Zerstörte Getreidespeicher in Mopti

Gewalt und Unsicherheit bedrohen die Lebensgrundlage im Zentrum von Mali - Mediendienst 11/2019

Mali wurde im Westen einst als demokratischer Musterschüler gehandelt. Heute gefährdet der bewaffnete Konflikt die Lebensgrundlage grosser Bevölkerungsteile. Der fragile und risikoreiche Kontext zwingt Caritas Schweiz, ihre Projekte anzupassen.

Angriffe auf Armeekasernen, Überfälle auf Strassen, Entführungen von Lehrpersonen und Bürgermeister, zerstörte Hütten und Felder, vertriebene Familien: Im weitläufigen Nordosten der malischen Hauptstadt Bamako verschärft sich der Konflikt. Bewaffnete Gruppen töten Sicherheitskräfte, terrorisieren die Zivilbevölkerung und profitieren dabei von der schwachen Regierung. Sie hat die Kontrolle über die betroffene Region verloren und ist nicht in der Lage, Grundversorgung und Rechtsstaatlichkeit zu gewährleisten. Krankenstationen, Spitäler und Schulen sind geschlossen, es fehlt Personal. Das Machtvakuum stellt einen fruchtbaren Nährboden für diverse ideologischen Gruppierungen dar. Seit dem versuchten Putsch durch malische Tuareg-Milizen 2012 hat sich die lokale Krise zu einem regionalen Konflikt ausgeweitet, von dem auch die Nachbarstaaten Burkina Faso und Niger betroffen sind.
Die Situation verschlechtert sich weiter – mit katastrophalen Folgen für die lokale Bevölkerung: Die Anschläge fordern zahlreiche Todesopfer und Verletzte. Die bewaffneten Gruppen zerstören Getreidespeicher, stehlen Vieh, verbrennen Motorräder und bringen verschiedene Bevölkerungsgruppen gegeneinander auf. Die UN-Mission in Mali (MINUSMA) zählt weltweit zu den gefährlichsten. Der Friedensvertrag von 2015 wurde bis heute nur teilweise umgesetzt. Beobachter befürchten deshalb eine langfristige Destabilisierung der ganzen Region.

Ein Teufelskreis

Aufgrund der eskalierenden Gewalt und der faktischen Straffreiheit bilden sich immer mehr Milizen. Mit den leicht verfügbaren automatischen Waffen beschützen sie ihre Dörfer vor Extremisten und kriminellen Banden. Immer öfters kommt es dabei auch zu Konflikten zwischen den Milizen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen (Fulani, Dogon, Bozo usw.). Die Mittel der staatlichen Sicherheitskräfte sind begrenzt, Soldaten und Polizisten mit der Situation überfordert. Dazu kommt der fehlende politische Wille, den Konflikt zu lösen. Die Angst in der ländlichen Bevölkerung vor Überfällen wächst und führt dazu, dass Kleinbauern ihre Felder nicht mehr bestellen.

Die Situation ist auch ohne den sich verschärfenden Konflikt bereits angespannt. Die schlechte Ernte der letzten Saison 2018/19 erlaubte es den Menschen nicht, ihre Getreidereserven aufzufüllen. Perspektivlosigkeit und der Kampf um natürliche Ressourcen treiben immer mehr Menschen in Städte wie Mopti oder Bamako, wo ihre Chancen auf ein gesichertes Einkommen und eine positive Zukunft nicht besser stehen. Zusammen mit der verbreiteten Gewalt und Unsicherheit führen die Verluste an Getreide und Vieh dazu, dass die Zahl der intern Vertriebenen, die auf der Suche nach minimalen Lebensgrundlagen sind, ständig wächst.

Während die ländliche Bevölkerung über Jahrzehnte mit wiederkehrenden Dürren und begrenzten natürlichen Ressourcen gelebt hat, ist sie bei der gegenwärtigen Situation auf zusätzliche Nothilfe von aussen angewiesen. Caritas Schweiz unterstützt in der Region Mopti deshalb landwirtschaftliche Kooperativen und Gemeindekomitees, die Lebensmittel verteilen, sich für die Friedensförderung und die Aufnahme von intern Vertriebenen einsetzen, oder die Bewachung der gemeinsam bestellten Felder und Speicher organisieren. Die Projekte leisten so zeitgleich humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe. Sie werden über lokale Partnerorganisationen abgewickelt, die das Vertrauen der Autoritäten vor Ort geniessen. 

Auch wenn die Sicherheitslage kritisch ist: Der Einsatz zur Bekämpfung der Armut ist gerade in dieser Situation unverzichtbar. Das damit verbundene Risiko kann durch die grosse Akzeptanz der Partnerorganisationen in der lokalen Bevölkerung sowie ihre Netzwerke minimiert werden. Die fortlaufende Unterstützung der lokalen Partner durch Caritas Schweiz ermöglicht diesen, ihre Aktivitäten trotz der Unsicherheit weiterzuführen und gleichzeitig auf humanitäre Bedürfnisse einzugehen. Aufgrund der zahlreichen Hilfsanfragen und neuen Meldungen über zerstörte Getreidespeicher hat sich Caritas Schweiz dazu entschieden, die Unterstützung in dieser schwierigen Situation fortzusetzen und so einen Beitrag zum Erhalt der Lebensgrundlagen in den von der Krise stark betroffenen Region zu leisten.

 

Caritas-Engagement weltweit

 

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