Die Menschen in Mosambik wagen den Neuanfang
Ein Jahr nach dem Zyklon Idai
 

Text: Lisa Fry, Bilder: Pamela Stathakis, Mario Macilau/Fairpicture

Am 15. März 2019 fegte der Zyklon Idai über Mosambik hinweg. Viele Menschen haben alles verloren. Nun erkämpfen sie sich eine neue Existenz. Die Caritas unterstützt sie dabei.

Die Sonne geht unter in Muchai, die Gegend ist in ein warmes Licht getränkt. Jorge Pande (51) schaut auf das Land, auf dem früher sein Haus stand und sein Garten blühte. Eine meterdicke Schlammschicht glänzt im Abendlicht. Wie viele andere hat der Vater von fünf Kindern alles verloren und kämpft immer noch, um wieder Fuss zu fassen.

Die Situation der Menschen in Mosambik, die vor einem Jahr durch den Zyklon Idai alles verloren haben, ist immer noch schwierig. Viele Familien in der Region Dombe in Zentralmosambik haben nicht nur ihre Ernte verloren, die kurz bevorstand, sondern auch ihr Land, ihr Haus, ihre Vorräte, ihre Arbeitsgeräte – kurz, ihre ganze Existenzgrundlage. 600 Personen starben, als der Zyklon über das Land fegte, über 200 000 Häuser wurden zerstört oder stark beschädigt. Insgesamt 1,5 Millionen Menschen waren betroffen. Damals ist die Caritas sofort mit Nothilfe eingesprungen und hat Nahrungsmittel, Zelte, Kochutensilien, Kleidung und landwirtschaftliche Geräte verteilt. So konnten die Menschen überleben. Inzwischen unterstützt sie vor allem die Menschen in Muchai in der Region Dombe.

 

«Ich möchte wieder auf eigenen Beinen stehen.»

Auch Jorge Pande profitierte von dieser Hilfe. Er hat eine Frau und fünf Kinder. Früher lebten sie im unteren Teil von Muchai, neben dem Fluss. Dort hatten sie ein Haus und ein grosses Feld. Heute leben sie weiter oben, im höher gelegenen Teil des Dorfes. Jorge hatte Glück: Er konnte sich ein neues Haus bauen auf Land, das er von Bekannten erhalten hat. Er wünscht sich, dass er wieder als Bauer arbeiten und Mais, Bohnen und Sorghum anpflanzen kann. «Ich möchte genug produzieren, um einen Teil der Ernte verkaufen zu können. So kann ich für mich und meine Familie ein kleines Einkommen erwirtschaften», sagt er. «Ich möchte wieder auf eigenen Beinen stehen. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich von der Caritas Saatgut und Geräte für die Landwirtschaft erhalten habe. Bis wir wieder etwas ernten können, erhalten wir auch weiterhin Lebensmittel.»

 

Den Menschen helfen, sich selber zu versorgen

Die meisten Familien in der Region Dombe haben wie Jorge und seine Familie inzwischen neue Lehmhütten in einer höher gelegenen Region gebaut. Einige Familien leben jedoch vorläufig noch in Zelten. Die meisten sind Selbstversorger, sind aber auf Lebensmittelverteilungen der Caritas angewiesen. Sie konnten die letzte Erntesaison nicht nutzen, da der Zugang zu den Äckern und Feldern nach den Überschwemmungen oft kaum möglich war. Zudem waren die Felder durchnässt, so dass sich Schädlinge rasch verbreiten konnten. Die Felder entlang des Flusses sind immer noch mit Lehm und Schlamm bedeckt.

 

Die Caritas berät und bietet technische Unterstützung

Caritas Schweiz und ihr lokaler Partner Caritas Chimoio helfen nun den Menschen in Dombe, sich wieder eine Lebensgrundlage aufzubauen. Zuerst erstellte die Gemeinde mit Hilfe der Fachleute von Caritas einen Plan für die Landnutzung – nur so kann die Zukunft nachhaltig gestaltet werden. Die Bäuerinnen und Bauern pflanzen in höher gelegenen Zonen an, obwohl es dort weniger Wasser gibt. Aber dafür sind die Felder auf dieser Höhe vor Überschwemmungen sicher.

Die Caritas zeigt den Familien, wie sie nachhaltig anbauen können. Zusammen mit lokalen Partnern unterrichtet sie die Bauern in verschiedenen Anbaumethoden. Sie verteilt landwirtschaftliche Geräte und lokales Saatgut, das den klimatischen Bedingungen angepasst ist: Sesam, Mais, verschiedene Bohnen- und andere Gemüsesorten. Die Caritas bietet auch technische Unterstützung. So finanziert sie Traktorarbeiten, die nötig sind, um die Felder für die Saat vorzubereiten. Das Ziel ist, dass die Betroffenen wieder auf eigenen Füssen stehen können und keine Nothilfe mehr brauchen. Sie werden systematisch in die Planung und Durchführung aller Aktivitäten einbezogen und von der Caritas vor Ort begleitet. 

 

Zugang zum Markt

Bisher hatten die Bauern nur unzureichenden Zugang zu den lokalen Märkten. Die lokalen Zwischenhändler mit hohen Margen verringerten ihr Einkommen. Nun unterstützt die Caritas die Bauern darin, kommunale Marktgruppen zu bilden, die bessere Liefer- und Kaufvereinbarungen aushandeln können. So können sie mehr Einkommen generieren und ihre Lebensgrundlage langfristig verbessern. Ihre Existenz ist somit in Zukunft durch verschiedene Pfeiler gesichert: durch Ackerbau in höheren Lagen und durch den zusätzlichen Verkauf von Agrarprodukten. So bauen sie eine bessere Basis für ihre Existenz auf.

 
 

«Sogar die Bäume wachsen anders.»

Samuel hatte Glück im Unglück. Wo sein Haus und Garten lag, liegt eine meterdicke Schlammschicht. Er hat alles verloren. Er, der gerne Musik hört, kann nur noch verbogene und vom Schlamm bedeckte Schallplatten auflesen. Von seinem «Ghettoblaster» bleibt nur noch das Deckblatt, auch das voller Schlamm. «Ich habe mich damit abgefunden», meint er. «Hauptsache, ich und meine Familie sind mit dem Leben davongekommen. Zum Glück waren damals meine Frau und die Kinder, die noch klein sind, in der nahen Stadt. Sie hätten wohl nicht überlebt.» 

Von der Kirche in der Stadt Dombe erhielt Samuel für sich und seine Familie ein Haus. Er selber kehrt oft nach Muchai zurück, hier wurde er geboren wurde. Muchai ist für ihn sein Zuhause. «Sogar die Bäume wachsen anders, besser, in Muchai», meint Samuel. Gerne würde er wieder als Bauer arbeiten, wie früher. Da er seit der Flut gesundheitliche Probleme hat, kann er jedoch nur noch einen kleinen Teil der Felder bebauen, zur eigenen Versorgung. Aber er ist auf externe Hilfe angewiesen. Er ist sehr dankbar, dass er von der Caritas Saatgut und neues Werkzeug erhält. Den Rest seines Landes gibt er freiwillig anderen Leuten ab, die dringend Land brauchen.

 

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