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Zahra blickt gestärkt in die Zukunft

Eine Flucht geht an niemandem spurlos vorbei. Besonders schwierig ist die Situation jedoch für Menschen, die psychisch belastet oder erkrankt oder schwer traumatisiert sind. So ging es Zahra*, die mit ihren beiden Kindern auf der Flucht in Griechenland ankam. Ihr Beispiel zeigt, wie besonders verletzliche und gefährdete Geflüchtete durch eine ganzheitliche Beratung und Behandlung optimal unterstützt werden können.

Zahra K.* ging es nicht gut, als sie zu Caritas Hellas, der Partnerorganisation von Caritas Schweiz in Griechenland kam. Sie berichtete von ihren Selbstmordversuchen im Iran. Sie litt unter Traurigkeit und war kaum handlungsfähig. Bisher hatte sie nur ein einziges Gespräch mit einem Psychiater und war ansonsten noch nie in systematischer psychiatrischer Behandlung gewesen. 

Bei Caritas Griechenland bekam Zahra K. wöchentliche Gesprächstermine mit der Psychologin. Diese half ihr bei aktuellen persönlichen und familiären Problemen. Zusätzlich konnte sie eine individuelle Behandlung bei einem Psychiater beginnen. In dringenden Fällen konnte sie auch nach Feierabend anrufen und erhielt einen Termin, einmal auch samstags.

Zahra K. erhielt eine ganzheitliche Behandlung unter Einbeziehung ihrer Tochter und ihres 14-jährigen Sohnes sowie zwei telefonische Beratungstermine gemeinsam mit ihrem Ehemann, der nach Nordwesteuropa geflohen war. Das gesamte Team von Caritas Hellas hatte täglich Kontakt zu ihr. Zahra K.s Sohn wurde darin geschult, seiner Mutter am Wochenende, wenn das Team nicht dafür verfügbar war, die Medikamente zu geben. Er erhielt ausserdem psychologische Hilfe, um seine Wutausbrüche gegenüber der Familie besser in den Griff zu bekommen.

Aufbruch

Nach schriftlicher Einwilligung von Zahra K. sandte Caritas Hellas einen psychologischen Bericht an die Asylbehörde in Athen, um die Zusammenführung von Zahra K. mit ihrem Mann zu unterstützen. Auch der Rechtsanwältin des Mannes von Zahra K. stellte Caritas einen psychosozialen Bericht zu, damit Frau K. und ihr Mann einen gemeinsamen Asylantrag in Nordwesteuropa stellen können. Sein erster Asylantrag war abgelehnt worden.

Heute lebt Zahra K. in einem Camp in dem Land, in dem auch ihr Mann wohnt. Der Sozialleiter des Lagers ist im Austausch mit der Psychologin von Caritas Hellas, um Frau K. besser unterstützen zu können. Beim Abschlussgespräch mit ihrer Psychologin sagte Zahra K.: «Ich lebe gerne in Griechenland, denn dank der Unterstützung fühle ich mich hier sicher». Gleichzeitig schien sie sich aber auf ihr neues Leben im Norden zu freuen. Am Tag vor der Abreise legte sie sich eine neue Haarfarbe zu - ein starkes Signal für ihren Lebenswillen. Ausserdem organisierte sie eine Party in der Unterkunft, um sich von ihren afghanischen Freunden zu verabschieden. Bei der Psychologin verabschiedete sich mit folgenden Worten: «Ich werde dich nie vergessen. Du hast mir sehr geholfen, und ich hoffe, auch am neuen Ort jemanden wie dich zu finden.»

*Name geändert

Bild: Beratungsgespräch beim psychologischen Dienst im Sozialzentrum der Caritas Hellas in Athen. Die Frau auf dem Bild ist nicht Zahra K. (c) Kanatas Spyros

 

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