Sozialalmanach 2022: Caritas zieht zum Jahreswechsel Bilanz

Die Corona-Krise verstärkt die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern

Frauen sind von den Folgen der Corona-Krise überdurchschnittlich stark betroffen. Das verstärkt eine Tendenz, welche die Armutszahlen jedes Jahr belegen: Frauen tragen ein höheres Armutsrisiko als Männer. Der Sozialalmanach 2022 der Caritas Schweiz widmet sich der Frauenarmut und zeigt Wege auf, wie sich die Ungleichheiten verringern lassen.

 

Frauen sind von den Folgen der Corona-Krise überdurchschnittlich stark betroffen. Das verstärkt eine Tendenz, welche die Armutszahlen jedes Jahr belegen: Frauen tragen ein höheres Armutsrisiko als Männer. Der Sozialalmanach 2022 der Caritas Schweiz widmet sich der Frauenarmut und zeigt Wege auf, wie sich die Ungleichheiten verringern lassen.

Die Schweiz konnte die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Krise mit einem umfassenden Paket an Unterstützungsmassnahmen für Angestellte, Selbständige und Unternehmen bisher erfolgreich eindämmen. So hat namentlich die massive Ausweitung der Kurzarbeit hunderttausende Stellen gesichert und eine hohe Arbeitslosigkeit verhindert. Die Krise ist aber noch nicht ausgestanden – gesundheitlich und wirtschaftlich. Es ist offen, was geschieht, wenn die Unterstützungen auslaufen, zumal sich die epidemiologische Lage gegenwärtig erneut verschärft. In einigen Betrieben wurden Entlassungen durch die Kurzarbeit wohl einfach hinausgezögert. Zudem ist die Zahl der Langzeiterwerbslosen seit Anfang 2020 stetig und deutlich gestiegen. Immer mehr Betroffene finden jahrelang keine Arbeit.

Corona-Krise verschärft bestehende Ungleichheiten

Der soeben erschienene Sozialalmanach 2022 der Caritas zeigt im Rückblick auf die soziale und wirtschaftliche Entwicklung auf: Die Corona-Krise hat die prekäre Situation vieler Menschen in der Schweiz sichtbar gemacht. Aber sie hat diese nicht geschaffen: Die Armut nimmt seit Jahren zu. Bereits vor der Pandemie waren 735 000 Menschen von Armut betroffen, darunter 115 000 Kinder. Daneben gibt es fast noch einmal so viele Haushalte, die nur knapp über der Armutsgrenze in prekären Verhältnissen leben. Die Krise hat bestehende Ungleichheiten zusätzlich verschärft. Während Haushalte mit geringen Einkommen durch die Krise Einkommensverluste von durchschnittlich 20 Prozent erlitten, konnten Haushalte mit hohen Einkommen sogar sparen.

Frauen besonders betroffen von prekären Arbeitsverhältnissen

Die Schweiz konnte die sozialen Folgen von Corona also mit umfassenden Massnahmen eindämmen, die Ungleichheit hat sich aber trotzdem eher verstärkt. Die Corona-Krise verstärkt auch problematische Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Die Stellenverluste sind in Branchen besonders gross, in denen viele Personen ohne (anerkannte) Ausbildung beschäftigt sind. Für sie wird es künftig noch schwieriger, eine Stelle zu finden. Gleichzeitig nehmen prekäre und instabile Arbeitsverhältnisse, Mehrfachbeschäftigung und Teilzeitarbeit in tiefen Pensen weiter zu. Diese sind aber nur schlecht sozial abgesichert. Von all diesen Arbeitsformen und -verhältnissen sind Frauen viel stärker betroffen als Männer.

Bei der Teilzeitarbeit ist das Verhältnis besonders ausgeprägt. Im Jahr 2020 arbeiteten sechs von zehn erwerbstätigen Frauen und nicht einmal zwei von zehn Männern in einem Teilzeitpensum. Knapp ein Viertel der Frauen arbeitete in einem Pensum unter 50 Prozent. Bei den Müttern mit Partner und Kindern ist gar die Hälfte nicht oder in einem Pensum unter 50 Prozent erwerbstätig. Längst nicht alle tun dies freiwillig, sondern auch, weil Betreuungsangebote für Kleinkinder zu teuer sind oder ganz fehlen. Das tiefe Erwerbspensum vieler Frauen führt zu einer finanziellen Abhängigkeit vom Partner und zu einer tiefen Rente im Alter. Wer jahrelang in einem kleinen Teilzeitpensum mit tiefem Lohn arbeitet, hat keine Pensionskassenrente. Im Jahr 2020 verfügte mehr als ein Viertel der Frauen lediglich über eine AHV-Rente. Und auch diese reicht bei vielen nicht aus, um den Lebensunterhalt zu sichern. Fast ein Sechstel der Frauen ist im Alter auf Ergänzungsleistungen angewiesen.

Sozialalmanach 2022 widmet sich der Frauenarmut

Der Sozialalmanach fokussiert in seiner soeben erschienenen Ausgabe deshalb erstmals auf das Phänomen der Frauenarmut. Warum tragen Frauen in der Schweiz trotz rechtlicher Gleichstellung ein höheres Armutsrisiko als Männer? Ein Risiko, das im Alter sogar zunimmt? Namhafte Expertinnen und Experten gehen dieser Frage nach und zeigen auch Auswege auf.

Der Sozialalmanach, der zum 24. Mal erscheint und von Caritas Schweiz herausgegeben wird, will unter anderem dafür sensibilisieren, dass sich gerade in der Armutsfrage zeigt, wie wirkungsvoll Gleichstellungsmassnahmen tatsächlich sind.

 
 
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