Trotz Katastrophen: Caritas-Arbeit in Haiti trägt Früchte

10 Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti vom 12. Januar 2010 - Mediendienst 12/2019

2010 richteten ein starkes Erdbeben und mehrere Wirbelstürme im ärmsten Land der westlichen Hemisphäre verheerende Schäden an. 2016 folgten weitere massive Zerstörungen infolge des Hurrikans Matthew. Kaum ein Jahr später verwüstete der Zyklon Irma einen grossen Teil der landwirtschaftlichen Anbauflächen im Norden und Nordwesten der Insel. Die Bevölkerung ist permanent herausgefordert, nicht nur die Naturkatastrophen-Prävention zu stärken, sondern auch die wiederholten Rückschläge zu bewältigen und schnell wieder nach vorne zu schauen. Dabei steht Caritas Schweiz den Menschen in Haiti seit fast 40 Jahren zur Seite. 

Nach Abschluss des unmittelbar nach dem Erdbeben am 12. Januar 2010 gestarteten Nothilfeprogramms setzte Caritas Schweiz schrittweise einen Fokus auf den Wiederaufbau, die Bildung, die Stärkung der Ernährungssicherheit und Bekämpfung der Mangelernährung sowie die Schaffung von Einkommen. In Zusammenarbeit mit den lokalen Partnerorganisationen, den Behörden und der lokalen Bevölkerung wurden so die Kräfte im Kampf gegen die Armut gebündelt. 

Bau von Privathäusern

Im Wiederaufbau entwickelte Caritas Schweiz neue Verfahren für kostengünstiges erdbeben- und 
zyklonsicheres Bauen in ländlichen Gebieten, die auf die Optimierung der traditionellen Techniken basiert. Der Einbezug der Bevölkerung in den Wiederaufbauprozess war dabei ein zentraler Aspekt.  Auch die Gemeindeverwaltungen hatten beim Katastrophenmanagement und bei der Umsetzung der Nothilfemassnahmen wichtige Aufgaben. Insgesamt konnte mit Unterstützung von Caritas Schweiz 558 Häuser wieder aufgebaut werden.  

Bildung, Schulen 

Das verheerende Erdbeben von 2010 zerstörte grosse Teile der Infrastruktur, insbesondere auch Schulen. Auch zahlreiche kirchliche Schulen, die vor allem von Kindern aus armen Familien besucht werden, fielen der Naturkatastrophe zum Opfer. Vier dieser Schulen im Departement West baute Caritas Schweiz wieder auf. Gemeinsam mit einem lokalen Partner stärkte Caritas hier auch die Schulleitungen und förderte die Professionalisierung der Lehrerinnen und Lehrer. Der Wiederaufbau der Sanitäreinrichtungen in den Schulen ging Hand in Hand mit der Gründung von Gesundheitsklubs, die die Verantwortung für die Sauberkeit der Sanitäreinrichtungen übernehmen und somit die Nachhaltigkeit der Infrastruktur stärken. Ein Ansatz, der sich bewährt. 

Berufsbildung

Caritas Schweiz macht sich auch für die Förderung der Berufsbildung stark. Mehr als 20’000 Menschen profitieren in den vergangenen Jahren direkt und indirekt von Massnahmen zur beruflichen Qualifizierung mit dem Ziel der Integration auf dem Arbeitsmarkt oder der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit.  
Ernährungssicherheit, Marktzugang 

Seit 2010 realisiert Caritas Schweiz auch Projekte im Bereich Lebensmittelsicherheit und Marktzugang. Die Zielsetzungen sind die Optimierung eines ganzheitlichen Managements der natürlichen Ressourcen und der Landwirtschaft sowie die Förderung der Marktentwicklung und der Wertschöpfungskette. Im Weiteren umfassen die Projekte auch Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Förderung der Wasserversorgung für die Lebensmittelproduktion. Die neuen Einkommensquellen konnten den Druck auf die Abholzung der Wälder mindern und trugen zur Aufforstung bei: Tausende Hektar Land wurden mit Hundertausenden Bäumen neu bepflanzt. Kontinuierlich werden Massnahmen zur Bodensanierung und Projekte zur Sensibilisierung der Bevölkerung umgesetzt.

Um in den ländlichen Gebieten die Wasserversorgung zu verbessern, baute Caritas Quellfassungen. Die wichtigste Massnahme ist jedoch die Schulung der für die Wasserstellen verantwortlichen Steuerungskomitees und dern Anbindung an die für Grundwasser und Sanierung zuständigen nationalen Behörden. Im Nord-Westen engagiert sich Caritas Schweiz Hand in Hand mit ihren lokalen Partnerorganisationen dafür, die Ernährungssicherheit der armen Bevölkerung, die sich nach dem Hurrikan Irma in 2017 stark verschlechtert hatte, wieder zu stärken. Dieses Projekt, das wirtschaftliche, soziale und ökologische Massnahmen umfasst, kommt mehr als 108’000 Einwohnern zugute. 

Politische Spannungen und instabile Ernährungslage  

Nicht nur die Naturkatastrophen bringen immer wieder Rückschläge für die Entwicklung Haitis. Seit August 2019 lähmt eine grosse Protestbewegung gegen Präsident Jovenel Moïse das ganze Land. Woche für Woche finden oft gewaltsame Demonstrationen statt. Sie legen das gesamte Land weitgehend still: Schulen, Krankenhäuser und öffentliche Behörden sind geschlossen. Die aktuelle wirtschaftliche und soziale Situation der haitianischen Bevölkerung ist äusserst besorgniserregend. Die Preise für Grundnahrungsmittel schnellen in die Höhe, die Landeswährung Gourde verliert gegenüber dem Dollar immer mehr an Boden.

Anhaltende Trockenheit in Verbindung mit politischen und sozialen Spannungen haben zur Folge, dass insbesondere die einkommensschwächsten Haushalte kaum noch Zugang zu Lebensmitteln haben. Die humanitäre Krise hat ein grosses Ausmass: Derzeit sind 35 Prozent der haitianischen Bevölkerung, also 3,67 Millionen Menschen, von Überlebenshilfe abhängig. Werden keine Dringlichkeitsmassnahmen ergriffen, wird ihre Zahl bis Mitte 2020 gar auf 4,1 Millionen und damit 40 Prozent der Bevölkerung ansteigen.

Bild aus Haiti, Phalonne Pierre Louis.
 

Caritas-Engagement: Länderprogramm (englisch) in Haiti und die laufenden Projekte

 

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