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Sparkurs auf Kosten von Armutsbetroffenen

Trotz Aufhebung des Euro-Mindestkurses und Brexit: Die Schweizer Wirtschaft hält sich mit einem Wachstum von 1,5 Prozent weiterhin robust. Einkommensschwache sind jedoch einem immer grösseren Armutsrisiko ausgesetzt. Caritas stellt im Bericht zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung 2015/2016 im soeben erschienenen Sozialalmanach fest: Die Arbeitslosenquote steigt, die Anzahl von ausgesteuerten Personen ebenso und in der Sozialhilfe wird gespart.

 

2015 verloren durchschnittlich 3142 Männer und Frauen pro Monat ihren Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung. Das sind insgesamt fast 38 000 Menschen – der höchste Wert seit zehn Jahren. Erste Berechnungen für 2016 deuten auf einen noch höheren Durchschnitt hin. 

Zugenommen hat auch die Unterbeschäftigung: Diese unfreiwillige Teilzeitarbeit lag 2015 bei 7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Frauen sind mit 11,1 Prozent dreimal häufiger von Unterbeschäftigung betroffen als Männer. Dabei ist Unterbeschäftigung einer der wichtigsten Gründe für Armut. 

530 000 Armutsbetroffene leben in der Schweiz, davon sind über 120 000 arbeitstätig. Ihr Einkommen reicht nicht, um die Existenz zu sichern. Tiefe Qualifikationen, prekäre Arbeitsverhältnisse und familiäre Verpflichtungen sind die Hauptgründe, warum diese Menschen kein existenzsicherndes Einkommen erzielen können. 

 

Die Ungleichheit spitzt sich zu

An diesen strukturellen Armutsrisiken wird derzeit nicht gearbeitet. Im Gegenteil: Es wird weniger getan zur Umverteilung, sodass sich die Ungleichheit zugespitzt hat. Die obersten 10 Prozent verfügen derzeit über fast einen Drittel der gesamten Einkommenssumme, während die einkommensschwächsten 10 Prozent nur gerade über 3,3 Prozent verfügen. Und es sind wieder die hohen Einkommen, die im Vergleich zum Jahr 2000 steuerlich um 5 Prozent entlastet wurden – die mittleren Einkommen haben hingegen nur 1 Prozent weniger Steuern bezahlen müssen.

Gleichzeitig verschärft sich der Leistungsabbau bei der sozialen Sicherheit. Immer mehr Kantone und Gemeinden verfolgen eine Sparpolitik, die auch vor der Sozialhilfe nicht haltmacht. So ist das soziale Existenzminimum für grosse Familien und junge Erwachsene nicht mehr gegeben. Gespart wurde im Jahr 2015 zunehmend auch im Bildungsbereich – namentlich in der obligatorischen Schule. So wurden etwa Lektionen gestrichen und Klassen vergrössert. Gebühren auf Unterrichtsmaterialien wurden eingeführt und die Kosten für Schullager auf die Eltern abgewälzt.

Der Abbau in der Sozialhilfe und die Sparmassnahmen bei öffentlichen Gütern drängen Armutsbetroffene weiter an den Rand der Gesellschaft und verschlechtern die Bedingungen für Menschen knapp oberhalb der Armutsgrenze. Caritas Schweiz fordert, dass dieser Trend korrigiert wird. Menschen in der Sozialhilfe brauchen Perspektiven. Dazu gehören unter anderem Investitionen in Weiter- und Nachholbildung sowie in die Integration in den Arbeitsmarkt. Dank einer vorausschauenden Sozial-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik können Armutsgefährdete ihre Lebenslage nachhaltig verbessern und der Spirale der Armut entkommen.

 

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