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Bondo muss mit der Gefahr leben

Ein Jahr nach dem Bergsturz am Piz Cengalo - Mediendienst 7/2018

Bondo ist auf dem Weg zurück zur Normalität: Das Geschiebebecken ist ausgebaggert, die zerstörten Häuser wurden abgerissen, der Wiederaufbau der Infrastruktur ist in Planung und zum Teil auch schon im Gange. Entwarnung kann aber nicht gegeben werden: Starke Sommergewitter könnten jederzeit neue Murgänge auslösen. Derweil kümmert sich eine Kommission um die koordinierte Vergabe der Spendengelder.

Anna Giacometti, seit letztem Sommer landesweit bekannte Präsidentin der Gemeinde Bregaglia, ist froh, wenn die definitiven Schutzbauten einmal erstellt sein werden: «Die provisorischen Bauten geben uns Schutz. Aber wenn es im Val Bondasca gewittert, dann sind die Leute hier beunruhigt». Am 23. August 2017 donnerten drei Millionen Kubikmeter Bergsturzmaterial vom Piz Cengalo ins Bondasca-Tal und lösten unmittelbar danach mehrere Murgangschübe aus. 150 Bewohnerinnen und Bewohner mussten über Wochen aus ihren Wohnungen evakuiert werden. Drei Gewerbebetriebe wurden von den gewaltigen Kräften der Murgänge in Mitleidenschaft gezogen. Neun Gebäude mit Totalschaden wurden kürzlich abgerissen. Ein Teil der beschädigten Gemeindeinfrastruktur befindet sich bereits im Wiederaufbau, Trinkwasser- und Stromversorgung funktionieren schon seit einiger Zeit. «Gibt es keine grossen Murgänge mehr, dann sollten alle Projekte 2023 abgeschlossen sein», sagt Giacometti. Auch ein vergrössertes Geschiebebecken wird der Bevölkerung bis zu diesem Zeitpunkt mehr Schutz bieten.

Koordinierter Einsatz der Spenden

Im zweistelligen Millionenbereich liegen die Kosten der Räumungs- und Wiederinstandstellungsarbeiten sowie der neu zu erstellenden Schutzbauten, die mehrheitlich durch Bund, Kanton und die Gemeinde finanziert werden. Diese ausserordentlichen Ausgaben stellen für Bregaglia eine hohe Belastung dar. Hier kann Anna Giacometti auf die Unterstützung der Hilfswerke zählen: «Wir sind dankbar für jede Spende, die für uns getätigt wurde. Wir hoffen so alle Kosten bewältigen zu können und die Steuern im Tal nicht erhöhen zu müssen». Damit die Spendengelder koordiniert und nach einheitlichen Kriterien eingesetzt werden, hat die Bündner Regierung – wie schon nach dem Jahrhunderthochwasser 2005 – eine Spendenkommission eingesetzt. Caritas Schweiz vertritt in der Kommission die Interessen der Stiftung Glückskette. Diese hat Caritas Schweiz mandatiert für die Umsetzung jener Hilfe, die mit den Glückskette-Spenden finanziert werden soll. Ausserdem hat die Caritas der Gemeinde aus ihren eigenen Spenden einen ersten Beitrag von einer Million Franken zur Verfügung gestellt: Die Spendenkommission kann diesen Beitrag dort einsetzen, wo der Bedarf am dringlichsten ist.

Auch betroffene Privatpersonen und KMUs, die sich nach Versicherungsleistungen mit Restkosten konfrontiert sehen, können bei der Kommission einen Antrag auf einen Unterstützungsbeitrag stellen. Bis dato sind 28 Gesuche eingegangen. Dass die Spendengelder nach dem effektiven Bedarf und nicht nach dem Giesskannenprinzip ausgegossen werden, ist Anna Giacometti sehr wichtig.

Bondo hat lernen müssen, mit der Gefahr zu leben

Noch hat das Bergell nicht vollständig zur Normalität zurückkehren können. Am Piz Cengalo sind weitere Felsmassen absturzgefährdet und im Val Bondasca liegen schätzungsweise 1,5 Millionen Kubikmeter Schuttmaterial, welche sich bei Starkniederschlägen rasch in einen neuen Murgang entwickeln können. Damit die Bewohnerinnen und Bewohner der Ortsteile Bondo, Promontogno, Sottoponte und Spino, die in unmittelbarer Nähe der Bondasca leben, ruhig schlafen können, wird der Berg mit Radarmessungen überwacht. Zudem löst ein Alarmsystem ein Signal aus, sobald sich neue Murgänge bilden. Bondo hat lernen müssen, mit der Gefahr zu leben.

Bild: Silvano Allenbach/Caritas Schweiz

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