Syrienkrise

Syrienkrieg: Katastrophe ohne Ende

Nach zehn Jahren Krieg ist die humanitäre Hilfe in und um Syrien immer noch überlebenswichtig. Caritas Schweiz hat seit Beginn der Krise Hilfsprogramme im Umfang von 76 Millionen Franken umgesetzt und engagiert sich weiterhin für Kriegsvertriebene und Armutsbetroffene. Tagtäglich sind wir mit der grossen Not konfrontiert und kennen den dringlichen Handlungsbedarf. Wir appellieren deshalb an die Schweiz, ihr Engagement in der Krisenregion zu erhöhen und die 8500 vorläufig aufgenommenen Syrierinnen und Syrier als Flüchtlinge zu anerkennen.

 

Am 15. März jährt sich zum zehnten Mal der Kriegsbeginn in Syrien und markiert einen traurigen Meilenstein. Denn der Syrienkrieg ist eine der grössten humanitären Katastrophen seit dem Zweiten Weltkrieg. Von den rund 21 Millionen Syrerinnen und Syrern sind mehr als 6,5 Millionen über die Landesgrenzen geflohen, vor allem in die Nachbarländer. Der Libanon beherbergt mit rund 1,5 Millionen anteilsmässig die meisten Flüchtlinge. Nach Europa gelangten rund eine Million syrische Flüchtlinge. Knapp über sechs Millionen Menschen sind Binnenflüchtlinge in Syrien, wobei viele von ihnen mehrfach die Flucht ergreifen mussten.

In Syrien ist mehr als die Hälfte der syrischen Erwerbsbevölkerung arbeitslos und gegen 80 Prozent der Bevölkerung leben in Armut. Das staatliche Bildungssystem funktioniert kaum und lässt Kinder und Jugendliche ohne Bildungsperspektive. So ist die humanitäre Situation immer noch dramatisch; für elf Millionen Syrerinnen und Syrer ist die humanitäre Hilfe tagtäglich überlebenswichtig. Die Rückkehr nach Syrien ist aufgrund der omnipräsenten Zerstörung, der desolaten Grundversorgung und der Gefahr von Vertreibung und Gewalt weiterhin unmöglich. Die syrischen Flüchtlinge, aber auch die einheimische Bevölkerung der strukturschwachen Nachbarländer wie Jordanien oder der Libanon leiden stark unter den Folgen der Syrienkrise und befürchten einen Kollaps der sozialen Unterstützungssysteme.

Die Hilfe der Caritas für syrische Kriegsvertriebene

Caritas Schweiz hat seit Ausbruch des Krieges Hilfsprogramme von über 76 Millionen Franken in Syrien und in den Nachbarstaaten Libanon und Jordanien umgesetzt. Zur Not- und Überlebenshilfe kommen Bildungsmassnahmen zugunsten von Flüchtlingskindern sowie Massnahmen zur Einkommensförderung und Qualifizierung von Menschen für den Arbeitsmarkt dazu. Mit ihren Hilfsmassnahmen erreichte die Caritas seit 2012 insgesamt etwa 670 000 Personen. Da die Bedingungen in Syrien für eine Rückkehr der Flüchtlinge immer noch nicht gegeben und die Bedürfnisse in Syrien an humanitärer Hilfe in allen Sektoren noch heute enorm sind, engagiert sich Caritas Schweiz weiterhin in Syrien, aber auch im Libanon und in Jordanien für armutsbetroffene Menschen. Dabei setzt Caritas darauf, Nothilfe mit langfristiger, nachhaltiger Unterstützung zu verbinden.

 

Humanitäres Engagement der Schweiz erhöhen

Die internationale Gemeinschaft muss sich verstärkt für dauerhaften Frieden und den Wiederaufbau einsetzen. Bis dahin braucht es eine funktionierende humanitäre Hilfe für die Menschen in der Krisenregion. Nothilfe allein greift aber zu kurz, denn die vom Krieg gebeutelte Bevölkerung braucht Perspektiven in Form von mittel- und langfristiger Entwicklungshilfe. Insbesondere Investitionen in die Bildung sind eine grosse Notwendigkeit. In Syrien gibt es Kinder, welche aufgrund des Krieges die gesamte Schulzeit verpasst haben. Caritas fordert vom Bundesrat zusätzliche Mittel im Bereich der Humanitären Hilfe und der langfristigen Entwicklungshilfe.

Vorläufig aufgenommene Syrerinnen und Syrer als Flüchtlinge anerkennen

Insgesamt leben nach zehn Jahren Krieg in Syrien rund 20 000 Menschen aus Syrien in der Schweiz. Beinahe die Hälfte von ihnen – nämlich 8500 Menschen – hat keinen Flüchtlingsstatus erhalten, sondern sie sind in der Schweiz lediglich «vorläufig aufgenommen». Dies, obwohl schon früh absehbar war, dass die Geflüchteten für lange Zeit oder nie wieder in ihre Heimat zurückkehren können. Eine vorläufige Aufnahme bedeutet für sie schlechtere Aussichten auf eine Wohnung und eine geeignete Arbeit und erschwert ihre Integration. Um ihre Voraussetzungen zu verbessern, fordert Caritas vom Bundesrat, dass die 8500 Personen möglichst rasch als Flüchtlinge anerkannt werden. Wo engste Familienmitglieder auseinandergerissen wurden, sollen Familienzusammen­führungen durch humanitäre Visa ermöglicht werden. Zudem soll sich die Schweiz stärker für sichere Fluchtwege einsetzen und die Aufnahme von Resettlement-Flüchtlingen erhöhen.

 

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