Hilfe für Flüchtlinge in Syrien

Hilfe für Flüchtlinge in Syrien

Mehr als 11 Millionen Menschen aus Syrien sind auf der Flucht, etwa die Hälfte davon sind Kinder. Caritas Schweiz leistet seit 2012 Nothilfe und langfristige Unterstützung in einem Umfang von 18 Millionen Franken in Jordanien, Syrien, im Libanon und im Nordirak.

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Caritas-Forum 2017: Recht auf existenzsichernde Arbeit

27.01.2017 - Die Schweiz ist eine Arbeitsgesellschaft. Doch die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt rütteln am gesellschaftlichen Konsens, dass Arbeit vor Armut schützt. Am Caritas-Forum 2017, das heute stattfand, diskutierten etwa 200 Fachleute darüber, was heute Recht auf Arbeit aus sozialpolitischer Sicht bedeutet und wo seine Grenze liegt.

Ueli Mäder, Carlo Knöpfel und Heiner Flassbeck (v.l.) im Gespräch. Foto: Nique Nager

«Ein Recht auf Arbeit wird immer wichtiger, weil nur wenige westliche Gesellschaften in der Lage sind, Vollbeschäftigung auf anderem Wege herzustellen.» Mit diesem Statement eröffnete Heiner Flassbeck, ehemaliger Chef-Ökonom der UNCTAD, sein Referat. Er setzte hinzu: «Vollbeschäftigung ist Voraussetzung für eine Verteilung der Einkommen, die allen gesellschaftlichen Gruppen die Partizipation am Erfolg der Gesellschaft erlaubt.» Flassbeck kritisierte die wirtschaftspolitische Ideologie, die Armut in unserer Gesellschaft als Notwendigkeit akzeptiert.

Aus einer anderen, soziologischen Perspektive betrachtete Ueli Mäder, emeritierter Professor für Soziologie an der Uni Basel, die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Auch er kritisierte: «Gläubige Wirtschaftsliberale leiten den Wert der Arbeit von einem Markt ab, der stark monopolisiert ist.» Gleichzeitig konstatierte er einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel: «Arbeit und Kapital galten als ebenbürtig. Seit den Achtzigerjahren favorisiert ein finanzgetriebenes Verständnis das Kapital.» Auch soziale Integration finde heute zunehmend über den Zugang zu Geld statt.

Im Gespräch mit Carlo Knöpfel, Professor für Sozialpolitik und Sozialarbeit an der Hochschule für Soziale Arbeit in Basel, wies Heiner Flassbeck darauf hin, dass die Rückkehr zu einer Vollbeschäftigung auch die Situation der Arbeitnehmenden stärken würde. Ueli Mäder unterstrich, dass es bei Vollbeschäftigung nicht Arbeit um jeden Preis, sondern auch um die Schaffung von gesellschaftlich sinnvoller Arbeit geht.

Neue Umverteilung nötig

Mit den konkreten Möglichkeiten, aber auch realen Grenzen der Vollbeschäftigung und der beruflichen Integration setzten sich am Nachmittag Jean-Noël Maillard, Direktor Caritas Jura, Rémy Müller, Leiter des BildungsNetzes Zug, und Patricia Ganter, Integrationsdelegierte des Kantons Graubünden, auseinander. Sie zeigten an konkreten Programmen zur Integration von Langzeitarbeitslosen, von Jugendlichen und von Flüchtlingen auf, dass Arbeitsmarktintegration stark individualisiert werden muss, um Erfolg zu haben.

Hier setzte in seinem Referat Martin Flügel an, Leiter Politik der Caritas Schweiz. Er öffnete zum Abschluss den Blick auf die Arbeit: «Normalerweise haben wir nur die Erwerbsarbeit im Blickfeld. Das ist jedoch eine verkürzte Sicht der Dinge. Denn in der Schweiz wird für unbezahlte Arbeit mehr Zeit aufgewendet als für bezahlte Arbeit.» So beschäftigte er sich in seinem Vortrag mit der Frage, wie Arbeit ihre Integrationsfunktion weiterhin erfüllen kann und stellte fest: «Erstens erfolgt Integration in den Arbeitsmarkt sinnvollerweise dort, wo die Arbeitsverhältnisse stabil sind. Und zweitens ist eine neue Umverteilung nötig, damit auch Care-Arbeit ‹gute› Arbeit ist.»


 

Das Forum 2017 in Bildern


Caritas-Forum 2017