Resilienz aus innovativen Wetterdaten

Wetter, Wasser und Klima – Services für die ländliche Bevölkerung Tadschikistans - Mediendienst06/2021

Das Leben in den Bergen Tadschikistans ist geprägt vom Wetter, dem die Menschen bislang wenig entgegenzusetzen haben. Caritas Schweiz unterstützt sie mit einem innovativen Ansatz darin, mit dem Wetter anstatt dagegen zu arbeiten.

Blog: Resilienz aus innovativen WetterdatenVerlust der Ernte durch Frost, blockierte Strassen nach Erdrutschen, in den Frühjahrsfluten weggeschwemmte Häuser – das Wetter und seine Auswirkungen sind allgegenwärtig. Die Zusammenhänge zwischen Wetter, Landwirtschaft und Naturgefahren sind wohlbekannt unter der Landbevölkerung Tadschikistans. Um dieses Wissen für Entscheidungen des Alltags zu nutzen, fehlt es jedoch an verlässlichen Informationen. Die Wettervorhersagen des tadschikischen Wetterdiensts machen allgemeine Angaben für die vier Provinzen des Landes – für die Frage, ob auf einem Kartoffelacker in einem hochgelegenen Seitental Bodenfrost zu erwarten ist, ist das nicht ausreichend.

Der tadschikische Wetterdienst kämpft mit vielen Herausforderungen gleichzeitig, unter denen zwei besonders relevant sind: chronische Unterfinanzierung und eklatanter Mangel an Wetterbeobachtungen, die für Wettervorhersagen in einem topographisch komplexen Land wie Tadschikistan unerlässlich sind. Um der Bevölkerung diese dringend benötigte Entscheidungsgrundlage zu erschliessen, muss daher zunächst dem Wetterdienst eine ausreichende Datengrundlage geschaffen werden. Und diese darf dessen knappe Ressourcen nicht über Gebühr strapazieren.

Systemische Innovation

Die prekäre Situation des tadschikischen Wetterdienstes ist seit längerem auch international bekannt. Mehrere Initiativen, beispielsweise von der Weltbank, haben daher den Wetterdienst im Ausbau seiner Infrastruktur unterstützt. Sie folgen dabei dem traditionellen Modell eines Netzwerks von qualitativ hochwertigen Stationen unter der Verantwortung des Wetterdienstes, auf deren Daten die Wettervorhersagen und weitere Services aufbauen. Die Erfahrung hat nun gezeigt, dass der Unterhalt und Betrieb dieser hochwertigen (und -preisigen) Stationen die Ressourcen des Wetterdiensts überfordern und in der Tat nur ein Teil der Stationen funktionsfähig ist.

Caritas Schweiz verfolgt einen alternativen Ansatz. Anstelle weniger Referenzstationen setzt sie auf viele kostengünstige Stationen, deren Daten ergänzt werden durch Wetterbeobachtungen von Bäuerinnen und Bauern. Dieses System basiert vollständig auf Open-Source-Technologien und lässt sich damit auf die spezifischen Anforderungen im Land anpassen. Anstelle des Wetterdienstes sind es Bäuerinnen und Bauern, die die Stationen unterhalten und ihre Daten durch eigene Beobachtungen vervollständigen. Telekom-Unternehmen im Land sorgen für den Transfer dieser Daten zum Wetterdienst und von da als lokal- und bedarfsspezifische Services zur Bevölkerung.

Services zu Wetter, Wasser und Klima (etwa Empfehlungen zum Zeitpunkt von Aussaat und Ernte, Bewässerung oder Frühwarnungen) generieren einen ökonomischen Mehrwert: Werden sie als Entscheidungsgrundlage in der Landwirtschaft genutzt, steigen Produktivität und Einkommen, verbessertes Risikomanagement reduziert Verluste durch Naturgefahren. Dieser Mehrwert kommt den Endnutzern dieser Services ebenso zugute wie den Telekom-Unternehmen und dem Wetterdienst. Eine zirkuläre Wertschöpfung entsteht, in der Bäuerinnen und Bauern die Daten erheben, die es dem Wetterdienst im Gegenzug ermöglichen, ihnen dringend benötigte Entscheidungsgrundlagen bereitzustellen.

Starke Partnerschaften

Dieser Ansatz arbeitet auf vielen Ebenen gleichzeitig, von ländlich bis national, in sozio-ökonomischen ebenso wie in technologischen Dimensionen. Caritas Schweiz arbeitet dafür im Verbund mit schweizerischen und internationalen Partnern: MeteoSchweiz und das Schweizer WSL-Institut für Schnee und Lawinenforschung (SLF) tragen ihr Wissen zu Wetterstationen, -vorhersagen und Naturgefahren bei. Die World Meteorological Organization (WMO) unterstützt den Wetterdienst institutionell und technisch. Das International Center for Agricultural Research in Dry Areas (ICARDA) unterstützt die Entwicklung landwirtschaftlicher Systeme, die den Bedürfnissen von Mensch und Umwelt in Tadschikistan Rechnung tragen, auch unter zukünftigen Klimabedingungen.

Bild: Eine Wetterstation wird errichtet. (c) Abdullo Media

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