Anpacken im Corona-Jahr

Bergeinsätze erlebten Höhenflug - Mediendienst 12/2020

Die Corona-Pandemie hat eine bemerkenswerte Welle der Solidarität ausgelöst: Unzählige Freiwillige haben während und nach dem Lockdown die Ärmel hochgekrempelt und betroffene Menschen mit Herz, Kopf und Muskelkraft unterstützt. So auch bei Caritas-Bergeinsatz: Bergbauernfamilie Sieber erzählt von der überwältigenden Hilfe in einem ausserordentlichen Jahr. 

«Schwarz sahen wir nicht für diesen Alpsommer ‒ aber dunkelgrau.» Bio-Bergbauer Stefan Sieber aus Reichenbach im Berner Oberland kann im Rückblick lachen. Ende April beginnt normalerweise das Kribbeln in den Fingerspitzen: Die Vorfreude auf 140 Tage «auf dem Berg» wird bei Siebers spürbar intensiver. Doch dieses Jahr war alles anders: Infolge des vom Bundesrat ausgesprochenen Versammlungsverbot war es vorübergehend nicht möglich, freiwillige Helferinnen und Helfer einzusetzen. Und die Hilfskraft, die zusätzlich zu den Freiwilligen hätte kommen sollen, konnte zu diesem Zeitpunkt wegen der geschlossenen Grenzen vorerst nicht anreisen. «Wir leben von der Veredlung unserer Bio-Milch zu Alpkäse. 27 Stück Vieh, die Bewirtschaftung von 30 Hektaren teils sehr steiler Sömmerungsfläche und die Betreuung von zwei Kleinkindern ist für zwei Personen schlichtweg zu viel Arbeit. Hätten wir keine Helfer, dann müssten wir uns zwischen Käsen und Heuen entscheiden. Spielen mit den Kindern: Das wäre in einer solchen Situation ein Ding der Unmöglichkeit», erklärt Bäuerin Christa mit Blick zu ihren beiden kleinen Mädchen. Gedanken grosser Unsicherheit machten sich bei dem gestandenen, erfahrenen Bauernpaar breit. 

Absatzprobleme für den Käse überwunden

«Als wir später die erste Zusage einer freiwilligen Helferin erhielten, konnten wir beide aufschnaufen», sagt Stefan. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Infolge der grossen Betroffenheit durch die Pandemiesituation bildete sich eine bemerkenswerte Welle der Solidarität, die nicht zu erwartende Ausmasse annahm. Zum ersten Mal konnte Caritas-Bergeinsatz für sämtliche von der Bergbauernfamilie beantragten Einsatzwochen Freiwillige vermitteln. Die Hilfe ging jedoch übers Heuen, Misten und Unkraut entfernen hinaus, wie der Bauer weitererzählt: «Wir hatten, und haben immer noch, Absatzprobleme mit unserem Bio-Alpkäse, weil Veranstaltungen und Messen nicht stattfinden können. Die Freiwilligen kriegten das bei unseren Gesprächen am Mittagstisch mit. Die Betroffenheit darüber war so gross, dass zum Beispiel eine Freiwillige aus Zürich in ihrem Freundeskreis via App Käsebestellungen für uns entgegennahm. Eine WG-Kollegin von ihr vermittelte zudem den Kontakt zu einem Zürcher Hofladen, der unseren Alpkäse ins Sortiment aufnahm». Christa führt schmunzelnd fort: «Dies spornte wiederum unseren Angestellten an: Er machte einen Kurzfilm von uns und verbreitete diesen über die Sozialen Medien in seinem Umfeld. So fanden 80 Kilogramm von unserem Berner Oberländer Alpkäse den Weg nach Deutschland. Wir waren schlichtweg überwältigt!» 

Mehr Einsatzwochen von Freiwilligen als je zuvor

Caritas-Bergeinsatz konnte im Corona-Jahr 2020 so viele Einsatzwochen von Freiwilligen vermitteln wie noch nie. «Eine Auslastung von 90 Prozent ist bisher absolut einmalig. Wir danken allen Helferinnen und Helfern für die praktisch gelebte Solidarität für die Schweizer Bergbauernfamilien!», sagt Daniel Grossenbacher, Leiter Bergeinsatz bei Caritas Schweiz. Während 1600 Wochen haben freiwillige Helferinnen und Helfer während mindestens fünf Tagen Zäune aufgebaut, bei der Heuet mitgeholfen und unzählige Weideflächen im Schweizer Alpenraum gepflegt. Dies entspricht einem Gegenwert von rund 2,5 Millionen Franken. 

Caritas-Bergeinsatz vermittelt seit 40 Jahren Freiwillige aus der Schweiz und aus dem EU-Raum an Bergbauernbetriebe, die sich in einer Notlage oder belastenden Situation befinden. Die tatkräftige Unterstützung durch Laien wird insbesondere zwischen Mai und Oktober benötigt. Anmeldemöglichkeiten für Bergbauernfamilien und Freiwillige finden sich unter www.bergeinsatz.ch

Bild: Freiwilligeneinsatz 2019, (c) Niels Herrmann

 
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