Coronavirus in Subsahara-Afrika

Wie die Corona-Pandemie die alltägliche Not in Afrika verschlimmert - Mediendienst 10/2020

Covid-19 breitet sich in Subsahara-Afrika aus. Es fehlt an funktionierenden Regierungs- und Gesundheitssystemen, um wirksam auf das Virus zu regieren. Auch die indirekten Folgen der Pandemie – Hunger, fehlende Bildung und steigende Gewalt – verschlimmern die alltägliche Not vieler Menschen.

Als das Coronavirus in Subsahara-Afrika auftauchte, haben viele Länder rigoros reagiert: Lockdown, Maskenpflicht, Grenzschliessungen. Doch diese Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind in armen Ländern nur schwer durchsetzbar, denn viele Menschen leben von der Hand in den Mund. Obwohl die Fallzahlen weiter steigen, wurden in vielen Ländern die Beschränkungen bereits wieder gelockert; die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind nicht länger tragbar. Am stärksten betroffen ist Südafrika mit über 680 000 gemeldeten Fällen und über 17 000 Toten. Doch dies bedeutet nicht, dass andere afrikanische Länder mit niedrigeren Fallzahlen weniger betroffen sind: Aufgrund von mangelnden Testkapazitäten gehen Expertinnen und Experten von einer hohen Dunkelziffer aus.

Für viele Länder in Subsahara-Afrika sind die direkten Folgen der Covid-19-Pandemie verheerend, da die Gesundheitssysteme mangelhaft sind und Spitalbetten sowie Beatmungsgeräte fehlen. Doch die indirekten Folgen sind noch dramatischer. Viele Länder in Subsahara-Afrika waren bereits vor der Pandemie von Inflation, Mangel an Arbeitsplätzen und mangelhaften Bildungssystemen geprägt – im Besonderen auch in ländlichen Gebieten.

Covid-19 hat die Lage noch verschärft: Die Lockdown-Massnahmen und Grenzschliessungen haben vielen Menschen ihre meist informellen Einkommensquellen genommen. Vor allem für arme Menschen sind tägliche Einnahmen unverzichtbar, um ihre Familien zu ernähren. Die Schliessung der Schulen lässt Millionen von Kindern mit Bildungslücken zurück. In Uganda beispielsweise sind die Schulen seit März 2020 zu und eine Wiedereröffnung wird erst langsam diskutiert. Eine Mitarbeiterin von Caritas Schweiz in Uganda zeigt sich besorgt: «Somit verpassen über 15 Millionen Kinder in Uganda voraussichtlich fast ein ganzes Schuljahr. Viele Kinder haben nicht die Möglichkeit, zuhause zu lernen, und gerade diejenigen aus armen Familien fallen somit noch stärker zurück. Kinderarbeit, frühe Schwangerschaften und Zwangsheiraten nehmen zu.» Auch Fälle von sozialer Ausbeutung, sexueller Belästigung und häuslicher Gewalt steigen mit den Lockdown-Massnahmen nachweislich an.

Die Pandemie hat die Sicherheitslage und die politische Stabilität in vielen afrikanischen Ländern verschlechtert. In Mali verstärkte sich die Not der Bevölkerung, und die Regierung geriet stark in die Kritik. Zusätzlich zu den Covid-19-Massnahmen verschlimmern Hunger, Gewalt und Unsicherheit aufgrund extremistischer Gruppierungen und die weit verbreitete Arbeitslosigkeit die Lage. Als Folge davon formierte sich eine breit abgestützte Oppositionsbewegung, die über Monate hinweg Proteste organisierte und die Absetzung des Präsidenten forderte. Dies mündete schliesslich am 18. August in einen Militärputsch.

Wie Caritas Schweiz den am stärksten betroffenen Menschen hilft 

Caritas Schweiz hat rasch reagiert, um den negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie entgegenzuwirken. Ein primäres Ziel dabei ist es, hungerleidende Menschen zu unterstützen. Denn in vielen Ländern fällt die Pandemie mit der jährlich wiederkehrenden Hungerslücke zusammen – jenen Monaten im Jahr, in denen die Menschen die letztjährige Ernte aufgebraucht haben und auf die neuen Erzeugnisse warten. In Mali sind aufgrund schlechter Ernten im Vorjahr und dem Ausbleiben alternativer Einkommensmöglichkeiten aktuell besonders viele Menschen von Hunger betroffen. Caritas Schweiz hat aus diesem Grund Nahrungsmittelhilfe an über 3500 Personen in 31 Dörfern in der Region Bandiagara verteilt. Auch in Burkina Faso und Uganda hat Caritas Schweiz Lebensmittel an besonders arme Menschen abgegeben.

Des Weiteren hat Caritas Schweiz eine grosse Informationskampagne zu Covid-19 gestartet. In Mali, Burkina Faso, Tschad, Äthiopien, Somaliland und im Südsudan versorgen Caritas-Mitarbeitende die Bevölkerung mit Hygienepaketen und Informationen zu korrekten Präventionsmassahmen. Es wurden auch Radio-Beiträge und Poster in den lokalen Sprachen zur Sensibilisierung entwickelt. Denn Falschinformationen über das Virus sind häufig: In ländlichen Gebieten im Südsudan zum Beispiel haben viele Personen noch gar nicht von Corona gehört, und jene, die bereits vom Virus wissen, vertrauen oft auf abergläubische Bräuche, um es zu bekämpfen. Da das Covid-19-Virus aller Voraussicht nach noch länger präsent sein wird, sind Sensibilisierungskampagnen und Präventionsmassnahmen die nachhaltigste Form der Unterstützung. Denn auch in Subsahara-Afrika gilt: Wer die Hygienegrundregeln – regelmässiges Händewaschen und Abstand halten – einhält, schützt sich am effektivsten.

Karte: Ausbreitung von Covid-19 in Subsahara-Afrika (WHO, Stand 6.10.2020)
Bild: Massnahme zur Stärkung des Zugangs zu Wasser in Oromia, Äthiopien. (c) Caritas Schweiz

Caritas-Engagement: Corona-Krise - Unsere Solidarität mit armen Ländern ist gefordert