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Die Klimakrise für die Ärmsten erträglich machen

Anpassung an die negativen Folgen des Klimawandels - Mediendienst 12/2018

Viele Entwicklungsländer haben keine Wahl. Rasch müssen sie sich an die teils verheerenden Folgen der Erderhitzung anpassen. Mit neuen Mitteln muss die Schweiz klimaexponierte Länder des globalen Südens unterstützen. Es braucht Küstendeiche und Zisternen ebenso wie dürreresistente Pflanzensorten und wassersparende Bewässerungsmethoden in der Landwirtschaft. Dringend notwendig sind auch dörfliche Getreidespeicher oder Frühwarnsysteme bei Stürmen und Überschwemmungen. 

Die Klimakrise für die Ärmsten erträglich machen2015 hat die Weltgemeinschaft das Pariser Klimaabkommen verabschiedet. Es geht darum, gefährliche Kipp-Punkte im Klimasystem mit unvorhersehbaren Auswirkungen zu vermeiden. Die durchschnittliche Erdtemperatur soll deutlich unter 2 Grad über vorindustriellem Niveau gehalten und möglichst auf 1,5 Grad begrenzt werden. Ebenfalls bekräftigten die Staaten die finanzielle Unterstützung armer Länder bei der Bewältigung der zusätzlichen Kosten durch Klimaschutz- und Anpassungsmassnahmen an die Klimaveränderung. 

Der aktuelle Sonderbericht des UN-Weltklimarates vom Oktober 2018 macht in aller Deutlichkeit klar: Die Welt ist nicht auf Kurs. Die Erde hat sich aufgrund von menschlichen Aktivitäten bereits um bis zu 1,2 Grad erwärmt. Und bereits 2030 könnte die globale Erwärmung 1,5 Grad erreichen, wennsie mit der aktuellen Geschwindigkeit voranschreitet. In einem Bericht des Umweltprogramms der UNO vom November 2018 mahnen Klimaexperten, die Länder müssten ihre bisherigen Anstrengungen mindestens verdreifachen, damit die Ziele von Paris eingehalten und katastrophale Folgen abgewendet werden können. 

Armen und klimaexponierten Gesellschaften fehlen die Mittel und Ressourcen 

Der Hitzesommer 2018 zeigt, dass auch die Schweiz stark vom Klimawandel betroffen ist. Wie dramatisch die Situation ist, belegen Meteo Schweiz und die ETH in ihren aktuellen «Klimaszenarien CH 2018». Dennoch sind es die ärmsten Länder des globalen Südens, die bei der Anpassung an die Klimaveränderung vor den grössten Herausforderungen stehen. Viele Entwicklungsländer sind besonders witterungsanfällig, weil sie landwirtschaftlich geprägt sind, lange Küstenabschnitte haben oder von unregelmässigen Niederschlägen betroffen sind. Gleichzeitig mangelt es ihnen an den notwendigen Mitteln, um entsprechende Anpassungsmassnahmen finanzieren zu können.

Mit ihrem hohen CO2-Fussabdruck pro Kopf hat sich die Schweiz zusammen mit anderen Industrieländern dazu verpflichtet, arme und betroffene Menschen bei der lebensnotwendigen Klimaanpassung stärker zu unterstützen. Mit hitzetolerantem Saatgut und geeigneten Bewässerungsmethoden, damit die Landwirtschaft ertragreich bleibt. Mit Küstendeichen und Wasserreservoirs, damit sich die Menschen vor Hochwasser und Trockenheit schützen können. Oder mittels Waldaufforstung und anderen Anpassungsmassnahmen, damit sie Bodenerosion oder Erdrutschen vorbeugen können.

Breite Partizipation und lokaler Kapazitätsaufbau

Unterstützung, um die klimabedingten Veränderungen bewältigen zu können, muss vor allem in besonders verwundbaren Ländern und Regionen geleistet werden. Dazu zählen gemäss der UN-Klimarahmenkonvention die am wenigsten entwickelten Länder, kleine Inselstaaten sowie afrikanische Länder. Gleichzeitig müssen Projekte auf Bevölkerungsgruppen ausgerichtet sein, die der Klimawandel besonders trifft und die kaum über Kapazitäten verfügen, sich daran anzupassen. Das können kleinbäuerliche Familien, Bewohner von informellen Siedlungen, benachteiligte Minderheiten, indigene Völker, Frauen und Kinder sein.

Um gewährleisten zu können, dass Anpassungsmassnahmen effektiv umgesetzt werden und vor Ort nachhaltig verankert sind, braucht es eine breite Partizipation der Bevölkerung. Dazu müssen zivilgesellschaftliche und gemeinschaftsbasierte Organisationen angemessen an der Anpassung beteiligt werden. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass potenziell benachteiligte Gruppen wie Indigene, ethnische oder religiöse Minderheiten und Frauen hiervon nicht ausgeschlossen sind. International anerkannte menschenrechtliche Leitlinien für die Projektplanung, etwa das Recht auf eine informierte und vorab gegebene Zustimmung bei Projekten in Territorien indigener Völker, gilt es zu respektieren. Schliesslich sollten Anpassungsmassnahmen zum Aufbau und zur Stärkung von lokalen und nationalen Kapazitäten beitragen. Dazu gehören relevante Regierungsstellen, örtliche Behörden und Gemeinden ebenso wie Lehrpersonen und weitere Personen aus der Zivilgesellschaft. Dadurch wird die nachhaltige Wirkung von Projekten erhöht und das Verständnis von Klimarisiken und Möglichkeiten der Anpassung an den Klimawandel gefördert. 

Bild: Bauer Subodhjam Khalku aus Bangladesch kann sich dank der Hilfe der Caritas besser an die veränderten Bedingungen anpassen. (c) Alexandra Wey
 

Unsere Aktion: Klima schützen und Armut von morgen bekämpfen

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