Heuschrecken machen keinen Halt vor Corona-Krise

Mindestens 42 Millionen Menschen in Ostafrika von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen - Mediendienst 01/2021

Seit einem Jahr kämpfen die Menschen am Horn von Afrika gegen eine nicht enden wollende Heuschreckenplage. Auch 2021 bleibt die Herausforderung riesig: Trotz anhaltenden, enormen Bemühungen der betroffenen Länder, die immensen Schwärme unter Kontrolle zu bringen, droht heute weiterhin über 42 Millionen Menschen Hunger. Während Forscher mit Hochdruck neue Bekämpfungsmethoden erarbeiten, unterstützt Caritas Schweiz in enger Zusammenarbeit mit UN-Institutionen die Betroffenen dabei, zu überleben und zerstörte Lebensgrundlagen rasch wieder aufzubauen. 

Dezember 2020, Äthiopien. Abgenagte Stauden, soweit das Auge reicht. «Die Heuschrecken der zweiten Welle haben mehr als 60 Prozent meiner Weizenpflanzen zerstört», sagt der 43-jährige Kleinbauer Nasir Hassen Alisho. Bereits im Juli 2019 hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) vor möglichen Folgen einer heranwachsenden Heuschreckengeneration in Ostafrika gewarnt. Heute, mehr als anderthalb Jahre danach, ist die Heuschreckenplage aufgrund der globalen Covid-19-Pandemie zumindest medial in den Hintergrund gerückt. Was keinesfalls bedeutet, dass die Gefahr für die landwirtschaftliche Produktion und die von ihr abhängigen Menschen in Ländern wie Jemen, dem Sudan, Eritrea oder Äthiopien gebannt wäre. Der Zyklus der gefrässigen Tiere wiederholt sich fortlaufend. Aus den gelegten Eiern schlüpfen weiterhin Millionen von Jungtieren, die sich innert weniger Wochen zu ausgewachsenen Heuschrecken heranbilden und in riesigen Schwärmen formieren. 

Caritas Schweiz setzt sich mit Bargeldhilfe und Saatgut für die Betroffenen ein

Grossflächige Bekämpfungsmassnahmen, zum Beispiel mit Pestiziden aus der Luft, kamen während des gesamten letzten Jahres ohne Unterbruch zur Anwendung. Im Dezember 2020 wurden beispielsweise in Äthiopien knapp 210’700 Hektaren Land behandelt. Das entspricht in etwa der Fläche des Kantons St. Gallen. Zudem unterstützten Entwicklungs- und humanitäre Organisationen in den betroffenen Gebieten seit Januar 2020 bis heute insgesamt rund 307'000 Haushalte mit zielgerichteten Massnahmen. Allein in Äthiopien beläuft sich der geschätzte Finanzierungsbedarf für die Eindämmung der Heuschreckenplage, den Schutz der Lebensgrundlagen, Wiederaufbaumassnahmen sowie die Koordination dieser Aktivitäten auf 51,5 Mio. USD. 

Auch Caritas Schweiz setzt sich für die betroffene, meist ländliche Bevölkerung ein. In enger Zusammenarbeit mit verschiedenen UN-Organisationen werden in drei laufenden Projekten die verletzlichsten Menschen mit bedingungsloser Bargeldhilfe oder mit Saatgut unterstützt. Unsere Projektinterventionen zeigen Wirkung: «Dank der finanziellen Unterstützung war ich imstande, die dringendsten Bedürfnisse für mich und meine Familie zu decken – nur deshalb waren wir nicht gezwungen, Vieh zu verkaufen und fortzuziehen. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung», sagt Kleinbauer Nasir Hassen, der im Rahmen des bereits seit Juni 2020 laufenden, durch die FAO finanzierten Projekts in der Oromia-Region Hilfe erhielt. Zusätzlich zur Ernährung der eigenen sechsköpfigen Familie lastet auf ihm – wie auf vielen Familienoberhäuptern in Äthiopien – auch die Bürde, für den Lebensunterhalt des erweiterten Familienkreises aufkommen zu müssen.

Felder komplett verwüstet, es droht weitere Ausbreitung Richtung Kenia

Gemäss jüngsten Berichten der Vereinten Nationen ist bei den Heuschrecken im Moment eine Nord-Süd-Bewegung zu beobachten. Schwärme unreifer Tiere wandern von ihren Brutgebieten in Ost-Äthiopien und Zentralsomalia gegen Süden ins Grenzgebiet Äthiopien/Kenia, von wo sie sich – so prognostiziert die FAO – in den kommenden Monaten weiter ausbreiten werden. Aktuellsten Zahlen zufolge leben in den am meisten betroffenen zehn Ländern insgesamt mindestens 42 Millionen Menschen in akuter Ernährungsunsicherheit. Auswertungen von lokalen Arbeitsgruppen zeigten, dass in ostafrikanischen Ländern ca. ein Drittel der Ackerbau- und die Hälfte der Viehhirtenhaushalte durch Wüstenheuschrecken verursachte Weide- und Ernteverluste erlitten haben. Neben den direkten und augenscheinlichen Auswirkungen rund um die zerstörte Ernährungsgrundlage leidet die Bevölkerung häufig auch unter emotionalem Stress und den negativen Umweltauswirkungen durch die versprühten Pestizide. 

Alternative Ansätze zur Bekämpfung

Zusätzlich zu den mit hohen Kosten verbundenen Bekämpfungsmassnahmen aus der Luft wird mit Hochdruck nach alternativen Ansätzen gesucht. Gemäss der Fachzeitschrift Rural21 haben chinesische Forscher in der chemischen Zusammensetzung der Tiere jenes Pheromon entdeckt, das deren Formierung zu Schwärmen auslöst und fördert. Gerade im Hinblick auf die weitestgehend noch unklaren Folgen der Pestizide für Mensch, Tier und Umwelt – die Langzeitfolgen können bisher nur theoretisch abgeschätzt werden – könnten diese Ansätze äusserst vielversprechend sein: hin zu einer flexibleren und nachhaltigen Bekämpfung künftiger Heuschreckenplagen zur Verbesserung der Ernährungssicherheit. Bis dies Realität wird, sind Kollaborationen von Organisationen wie Caritas Schweiz mit gewichtigen UN-Institutionen unabdingbar, damit Menschen ihre Lebensgrundlage wiederaufbauen und langfristig sicherstellen können. 

Bild: PACIDA

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