Sozialalmanach 2021: Caritas zieht zum Jahreswechsel Bilanz

Die Corona-Krise verschärft die Ausgrenzung von Armutsbetroffenen

Die Corona-Krise macht deutlich, wie schnell viele Menschen in der Schweiz in finanzielle Not geraten. Bereits vor Corona lebten über eine halbe Million Menschen in Armut, sie werden sozial an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Der soeben erschienene Sozialalmanach von Caritas Schweiz zeigt, wie und warum Armut ausgrenzt und was dagegen getan werden kann.

 

Armut war schon vor der Corona-Krise weit verbreitet, und die Anzahl der Betroffenen nahm in den letzten Jahren zu. 660'000 Menschen lebten 2018 gemäss dem Bundesamt für Statistik in der Schweiz in Armut. Weitere 500'000 Menschen befinden sich nur knapp über Armutsgrenze, sie sind armutsgefährdet. Aufgrund der düsteren Konjunkturprognosen ist mit einer weiteren Verschärfung der Armutssituation zu rechnen. Die Corona-Krise hat zu intensiven sozialpolitischen Diskussionen geführt. Der Entscheid des Nationalrates von gestern Dienstag, die Kurzarbeitsentschädigung für tiefe Einkommen auf 100 Prozent des Monatslohns anzuheben, zeigt eine Bereitschaft, dass nun auch der dringende Bedarf der Menschen an der Armutsgrenze wahrgenommen wird. Optimistisch stimmt, wie solidarisch sich die Bevölkerung in dieser Krise durch Spenden zeigt.   

Armut grenzt aus

Es ist eine Tatsache, dass Armut die gesellschaftliche Teilhabe einschränkt. Das hat nicht nur mit Geldmangel zu tun, sondern auch damit, dass Armut gerade in der reichen Schweiz mancherorts als individuelles Versagen angesehen wird und darum mit Scham behaftet ist. Als Folge ziehen sich Betroffene zurück. Die aktuelle Ausgabe des Sozialalmanachs, der von Caritas Schweiz herausgegeben wird, widmet sich der Frage, wie Armut und soziale Ausgrenzung zusammenhängen. Dabei wird speziell der Arbeitsmarkt beleuchtet, denn dieser hat zunehmend an Integrationskraft eingebüsst. Auf diese Entwicklung gibt es noch keine oder nur ungenügende politische und gesellschaftliche Antworten. Caritas Schweiz will dazu beitragen, mit dem Sozialalmanach 2021 unter dem Titel «Armut grenzt aus» diese Lücke zu schliessen. 

Corona-Krise verfestigt bestehende Ungleichheiten

Wie der jährliche Rückblick im Sozialalmanach auf die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz klar macht, sind Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise besonders stark betroffen. Über fünf Prozent der Angestellten in der Schweiz arbeiteten 2019 auf Abruf – das entspricht 195'000 Personen. Im Zuge der Corona-Krise hatten viele von ihnen weniger oder gar keine Arbeitseinsätze mehr. Neben den finanziellen Schwierigkeiten belastet auch die stete Unsicherheit, ob und wie viele Einsatzmöglichkeiten sie erhalten. Zahlreiche Erwerbstätige haben zudem mehrere Jobs, um über die Runden zu kommen. 2019 waren es 372'000 Personen, wobei Frauen mit 10.7 Prozent deutlich stärker betroffen sind als Männer mit 6.1 Prozent. 
Frauen sowie Personen im Niedriglohnsektor und mit Teilzeit-Jobs sind denn auch die grössten Verliererinnen der Corona-Krise. Ihre Stellen wurden am schnellsten gestrichen oder sie wurden auf Kurzarbeit gesetzt - mit der Folge, dass ihr Einkommen aufgrund der Lohneinbusse von 20 Prozent nicht mehr zum Leben reicht. Während das System der sozialen Absicherung in der Schweiz grösstenteils gut funktioniert, zeigen sich gerade bei den Menschen mit tiefem Einkommen Lücken.

In besonders prekären Situationen befinden sich Menschen mit einem unsicheren Aufenthaltsstatus, zum Beispiel einer B-Bewilligung. Sie arbeiten häufig im Niedriglohnsektor und drohen aufgrund der Corona-Krise ihre Stelle zu verlieren. Trotzdem nehmen sie Sozialhilfe auch in Notsituationen häufig nicht in Anspruch, da sie negative Auswirkungen auf ihre Aufenthaltsbewilligung fürchten. Sans-Papiers trifft die Corona-Krise besonders stark. Sie arbeiten in Branchen wie der Gastronomie oder in Privathaushalten und haben ihre Stelle im Frühling daher überdurchschnittlich häufig und rasch verloren. Da ihnen der Zugang zu staatlicher Unterstützung verwehrt bleibt, sind sie auf die Unterstützung von privaten Organisationen angewiesen.

Corona-Krise macht Armut sichtbar

Die langen Warteschlangen für Lebensmittelverteilungen in Genf oder Zürich haben der Armut in der Schweiz ein Gesicht gegeben. Es zeigte sich, dass viele Menschen in der Schweiz keine Möglichkeit haben etwas anzusparen und dass sie sofort in finanzielle Schwierigkeiten geraten, wenn ihr Einkommen sinkt oder ganz wegfällt. Scheidung, fehlende Bildung, eine mangelhafte Vereinbarung von Beruf und ein unsicherer Migrationsstatus sind besondere Risikofaktoren, um in Armut zu geraten. Aus Sicht der Caritas Schweiz ist es unerlässlich, dass aus der Corona-Krise die Lehren gezogen werden, um Menschen künftig besser vor Armut und Ausgrenzung zu schützen. Denn soziale Integration darf keine Frage des Geldes sein. 
 

 
 
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