Bondo auf dem Weg zurück zur Normalität

Bergsturz am Pizzo Cengalo - Mediendienst 08/2019

Blog: Bondo auf dem Weg zurück zur NormalitätZwei Jahre nach dem verheerenden Bergsturz befindet sich Bondo auf dem Weg zurück zur Normalität. Die beschädigte Infrastruktur wird laufend wiederaufgebaut. 2020 starten die Projektierungsarbeiten für die neuen Bauten, die dem Dorf Schutz vor zukünftigen Murgängen bieten sollen. 

Anna Giacometti, Gemeindepräsidentin von Bregaglia, beschreibt, wie die Normalität mehr und mehr Einzug hält in den Ortsteilen Bondo, Promontogno, Spino und Sottoponte: «Nach meinen Sommerferien startete ich die Arbeit mit einem Spaziergang von Promontogno, wo sich das Gemeindehaus befindet, hoch über den Bach Bondasca über die provisorische Hängebrücke in den alten Dorfkern von Bondo. Es fielen mir dabei die Blumen und Bepflanzungen in den Gärten entlang der provisorischen Schutzbauten auf, wo die Murgänge vor zwei Jahren Zerstörung angerichtet hatten. Alles sieht mittlerweile sehr schön und gepflegt aus». Das Wissen, dass Starkniederschläge jederzeit neue Murgänge im Val Bondasca auslösen könnten, sorgte letzten Sommer für grosse Nervosität im Dorf. Diesen Sommer gab es bisher nur wenige Gewitter. So sei die Stimmung entspannter, wie Giacometti weiss.  

«Höchste Priorität hat die Sicherheit»

Ganz verheilt sind die Wunden der Katastrophe aber nicht. Es gebe immer noch emotionale Momente, erzählt die Gemeindepräsidentin und erwähnt eine Gemeindeversammlung vor nicht allzu langer Zeit: Ein besorgter Bewohner verstand nicht, warum der Bau der definitiven Schutzbauten so viel Zeit in Anspruch nehme. «Es sind Investitionen in die Zukunft; nicht nur für uns, sondern auch für die Generationen, die nach uns kommen werden», erklärt Anna Giacometti. Momentan entwerfen zehn Ingenieur- und Architektenteams in einem Wettbewerb das neue Geschieberückhaltebecken und neue Brücken, die der Bevölkerung über die kommenden Jahrzehnte erhöhten Schutz bieten sollen. Im November wird das Siegerprojekt auserkoren werden, bevor es im nächsten Jahr ausgearbeitet werden kann. Welche Aspekte sind Anna Giacometti, die selber Mitglied der Jury ist, in diesem Projekt wichtig? «Höchste Priorität hat aus der Sicht der Gemeinde die Sicherheit». Und: Sie möchte in der Nähe der neuen Brücke, die Promontogno wieder mit Bondo verbinden wird, eine Gedenkstätte als Ort der Erinnerung realisieren. Bis zur Fertigstellung der neuen Schutzinfrastruktur 2023 wird der unruhige Berg permanent durch das kantonale Amt für Wald und Naturgefahren überwacht. 

Wanderweg, Ersatzbrücke und Kinderspielplatz

In den vergangenen Monaten sind die Wiederaufbauarbeiten einen weiteren Schritt vorangekommen: Kürzlich wurde der Alpine Wanderweg zur SAC-Hütte Sasc Furä mit neuer Streckenführung eröffnet. Für den Tourismus ist das ein wichtiger Schritt, zieht doch die Route zum Pizzo Badile, der sich neben dem Cengalo befindet, viele Bergsportbegeisterte an. Weiter haben kürzlich die Bauarbeiten zu einem Ersatz der Brücke Marlun begonnen, die Bondo wieder mit dem noch verschütteten Val Bondasca verbinden soll. Die Deponien, auf denen das Aushubmaterial der Murgänge abgelagert wurde, sind mittlerweile begrünt und können der Landwirtschaft bald zurückgegeben werden. Und nicht zuletzt wurde auch ein Standort für den neuen, sicheren Kinderspielplatz gefunden. 

Wie Spenden eingesetzt werden

Die Gemeinde Bregaglia kann bei den Räumungs- und Wiederinstandstellungsarbeiten sowie beim Bau der neuen Schutzinfrastruktur auf die Unterstützung der Hilfswerke zählen. Damit die 14 Millionen Franken, die über die grossen Hilfswerke und das Sammelkonto der Gemeinde zusammengekommen sind, koordiniert eingesetzt werden, hat die Bündner Regierung 2017 eine Spendenkommission eingesetzt. Caritas Schweiz vertritt in diesem Gremium die Interessen der Stiftung Glückskette. Sie hat Caritas Schweiz mandatiert für die Umsetzung jener Hilfe, die mit den Glückskette-Spenden finanziert werden soll. Die Caritas hat der Spendenkommission zudem aus der eigenen Sammlung Spenden in der Höhe von 1,3 Millionen Franken zur Verfügung gestellt. Die Kommission kann den Betrag dort einsetzen, wo der Bedarf am dringlichsten ist. Spenden der Hilfswerke werden immer subsidiär eingesetzt. Eine erste Tranche konnte Caritas der Gemeinde bereits überweisen, weitere werden folgen, sobald neue Abrechnungen von Teilprojekten vorliegen und die Höhe der Restkosten bekannt ist. 

Text und Bild: Silvano Allenbach, Caritas Schweiz

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