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«Wie können wir jemanden sterben lassen, während andere zu essen haben?»

Auch in Somaliland ist die Dürre über die endlosen Weiten der staubigen Ebenen hereingebrochen. Seit über zwei Jahren hat es hier nicht mehr richtig geregnet. Der Alltag von über 2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern der autonomen Region – knapp die Hälfte der Bevölkerung – ist von Hunger geprägt.

«Alle Kamele sterben», erzählt Ali Hugur, der Bezirksvorsteher von Bali-Shireh, einem Bezirk an der Grenze zu Äthiopien etwa drei Autostunden südlich von Hargeisa, der Hauptstadt Somalilands. «Wir haben 70 Prozent der Kamele verloren, und die verbleibenden 30 Prozent sind in einem katastrophalen Zustand», so Ali Hugur. «In meinen 59 Lebensjahren habe ich noch nie eine so schlimme Dürre erlebt».

Caritas Somalia brachte kürzlich über ihr kleines Büro in Hargeisa 160 Familien Hilfslieferungen von Reis, Mehl, Öl und weiteren Lebensmitteln. Die Familien hatten sich in Bali-Shireh bei der einzigen Wasserquelle in einem Umkreis von etwa 80 km – einem vor Jahren erstellten Bohrloch – eingefunden, wo bereits weitere 80 Familien Zuflucht gesucht hatten.

Diese Familien leben normalerweise in der Region verstreut in Zelten und ziehen mit ihren Herden zu Weiden und Wasserstellen. Für Generationen von Somalis bildete die Zucht von Schafen, Ziegen und wertvollen Kamelen die Lebensgrundlage. Die Tiere geben Fleisch und Milch, und wenn man etwas kaufen muss, wird ein Tier gegen Bargeld verkauft. Die Tiere sind eine Währung. «Die meisten Familien landen schliesslich hier, nachdem ihr letztes Tier verendet ist», sagt Ali Hugur. «Dann packen sie ihre Siebensachen, kommen hierher und hoffen – und warten auf Hilfe.»

Kilometerweit ist nur abgestorbenes Gestrüpp zu sehen, das aus dem Tonsand ragt, verstreut dazwischen liegen die Gerippe einer Ziegenherde. Es gibt keine Strassen. Die Leute haben keine Autos. Also schlagen sie ihr Lager bei einer Wasserstelle auf.

Es ist beeindruckend, wie die Menschen trotz ihrer verzweifelten Lage das wenige, das sie haben, miteinander teilen. «Weil einige Leute hier Familie in Hargeisa haben, werden von dort Lastwagen mit Wasser und Lebensmitteln geschickt », erzählt Ali Hugur. «Aber andere haben keine Unterstützung. Doch alles, was hier ankommt, wird gerecht unter allen aufgeteilt », berichtet er. «Wie können wir jemanden sterben lassen, während andere zu essen haben?».

Text und Bilder: Nancy McNally/CRS, gekürzt und überarbeitet von Caritas Schweiz.

Bild oben: Ali Hugur ist Vorsteher des Bezirks Bali-Shireh. 

Bild rechts: Im Lager in Bali-Shireh, wo viele Klimaflüchtlinge Zuflucht suchen, gibt es auch Mütter und Kinder. Das Lager entstand bei einer Grundschule mit einer Wasserquelle – der einzigen im Umkreis von vielen Kilometern. 

 

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