausenden Kleinbauern, was wiederum ihr Einkommen steigerte. Ein wichtiger Aspekt in den Projekten ist es, Bäuerinnen einzubeziehen und Frauenorganisationen zu fördern. Dabei ist erfreulicherweise festzustellen, dass immer mehr Frauen ihre Möglichkeiten im Landwirtschaftssektor erkennen und davon profitieren. Ein besonders interessanter Erfolg ist einem der Projekte in Bosnien und Herzegowina gelungen. Von Kleinbauern produzierte Himbeeren gelangen über Unternehmen, welche die Beeren gefrieren und weiterverkaufen, unter anderem bis in die Konfitüren und Joghurts im Schweizer Detailhandel. Insgesamt lässt sich daher klar festhalten, dass die Landwirtschaftsprojekte der Caritas Schweiz im Westbalkan wirken.

Bild: Andreas Schwaiger
 

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