Schulden: Die fatalen Folgen der Corona-Krise

Überschuldung in der Schweiz - Mediendienst 01/2021

Wie lange uns die Corona-Krise noch beschäftigen wird, ist offen. Klar ist aber, dass die Auswirkungen der Pandemie viele Menschen vor schwerwiegende finanzielle Herausforderungen stellen. Langfristig sieht die Budgetplanung von vielen Haushalten prekär aus.

In einer Krise wie der momentanen ist das Thema «Schulden» aktueller denn je. Kurzarbeit oder Jobverlust zwingen viele Leute dazu, ihre Ausgaben neu zu überdenken. Das Einkommen reicht oft nicht einmal mehr für alle notwendigen Ausgaben. Unterstützung holen sich die Betroffenen jedoch oft zu spät, nämlich erst dann, wenn die Rechnungen sich schon türmen und die erste Betreibung droht. «Betroffene sollen sich bitte melden, sobald sie merken, dass das Geld knapp wird und nicht erst, wenn kein Ausweg mehr in Sicht ist,» meint etwa Salome Kern von der Schuldenberatung der Caritas Thurgau. Am häufigsten haben Betroffene Zahlungsrückstände bei den Steuern und Krankenkassen­prämien. Daneben treten auch Zahlungsrückstände bei Krediten auf, insbesondere dann, wenn geplante Einnahmen ausfallen

Zunehmende Beratungen

Im von der Corona-Pandemie geprägten Jahr 2020 haben die Anzahl Schuldenberatungen im Vergleich zu den Vorjahren zugenommen. Die Schuldenberatungshotline der Caritas erreichte beispielsweise einen neuen Höchststand. Neben Anfragen rund um das Thema «Betreibungen» und «Betreibungsrechtliches Existenzminimum» gab es viele Anfragen zur «Budgetplanung» im Allgemeinen.

Caritas Schweiz geht zwar davon aus, dass die Soforthilfe momentan noch bei vielen Betroffenen greift, sich aber vor allem langfristig die Lage zuspitzen wird. Beispielsweise konnte sich die Gastrobranche bisher knapp über Wasser halten, aber mit dem momentan andauernden zweiten Lockdown ist eine Konkurswelle zu befürchten. Bisher konnten noch viele von ihrem Ersparten zehren, aber das ist in absehbarer Zeit nicht mehr möglich. Caritas Schweiz rechnet deshalb im Frühling 2021 mit einem weiteren Anstieg der Schuldenberatungen. Wenn die Rechnung der Steuerklärung ins Haus flattert, wird den Leuten bewusst, wie knapp es tatsächlich wird.

Viele Familien sind betroffen

So gab es auch schon im Sommer 2020 nach dem ersten Lockdown eine Zunahme der Schuldenberatungen. Vor allem Kleingewerbler und Kleingewerblerinnen, Arbeitnehmende aus dem Gastgewerbe und Personen, die temporär arbeiten, melden sich bei den Schuldenberatungsstellen. Diese Menschen mussten bereits vorher mit einem engen Budget leben und sind aufgrund der Corona-Krise in eine akute Notlage geraten. Betroffen sind vor allem 30- bis 50-Jährige und viele Familien. Es sind meist Menschen, die zu den Working Poor zählen: Sie arbeiten, leben aber am Existenzminimum.

Die Forschung und die Erfahrungen der Caritas zeigen, dass Überschuldung durch Faktoren sozio-ökonomischer (zum Beispiel ungenügendes Einkommen), situativer (zum Beispiel Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Trennung und Scheidung) oder psycho-sozialer Art (zum Beispiel Konsumdruck) verursacht werden kann. Die Corona-Krise wirkt vor allem im sozio-ökonomischen Bereich und kann deshalb dazu führen, dass die Überschuldungsrate in der Schweiz längerfristig ansteigen wird.  

Überschuldung kann zu Armut führen. Umgekehrt kann auch Armut zu Schulden führen. Zahlen des
Bundesamts für Statistik bestätigen, dass armutsbetroffene Gruppen überdurchschnittlich häufig von Überschuldung betroffen sind. Gut ausgebaute und kompetente Schuldenberatungsstellen sind in den nächsten Jahren deshalb wichtiger denn je.

Bild: Schuldenberatung Caritas Zürich. (c) Kellenberger und Kaminski

Caritas-Engagement: Schuldenberatung

 

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