Schutzbedürftige Flüchtlinge wirkungsvoll betreuen

Integration syrischer Familien aus dem Resettlement-Programm im Kanton Freiburg - Mediendienst 10/2019

Die aus Syrien stammende Familie Khalil* kam 2018 über das Resettlement-Programm des UNHCR für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge in die Schweiz. Dank der kontinuierlichen Betreuung durch die Mitarbeitenden des Hauses für Bildung und Integration von Caritas in Matran (FR) kann sich die Familie innert weniger Monate immer besser integrieren und unabhängiger werden.  

2018 kommt Familie Khalil, die ihr Haus in Syrien verloren hat und danach in grosser Not und Unsicherheit im Libanon lebte, gemeinsam mit anderen vor dem Krieg flüchtenden syrischen Familien in Basel an. Wie alle diese Familien findet Familie Khalil im Rahmen des Resettlement-Programms – eine Zusammenarbeit des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen UNHRC und der Schweiz – in der Schweiz Zuflucht. Eine spezifische Massnahme dieses Programms zielt auf die Förderung der beruflichen Integration der Flüchtlinge ab. 

Die für das Programm ausgewählten Familien sind besonders schutzbedürftig und mittellos. Alle haben sie eines gemeinsam: ein grosses Potenzial und den festen Willen, sich zu integrieren. In der Anfangsphase bleiben sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ), erhalten hier die ersten Informationen und eine gründliche medizinische Untersuchung. Danach werden sie einem Kanton zugeteilt.

Blog: Schutzbedürftige Flüchtlinge wirkungsvoll betreuenSechs Monate in einer Gemeinschaftsunterkunft  

Das Integrationsprogramm des Kantons Freiburg sieht vor, dass die Familien sechs Monate in einer Gemeinschaftsunterkunft leben, bevor sie in ihre eigene Wohnung wechseln. Das von Caritas Schweiz gegründete und geleitete Haus für Bildung und Integration in Matran ist ihr erster Wohnsitz im Kanton Freiburg. Dort können sie Ruhe und Sicherheit finden, medizinische Versorgung und Kinderbetreuung. Auch bietet das Haus praktische und theoretische Informationsmodule, die über unterschiedliche Aspekte des Lebens in der Schweiz informieren. Die Flüchtlinge lernen, wie man einkauft und wie der öffentliche Verkehr und das Gesundheits- und Schulsystem funktionieren. In einem zweiten Schritt erhalten sie Informationen über das politische System, Gebräuche und Geschichte sowie die Landesgeografie. 

Zwei arabischsprechende Coaches, auch sie mit Migrationshintergrund, begleiten und beraten die Familien während des Integrationsprozesses. Ihre Arbeit koordinieren sie mit den Sozialarbeitern und den Integrationsberaterinnen von Caritas Schweiz. Sie bauen zu den Familien ein Vertrauensverhältnis auf und unterstützen sie in den Bereichen Gesundheit, Schule, administrative Aufgaben, Arbeit und Wohnen. Des Weiteren erstellen die Coaches für jede Person einen individuellen Integrationsparcours – um sicherzustellen, dass die Behörden ihre Aufgabe des Monitorings wahrnehmen können, aber auch, um für jede Person Leitlinien und Ziele für den Integrationsprozess festzulegen. 

Schon kurze Zeit nach ihrer Ankunft in Matran folgt das Familienleben einem strukturierten Tagesablauf: Die Eltern besuchen einen Sprachkurs, die Kinder im schulpflichtigen Alter gehen zur Schule und die jüngeren Kinder sind in der Kinderbetreuung, während ihre Eltern die Kurse besuchen. 

Das Leben in einer Gemeinschaftsunterkunft schränkt die Autonomie ein und verlangt Kompromisse. Die Familien müssen lernen zusammenzuleben. Das funktioniert nicht ohne Konflikte. Doch die Gemeinschaftsunterkunft ermöglicht den Fachpersonen eine kontinuierliche Begleitung der Geflüchteten. Diese wiederum haben die Möglichkeit, sich mit dem Leben in der Schweiz vertraut zu machen. Auch werden die Familien mit der Zeit offener und schliessen Kontakte mit Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft.

Erwartungen und Realität

Die syrischen Familien haben in allen Bereichen hohe Erwartungen. Der Resettlement-Prozess kann ihnen das Gefühl geben, privilegierte Gäste der Schweiz zu sein. Doch das langwierige Erlernen der Sprache und die Schwierigkeiten, eine Wohnung und Arbeit zu finden, dämpfen unrealistische Erwartungen. So musste Familie Khalil zehn Wohnungen besichtigen und sieben Bewerbungen schreiben, bis sie eine passende Wohnung fand. Auch hat sie erfahren, wie schwierig es ist, ohne ausreichende Kenntnisse einer der Landessprachen Arbeit zu finden.

Inzwischen lebt die Familie Khalil, wie auch die anderen syrischen Familien, in ihrer eigenen Wohnung. Die Familienmitglieder fühlen sich akzeptiert und sind mit dem Leben in der Schweiz vertraut. Auch ihre Französischkenntnisse haben sich deutlich verbessert. Immer seltener braucht die Familie Unterstützung durch ihren Coach. Frau Khalil macht ein Praktikum in einem Coiffeursalon. Der älteste Sohn absolviert eine Ausbildung in der Berufsschule, die jüngeren Kinder gehen zur Schule. Und der Vater besucht morgens einen Sprachkurs und arbeitet am Abend in einem orientalischen Restaurant.

* Name zum Schutz der betroffenen Familie geändert

Bild: Das Haus der Bildung und Integration in Matran, Freiburg. (c) Fabian Biasio

Caritas-Engagement im Flüchtlings- und Integrationsbereich im Kanton Freiburg

 

Teilen Sie diesen Beitrag

 
Ersatzinhalt-Startseite-Standard-DE
 
 

Caritas Schweiz
Adligenswilerstrasse 15
Postfach
CH-6002 Luzern

 

PC 60-7000-4
IBAN CH69 0900 0000 6000 7000 4
Spenden können bei den Steuern in Abzug gebracht werden.

 

Spenden­beratung

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir beraten Sie gerne persönlich. 

MEHR