Corona-Krise weltweit

Die Casa del Migrante in La Paz bietet Schutz vor dem Coronavirus

Die grosse Mehrheit venezolanischer Flüchtlinge in Bolivien lebt von der Hand in den Mund. Das Coronavirus bedroht nicht nur ihre Gesundheit. Von einem Tag auf den anderen verloren sie mit den Quarantänemassnahmen auch ihr Einkommen. Die «Casa del Migrante» in La Paz bietet Schutz und Sicherheit, wie Richard Haep, Landesdirektor in Bolivien, berichtet.

 

Rund hundert venezolanische Migrantinnen und Migranten leben in der Ciudadela Ferroviaria, einem Stadtteil von La Paz, der an der neuen Autobahn zwischen La Paz und El Alto liegt. Die «Casa del Migrante Señor de la Paz» war für sie alle die erste Anlaufstelle. Dort blieben sie, bis sie richtig angekommen waren: Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis hatten, ein eigenes Einkommen und dann ein Zimmer oder eine bescheidene Wohnung in der Nähe. Im Casa del Migrante selbst ist Platz für etwa 30 Neuankömmlinge. Es wird – wie ein weiteres solches Haus im Süden der Stadt – von den Scalabrianos betrieben, einem Orden, der sich den Bedürfnissen von Migranten und Seeleuten widmet.

Mit dem Ausbruch des Coronavirus und den Quarantänemassnahmen haben die meisten Venezolanerinnen und Venezolaner in Bolivien ihre Arbeit verloren. Und wenn es nur das Verkaufen von Süssigkeiten am Strassenrand war: Zuvor reichte das Einkommen knapp, um die Familie zu ernähren (etwa die Hälfte der Venezolanerinnen und Venzolaner in Bolivien sind Kinder, davon wiederum die Hälfte unter 5 Jahren). Viele verloren wegen dem fehlenden Einkommen nun auch ihre Wohnung und sassen auf der Strasse, wo sie wegen der Quarantäne eben genau nicht sein sollten. Die meisten wurden hektisch in Herbergen kirchlicher Organisationen, einige auch in einfachen Hotels untergebracht.

 

So füllte sich die Casa del Migrante rasch bis auf den letzten Platz – und ging dann in Quarantäne. Dank der Hilfe von Caritas Schweiz und Misereor erhalten die Menschen bei den Scalabrianos Unterkunft, Verpflegung und Schutz.

 

Dank des schnellen Handelns von Caritas und Misereor mussten auch die venezolanischen Nachbarn der Casa del Migrante ihre Wohnung nicht verlassen. Im Rahmen des Projekts wird ein Grossteil ihrer Miete übernommen und sie erhalten Lebensmittel und Hygieneartikel, die in Coronazeiten notwendiger sind denn je. Die «klassischen» Hygienekits wurden um Schutzmasken, Desinfektionsmittel und Handschuhe ergänzt.

Die Venezolanerinnen und Venezolaner betreten nach Messung der Körpertemperatur und mit Mundschutz und Handschuhen einen Lagerraum der Casa del Migrante. Dort haben die Padres Ildo und Gregorio mit Freiwilligen aus der Gemeinde bereits die Lebensmittelpakete vorbereitet. Sie reichen für etwa zwei Wochen, dann gibt es neue. Einige Familien, die im Umfeld leben, erhalten auch Gutscheine, mit denen sie direkt im Supermarkt ihre Lebensmittel einkaufen gehen können. Sie sind zwei Monate gültig. 

 
 

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