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Worum geht es?

Die Roma sind eine grosse Volksgruppe in Bosnien-Herzegowina (BiH). Durch die Minderheitengesetzgebung sind ihnen alle Rechte von Staatsbürgern in BiH gewährt. Doch die tägliche Diskriminierung, die fehlende Integration u.a. auch ins Schulsystem haben sie zur ärmsten und am meisten vernachlässigten Bevölkerungsgruppe in BiH gemacht. Heute schätzt man, dass ca. 50‘000 bis 80‘000 Roma in BiH leben. BiH ist seit Sommer 2008 Mitglied der „Roma Dekade 2005-2015“. Mit dem Beitritt eröffnet sich die Möglichkeit, dass internationale Donatoren (z.B. Weltbank, EU, Roma Education Fund, bilaterale Geber) Roma Projekte unterstützen. Dazu wurden Aktionspläne für die Bereiche Gesundheit, Bildung und Wohnen erarbeitet, die seither in Umsetzung sind. Eine Auswertung vom Frühling 2012 ist wenig schmeichelhaft. Gerade im Bildungsbereich wurde von den staatlichen Institutionen in BiH bisher noch wenig geleistet.

Caritas Schweiz setzte mit dem Roma-Education Programm 2010-2012, das an sechs Schulen im Kanton Sarajevo Roma Kinder ins Bildungssystem integrierte, erfolgreich ein Projekt um, das nun an anderen Standorten in BiH wiederholt werden wird. Ziel auf der Primarstufe war, dass ältere Kinder oder solche, die noch nie eine Schule besucht haben, Verpasstes aufholen und nach einiger Zeit in ihren Jahrgangsklassen die obligatorische Schulzeit beenden.

Das Projekt hat bewirkt, dass an den sechs Schulen zu vormals weniger als 20 Prozent nun mehr als 80 Prozent der Roma Kinder im Einzugsgebiet der Schulen die Primarschule besuchen. Das Projekt wird von 2013-2015 neu in den Kantonen Sarajevo, Zenica und Doboj/Derventa (in der Serbischen Republik) realisiert. Im Kanton Sarajevo wird das Projekt auf die Stufe Berufsschule ausgedehnt. Jugendliche absolvieren erfolgreich die Berufsschule oder erhalten eine anerkannte Ausbildung als Fachhilfskraft.

 

Was tun wir?

Von 2010 – 2012 baute Caritas Schweiz an sechs Schulen im Kanton Sarajevo vor allem für Roma Kinder sogenannte Catch-up Klassen auf. Das Modell überzeugte die Schulbehörden, welche ab 2013 an den sechs Schulen die Weiterführung des Systems garantieren. Der Ansatz baut auf folgenden Pfeilern auf:

Mit Hilfe von speziellen Klassen und Weiterbildung von Lehrerpersonen sollen Roma Schüler und Schülerinnen eine Chance in der Primarschule erhalten. Aelteren Kindern wird der Schuleintritt ermöglicht und sie holen Verpasstes nach. Später werden sie in ihre Jahrgangsklassen integriert und beenden die obligatorische Schulzeit. Weiter werden die Roma Kinder auch unterstützt mit Hausaufgabenhilfe an den Schulen, Schulmaterial und auch mit Kleidern. An den Schulen wird den Kindern eine Tagesstruktur geboten, wo sie auch regelmässige Mahlzeiten erhalten.

Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen begleiten die Eltern, damit sie die soziale Integration besser bewältigen können und insbesondere die Wichtigkeit des Schulbesuchs für ihre Kinder erkennen lernen. Roma Assistenten und Assistentinnen gewährleisten den intensiven Kontakt zwischen Eltern und Schule, indem sie in den Schulen das Lehrpersonal unterstützen, den Informationsaustausch fördern und gemeinsame Anlässe organisieren.

Extrem benachteiligte Familien erhalten in der Anfangsphase des Projektes Essenspakete, damit die Kinder nicht weiter zum Lebensunterhalt beitragen müssen und für den Schulbesuch frei sind. Was sehr wichtig ist: «Nicht-Roma-Kinder» aus sozial benachteiligten Familien werden ebenfalls ins Projekt aufgenommen. Diese Komponenten des Pilotprojektes von 2010-2012 werden neu angeboten an Grundschulen in den Kantonen Zenica, Doboj/Derventa sowie an den letzten zwei Grundschulen im Kanton Sarajevo, die im Pilotprojekt nicht berücksichtigt werden konnten.

Im Kanton Sarajevo werden neu Roma Jugendliche auf den Uebertritt in die Berufsschule vorbereitet. Die Jugendlichen werden während ihres Studiums an der Berufsschule mit Lernhilfen unterstützt. Jugendliche, für die die Hürde zu gross ist oder die formal die Aufnahmebedingungen nicht erfüllen, erhalten Gelegenheit, eine offiziell anerkannte Ausbildung als Fachhilfskraft zu absolvieren.

An zwei zu bestimmenden Standorten, an denen das Bildungsprogramm angeboten wird, bietet Caritas Schweiz in Zusammenarbeit mit dem MHRR (Ministerium für Menschenrechte und Flüchtlinge) Hilfestellung im Bereich Wohnen an, indem sie Wohnraum für bedürftige Roma Familien baut oder rehabilitiert. Das Vernetzen verschiedener Angebote für die gleiche Zielgruppe ist Teil der Roma-Strategie (Roma Kompetenzen) der Caritas Schweiz. Ziel dieser Strategie ist die nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände für Roma und andere sozial benachteiligte Gruppen. Dabei baut Caritas Schweiz auf ihren Erfahrungen mit Roma Minderheiten in BiH, Kosovo und Rumänien auf.

 

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