Hunger weltweit

Immer mehr Menschen leiden an Hunger – die Schweiz darf nicht wegschauen!

Jeder elfte Mensch ist unterernährt. Schon seit einigen Jahren breitet sich der Hunger auf der Welt wieder aus. Aktuell verschlimmert die Corona-Krise die Situation zusätzlich und bringt Millionen von Menschen in Not. Die Schweiz darf nicht wegschauen. Caritas Schweiz fordert Parlament und Aussendepartement dazu auf, ergänzend zum Corona-Hilfspaket für das Inland ein zusätzliches für Humanitäre Hilfe im Ausland zu schnüren und 1 Milliarde Franken dafür bereitzustellen. 

 

In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Thema Hunger in den letzten Jahren in den Hintergrund geraten und beinahe vergessen gegangen. Die Realität sieht jedoch anders aus: 690 Millionen Menschen litten gemäss einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO) bereits vor der Corona-Krise an Hunger. Das sind 8,9 Prozent der Weltbevölkerung. Die Zahl der Kinder, die an Unterernährung leiden und mit bleibenden gesundheitlichen Schäden zu rechnen haben, beträgt 144 Millionen. 

Nach Jahren des Rückgangs nimmt die Zahl der hungernden Menschen seit 2014 wieder zu und dürfte gemäss Prognosen in den kommenden Jahren deutlich steigen. Ursachen sind die nach wie vor grosse Armut und Ungleichheit auf der Welt sowie strukturelle Probleme im globalen Agrar- und Ernährungssystem. Die fortschreitende Klimaveränderung zerstört vieles, was Menschen in den ärmsten Ländern in mühsamer Arbeit aufgebaut haben, und entzieht ihnen die Ernährungssicherheit. Mit der Corona-Pandemie verschärft sich die Situation weiter. Der informelle Markt für Landwirtschaftsprodukte und einfache Dienstleistungen ist vielerorts zusammengebrochen, die Lebensmittelpreise sind massiv angestiegen. Schulen bleiben geschlossen, wodurch für viele arme Kinder die einzige Mahlzeit am Tag ausfällt. Bis zu 130 Millionen Menschen werden zusätzlich in eine akute Hungersnot geraten, befürchtet die FAO. Das Ziel einer hungerfreien Welt, das sich die Staatengemeinschaft im Rahmen der «Agenda 2030» gesetzt hat, rückt damit in weite Ferne.

Ein Hilfspaket gegen den globalen Hunger

Angesichts dieser dramatischen Entwicklung hin zu mehr Hunger auf der Welt ist die Schweiz zum Handeln aufgefordert. Die Bekämpfung der Corona-Krise hatte für die Landesregierung in den letzten Monaten oberste Priorität. «Der Bundesrat hat für die Betroffenen in unserem Land ein Paket von 30 Milliarden Franken in Umsetzung gebracht und er hat damit bewiesen, dass er den aktuellen Herausforderungen mutig entgegentreten will. Dies schafft die Basis und das Vertrauen, dass die Schweiz auch für die Menschen in armen Ländern Verantwortung wahrnimmt und ein grösseres Engagement eingeht. Caritas geht davon aus, dass ein Humanitäres Hilfspaket breite Unterstützung in der Schweizer Bevölkerung hat», sagte Hugo Fasel, Direktor der Caritas Schweiz, heute Montag an einer Medienkonferenz in Bern. Die Caritas erwarte vom Aussendepartement, dass es dem Parlament ein Humanitäres Hilfspaket von rund 1 Milliarde Franken vorlege, sagte Hugo Fasel weiter: «Die einzelnen Staaten verfügen nicht über die Mittel, um die humanitäre Krise allein zu bewältigen.» Die Schweiz sei auch gefordert, eine Strategie für die Zusammenarbeit mit Afrika auszuarbeiten sowie ihre Landwirtschaftspolitik gerecht auszugestalten.

Caritas Schweiz setzt sich mit eigenen Projekten gegen den Hunger ein. Besonders im Fokus stehen afrikanische Länder südlich der Sahara. In Mali, Tschad, Äthiopien und Uganda etwa fördert Caritas Schweiz nicht nur die landwirtschaftliche Produktion von Kleinbauernfamilien, sondern engagiert sich auch dafür, dass diese Zugang zu lokalen Märkten erhalten und so ein Einkommen erwirtschaften können.

 
 
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