Humanitäre Hilfe in Äthiopien und im Sudan

Tigray-Krise: Kein Ende in Sicht

Sieben Monate dauert der gewaltsame Konflikt im Norden Äthiopiens bereits an. Über zwei Millionen Menschen mussten fliehen, die humanitäre Lage in der Region hat sich alarmierend verschlechtert. Caritas Schweiz unterstützt seit Anfang Jahr Geflüchtete im Sudan und startet nun Nothilfe in Tigray selbst.

 

Die Krise im Norden Äthiopiens hat sich vom offenen Konflikt zu einer in der Schweiz weitestgehend unsichtbaren komplexen Krise gewandelt. Auch im siebten Monat nach dem Beginn der militärischen Eskalation Anfang November 2020 ist kein Ende in Sicht. Mit Blick auf die bevorstehenden Regierungswahlen muss davon ausgegangen werden, dass sich die gesamte Sicherheitslage im Land in den kommenden Monaten noch volatiler zeigen wird.

Die humanitäre Lage in der an Eritrea grenzenden Provinz Tigray ist nicht erst seit dem Ausbruch des militärischen Konflikts kritisch: Ausbleibende Regenfälle und die Heuschreckenplage führten dazu, dass bereits vorher eine Million Menschen in Tigray Hilfe benötigten. Der andauernde Konflikt hat die Lage nun abermals verschlimmert und gemäss den Vereinten Nationen (OCHA) schon über zwei Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Bei der Flucht liessen sie ihre Jobs, ihr Farmland sowie ihr Vieh zurück und verloren damit ihre einzige Lebensgrundlage. Während über 60 000 Menschen bis heute Schutz im Sudan suchten, flüchteten die meisten Vertriebenen innerhalb Tigrays zu grösseren Städten wie Shire, Adwa, Adigrat und Mekele.

 
 

Prekärste Lebensbedingungen

Wo die Geflüchteten ankommen, sind sie hauptsächlich auf die lokale Bevölkerung angewiesen. Dies wiederum erhöht den Druck auf die Ernährungssicherheit und die lokalen Ressourcen. Inzwischen sind über 4.5 Millionen Menschen oder rund drei Viertel der Bevölkerung Tigrays von Ernährungsunsicherheit betroffen. Infrastrukturen wie Wasserversorgungen, Schulen oder Krankenhäuser wurden durch die Kriegshandlungen zu einem grossen Teil zerstört oder sind wegen fehlendem Personal und fehlender Ausrüstung nicht mehr funktionsfähig.

Die weiterhin instabile Lage verhindert nicht nur eine Rückkehr der geflüchteten Menschen, sondern auch das Bestellen der Felder vor der Regenzeit, um Nahrungsmittelknappheit in der nahen Zukunft zu verringern. Es mangelt an Grundlegendem wie Trinkwasser und Artikel für die persönliche Hygiene. Die prekären sanitären Verhältnisse begünstigen die Verbreitung von Infektionskrankheiten wie Cholera oder COVID-19. Behelfsmässige Notunterkünfte, z.B. in Schulen, sind überfüllt und die notdürftig errichteten temporären Unterschlupfe sind nicht für die im Juni einsetzende Haupt-Regenzeit gewappnet.

 

Geflüchtete im Sudan unterstützen

Caritas Schweiz unterstützt seit Anfang Jahr im Sudan die britische CAFOD – langjährige Partnerin der Caritas im Sudan – und die Norwegian Church Aid (NCA) dabei, den Zugang zu lebenswichtiger Hygiene für die Geflüchteten zu verbessern. Dabei wird Kliniken und Apotheken vor Ort dabei geholfen, die lebensnotwendige Versorgung sicherzustellen und Medikamente sowie Vorräte aufzufüllen. Das Projekt arbeitet zudem mit lokalen Expertinnen und Experten sowie Netzwerken zusammen, um Menschen mit traumatischen Erfahrungen psychologisch zu unterstützen. An mehreren Orten konnte mit der Lieferung von Materialien für Notunterkünfte, Decken, Schlafmatten, Kochutensilien und Hygienesets Familien geholfen werden, die durch den Konflikt vertrieben und obdachlos wurden.

Erste Nothilfemassnahmen in Tigray gestartet

Die etwas bessere Sicherheitssituation lässt nun auch ein direktes Engagement in einzelnen Regionen Tigrays zu. Zusammen mit dem lokalen Partner, der Diözese von Adigrat (ADCS), startet Caritas Schweiz noch im Juni eine erste eigene Nothilfemassnahme: Vertriebene, die in behelfsmässig eingerichteten Notunterkünften Unterschlupf gefunden haben, erhalten das Nötigste zum Kochen, Schlafen und für die persönliche Hygiene. In diesem ersten Schritt stehen vor allem besonders vulnerable Gruppen wie Frauen und Kinder im Fokus. Mittelfristig sollen Massnahmen in der Rehabilitierung der Wasserversorgung, im Errichten von Sanitäranlagen sowie der Wiederaufnahme der Landwirtschaft folgen – wenn die Sicherheitslage dies zulässt. Um langfristige Folgen abzuschwächen, muss unbedingt jetzt gehandelt werden.

 

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