Die Angst vor dem Winter

Situation der Flüchtlinge in Bosnien-Herzegowina ist angespannt - Mediendienst 11/2020

Nach wie vor stecken in Bosnien-Herzegowina Tausende von Flüchtlingen fest. Für sie gibt es kein Vor und kein Zurück. Der nahende Winter wird die prekäre humanitäre Situation in- und ausserhalb der Flüchtlingslager weiter verschärfen, insbesondere dann, wenn es zu Covid-19-Ausbrüchen kommen wird.

Die europäische Flüchtlingspolitik wirkt sich auf verschiedene Länder sehr unterschiedlich aus. Während in der Schweiz die Zahl der Asylgesuche auf ein Langzeittief gefallen ist, spitzt sich die Situation an anderen Orten zu. Dabei steht vor allem die humanitäre Krise in Griechenland im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Weniger bekannt ist dagegen, dass auch in Bosnien-Herzegowina Tausende von Flüchtlingen unter prekären Bedingungen feststecken. Seit Januar 2018 sind rund 65 000 Migrantinnen und Migranten in Bosnien-Herzegowina eingetroffen. Allein 2020 hat die bosnische Ausländerbehörde mehr als 12 000 Neuankömmlinge registriert. Das Asylsystem von Bosnien-Herzegowina ist in weiten Teilen dysfunktional. Nur sehr wenigen Migrantinnen und Migranten ist es bisher gelungen, einen Asylantrag zu stellen oder Schutz zu erhalten. Die meisten beabsichtigen illegal über die derzeit für Migranten geschlossene Grenze nach Kroatien in Länder der Europäischen Union weiterzureisen. Gegenwärtig sind rund 6000 Asylsuchende und Flüchtlinge in Aufnahmezentren und anderen formellen Unterkünften untergebracht. Zusätzlich leben schätzungsweise etwa 4000 Personen in illegal besetzten Behausungen, campen im Freien oder sind auf ihrer Fluchtroute im Land unterwegs.

Hilfsorganisationen bereiten sich auf das Schlimmste vor

Die Prävention von Covid-19 innerhalb und ausserhalb der Aufnahmezentren ist eine wichtige Aufgabe für alle beteiligten Hilfsorganisationen. Bisher konnte ein grösserer Ausbruch verhindert werden. Nur wenige Migrantinnen und Migranten wurden positiv getestet. Doch die bevorstehende Wintersaison wird die Situation noch verschärfen. Angesichts der anhaltenden politischen Spannungen im Zusammenhang mit der Migrationsfrage, der Schliessung des Aufnahmezentrums in Bira durch die lokalen Behörden und der bevorstehenden Schliessung anderer Aufnahmezentren ist die Lage kurz vor Winterbeginn sehr instabil. Die Hilfsorganisationen bereiten sich auf das Schlimmste vor.

Wäschereidienste, Lebensmittelpakete und Tee-Ecken

Die Lebensbedingungen von Migranten und Flüchtlingen in Bosnien-Herzegowina zu verbessern, ist das Ziel der Arbeit von Caritas Schweiz vor Ort. 1000 besonders verletzliche Personen werden in den kommenden Wochen unterstützt, ihre Grundbedürfnisse besser zu decken und sich und andere vor der Übertragung von Covid-19 zu schützen. Genauer gesagt arbeitet Caritas Schweiz daran die Gesundheits- und Hygienesituation durch Wäschereidienste innerhalb und ausserhalb von Aufnahmezentren und Handwaschstationen an Verteilungspunkten grundlegend zu verbessern. Des Weiteren verteilt Caritas 5000 Lebensmittelpakete. Sie stellt geeignete Kleidung, persönliche Hygieneartikel und Schlafsäcke vor allem ausserhalb der bereits überfüllten Aufnahmezentren bereit, denn dort können Migrantinnen und Migranten keinerlei sonstige Unterstützung erwarten. In eigens eingerichteten Tee-Ecken innerhalb und ausserhalb der Aufnahmezentren gibt es neben heissem Tee auch Informationen zur Prävention von Covid-19.

Hilfsorganisationen sind gut vernetzt

Caritas Schweiz arbeitet grundsätzlich Hand in Hand mit lokalen erfahrenen Partnerorganisationen innerhalb und ausserhalb des Caritas-Netzwerks. Die stationären Wäschereidienste und Tee-Ecken in Bihać (Kanton Una-Sana), Tuzla und Sarajevo werden dabei durch Sozialarbeiter unterstützt. Für die Verteilung von Nothilfegütern stehen mobile Teams an verschiedenen Orten in ganz Bosnien-Herzegowina im Einsatz. Dies geschieht in regelmässiger und detaillierter Abstimmung mit anderen aktiven Organisationen. So koordiniert Caritas ihre Aktivitäten mit dem UNHCR, der Internationalen Organisation für Migration (IOM), lokalen Behörden und lokalen zivilgesellschaftlichen Organisationen. Seit 2018 konnte Caritas Schweiz mit dieser Art von Hilfe fast 26 000 Migrantinnen und Migranten dabei unterstützen, ihre Grundbedürfnisse besser decken. Zusätzlich arbeitet Caritas Schweiz daran, Möglichkeiten zu schaffen, um Migranten und Flüchtlinge in Bosnien-Herzegowina sozioökonomisch zu integrieren.

Bild: Flüchtlingslager Bira. (c) Caritas Schweiz