Arbeitsrechtliche Massnahmen alleine reichen nicht aus

Prekäre Bedingungen in der 24-Stunden-Betreuung - Mediendienst 11/2019

Die 24-Stunden-Betreuung durch osteuropäische Pendelmigrantinnen ist heute in der Schweiz eine verbreitete Form der Versorgung betagter Menschen. Dutzende von Agenturen bieten diesen Dienst an – teilweise unter prekären Bedingungen. Arbeitsrechtliche Regelungen alleine reichen aber zum Schutz der Betreuerinnen nicht aus. Sie brauchen eine Vertrauensperson, die bei Problemen hinter ihnen steht.

Blog: Arbeitsrechtliche Massnahmen alleine reichen nicht ausÄltere Menschen möchten so lange wie möglich zu Hause leben. Wenn die Hilfsbedürftigkeit zunimmt, kommen die Angehörigen früher oder später an ihre Grenzen. Vor allem bei einer zunehmenden Demenz wird die Betreuung zu Hause bald zur Überlastung. Eine 24-Stunden-Betreuung mit osteuropäischem Personal scheint in dieser Lage die ideale Lösung. Damit diese gelingt, müssen aber einige Punkte erfüllt sein: es braucht eine sorgfältige Abklärung und es braucht eine korrekte Anstellung. Aber es braucht vor allem eine Vertrauensperson, welche die Betreuerin einführt und unterstützt.

Gute Abklärung der Situation notwendig

Bei der Abklärung ist eine Fachperson erforderlich, die die Lebenssituation der zu betreuenden Person zu Hause abklärt. Sie schätzt ein, wie hoch der Betreuungsbedarf ist und welche Ressourcen das soziale Umfeld selber bieten kann. Auf dieser Grundlage ist zu entscheiden, ob der Einsatz für eine einzelne Betreuerin machbar ist. Das bedeutet: Dass täglich acht Stunden Arbeitszeit reichen, dass die Betreuerin während ihrer Freizeit und an ihrem freien Tag das Haus verlassen kann und dass das Aufstehen in der Nacht nur eine Ausnahme ist. Eine dauernde Präsenz rund um die Uhr kann eine Betreuungsperson alleine nicht leisten. Dann braucht es ein zusätzliches Engagement der Angehörigen, den Beizug weiterer Dienste oder den Einsatz einer zweiten Betreuerin.

Vertrauensperson unterstützt, wenn es nicht läuft

Die korrekte Anstellung der Betreuerin erfolgt aufgrund des Normalarbeitsvertrags für Haushalthilfen oder des Gesamtarbeitsvertrags beim Personalverleih. Die formelle Einhaltung dieser Bedingungen reicht in der 24-Stunden-Betreuung aber nicht aus. In kaum einem anderen Arbeitsverhältnis ist es üblich, dass die angestellte Person im gleichen Haushalt arbeitet und wohnt. Was für die betreute Person von Nutzen ist, kann für die Betreuerin belastend werden: Die Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit ist schwierig. Deshalb sind Pendelmigrantinnen darauf angewiesen, dass eine Vertrauensperson sie begleitet. Sie führt die Betreuerinnen in ihre Arbeit ein, nimmt mit ihnen regelmässig Kontakt auf und unterstützt sie, wenn es nicht so läuft wie es sollte – wenn sich die Bedürfnisse der betreuten Person verändern, wenn die geplante Arbeitszeit nicht reicht, wenn die Freizeit nicht bezogen werden kann. Oder wenn es Missverständnisse gibt. Und ebenso, wenn das Betreuungsverhältnis zu Ende geht, weil die betreute Person ins Pflegeheim eintritt oder verstirbt. In diesen Situationen ist die Vertrauensperson zur Stelle und sucht gemeinsam mit den Beteiligten gute Lösungen.

Caritas Care hat für die 24-Stunden-Betreuung ein Modell geschaffen, das diesen Ansprüchen gerecht wird. Die regionalen Einsatzleiterinnen klären den Bedarf zu Hause ab, führen die Betreuerinnen ein und unterstützen sie regelmässig. Sie beraten aber auch die betreuten Personen und ihre Angehörigen. Über die arbeitsrechtlichen Bedingungen hinaus leisten diese Vertrauenspersonen das, was die 24-Stunden-Betreuung vertretbar macht: für die Betreuerinnen aus Osteuropa ebenso wie für die Qualität der Betreuung zu Hause.

Bild: Alexandra Wey

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