Armut in der Schweiz

Armutsbekämpfung wird wirksamer durch Monitoring

Viele Kantone wissen wenig darüber, wie stark ihre Bevölkerung von Armut betroffen ist und welche Gruppen ein besonders hohes Armutsrisiko tragen. Das lückenhafte Bild behindert eine wirksame Armutsprävention und -bekämpfung. Die Berner Fachhochschule und Caritas Schweiz haben deshalb ein Armutsmonitoring entwickelt, mit dem die Kantone ihre Armutssituation regelmässig auf einer vergleichbaren Grundlage untersuchen können. Daraus entsteht das für eine wirksame, gesamtschweizerische Armutspolitik dringend notwendige Gesamtbild.

 

Die Corona-Krise hat deutlich gezeigt, wie verbreitet das Risiko in der Schweiz ist, in Armut zu geraten. Kaum jemand würde diese Tatsache heute bestreiten. Viele Haushalte haben bereits in normalen Zeiten grosse Mühe, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Wenn ein kleiner Teil des Einkommens wegbricht, geraten sie sofort in eine Notsituation. Sie verfügen nicht über finanzielle Reserven, mit denen sie Einkommenseinbussen auffangen könnten.

Ein lückenhaftes Bild der Armut in der Schweiz

Leider wissen wir immer noch viel zu wenig über die konkreten Armutssituationen in der Schweiz. Gemäss offiziellen Angaben waren im Jahr 2018 schweizweit 660 000 Menschen von Armut betroffen, und eine halbe Million Menschen lebt nur knapp über der Armutsgrenze. Diese jährlich vom Bundesamt für Statistik publizierten Armutszahlen können nicht auf kantonaler Ebene ausgewertet werden. Damit fehlen uns wichtige Aussagen über die Situation in den einzelnen Kantonen.

Dabei liegt die Armutspolitik im Wesentlichen in der Kompetenz der Kantone. Entsprechend gibt es zwischen den Kantonen grosse Unterschiede bei der Ausgestaltung der sozialstaatlichen Instrumente und den verfügbaren Sozialleistungen. Wie aber ist die Wirkung dieser Massnahmen der Armutsbekämpfung? Das ist schwer zu sagen, denn bisherige Analysen in den Kantonen bilden Armut aber nur lückenhaft ab. In den vergangenen zehn Jahren hat nur die Hälfte der Kantone einen Armuts- oder Sozialbericht erstellt, um die Armut im Kanton zu untersuchen. Und es gibt noch ein weiteres Problem: Die Analysen zwischen den Kantonen sind kaum vergleichbar, weil sie auf unterschiedliche Definitionen und Daten abstützen.

Die eidgenössischen Räte haben den Handlungsbedarf erkannt. Sie haben den Bundesrat im Juni 2020 beauftragt, ein regelmässiges Monitoring der Armutssituation in der Schweiz einzurichten. Dieses muss sich auf zuverlässige und vergleichbare Analysen in den Kantonen stützen können. Nur mit einheitlich erhobenen, vergleichbaren Daten ist es möglich, Fortschritte bei der Bekämpfung der Armut zu erkennen und die Wirkung von sozialstaatlichen Instrumenten wie beispielsweise Ergänzungsleistungen oder Sozialhilfe zu messen.

Caritas fordert vergleichbare kantonale Armutsmonitorings

Um die Armutspolitik in der Schweiz einen Schritt weiter zu bringen, haben die Berner Fachhochschule und Caritas Schweiz ein Modell eines Armutsmonitorings entwickelt, mit dem die Kantone ihre Armutssituation regelmässig auf einer vergleichbaren Grundlage beobachten können. Das Modell baut auf verfügbaren Daten auf und kann von allen Kantonen ohne viel Aufwand umgesetzt werden.

Caritas Schweiz fordert:

  • dass in Zukunft alle Kantone eine regelmässiges Armutsmonitoring erstellen;
  • dass die Kantone dafür mindestens die fünf Basisindikatoren gemäss dem vorgeschlagenen Modell berechnen;
  • dass der Bund das gesamtschweizerische Armutsmonitoring auf diesen vergleichbaren kantonalen Armutsmonitorings aufbaut.

Nur wenn in den Kantonen eine vergleichbare Grundlage entsteht, kann die Armutssituation in der Schweiz umfassend abgebildet werden. Und nur so ist es möglich, den Erfolg bestimmter Strategien zur Armutsbekämpfung zu messen und daraus Lehren für die künftige Armutspolitik zu ziehen.

 
 
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