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Wohin mit der Jugend?

Innovation in der Berufsbildung verschafft jungen Menschen im Tschad Perspektiven - Mediendienst 11/2017

Jedes Jahr kommen im Tschad knapp 200 000 junge Menschen neu auf den Arbeitsmarkt – oft verfrüht und viel zu jung. Ihre Chancen auf Arbeit sind allerdings gering. Die meisten Jugendlichen bringen knapp eine abgeschlossene Primarschulbildung mit. Das Bildungssystem im Tschad ist starr und veraltet. Es bietet kaum praktische Berufslehrgänge oder technische Ausbildungen. Der Staat will nun investieren.

70 Prozent der Bevölkerung des Tschads sind unter 25 Jahre alt und das Bevölkerungswachstum ist immer noch sehr stark. Dabei wohnen die meisten dieser Jugendlichen (noch) in ländlichen Gebieten. Eine derart junge Bevölkerung stellt ein hohes Potenzial an Arbeitskräften dar und ist wirtschaftlich gesehen eine Chance, allerdings nur dann, wenn die Jugendlichen auch Zugang zu einer Ausbildung haben, die ihren Namen verdient und die auf die Bedürfnisse der lokalen Wirtschaft ausgerichtet ist. Aktuell ist dies nicht der Fall. So prägen gleich mehrere gravierende Mängel das tschadische Bildungssystem: Es gibt viel zu wenig Ausbildungsstätten, zu wenig qualifizierte und motivierte Lehrkräfte und die Ausbildungen sind starr und veraltet. Vor allem aus traditionellen Gründen sind Mädchen und Frauen zusätzlich benachteiligt und fallen noch früher aus dem Bildungssystem heraus als die männlichen Jugendlichen. Zwar hat der tschadische Staat einige seiner Öl-Milliarden auch in den Bau neuer Universitäten investiert – aber was tun, wenn qualifiziertes Lehrpersonal fehlt und der nationale Markt die vielen Universitätsabgänger gar nicht absorbieren kann? In einem Arbeitsmarkt, der zu 95 Prozent vom informellen Sektor geprägt ist, braucht es vor allem Leute, die eine praktische Berufsausbildung haben, keine universitäre. Eine solch gravierende Perspektivenlosigkeit der Jugend ist brandgefährlich – gerade in einem Land, in dem immer wieder extremistische Gruppen aktiv sind.

Die Wirtschaft braucht Arbeitskräfte

Dabei ist das wirtschaftliche Potenzial durchaus vorhanden: Die Agrar- und Lebensmittelindustrie, die gemäss Weltbank 50 Prozent der tschadischen Wirtschaftsleistung ausmacht, hat Kapazitäten, eine Vielzahl junger Leute zu absorbieren. Allerdings gibt es keine anerkannten, praktischen Ausbildungen in diesem Sektor – der Einstieg ist fast immer informell. Dies trägt dazu bei, dass veraltete landwirtschaftliche Methoden fortbestehen und die dringend notwendigen Erneuerungen und Innovationen ausbleiben. Berufslehrgänge im Bereich der Agrar- oder Lebensmittelforschung, der Vermarktung, der industriellen Verarbeitung oder der Lebensmitteltechnik gibt es keine. Für die Jungen ist das informelle System der Ausbildungen in diesem Sektor nicht attraktiv, denn auf die «traditionelle» Weise lässt sich heute kein Geld verdienen. Zudem haben sie damit keine anerkannten Abschlüsse und keine langfristige Perspektive. Ihr einziger Ausweg ist damit meist die Abwanderung in die Städte.

Auch die florierende Wirtschaft im suburbanen und urbanen Gebiet hat hohes Potenzial, gut ausgebildete Arbeitskräfte zu absorbieren. Der Staat hat es bislang aber auch hier nicht geschafft, praktische Lehrgänge einzuführen, die einem tatsächlichen Marktbedürfnis entsprechen. Und so zeigt denn auch die Privatwirtschaft (noch) kein Interesse an einem Berufsbildungssystem, in welchem sie sich an der Ausbildung der Jugendlichen aktiv beteiligen würde.

Das System verändern

Ein solches Bildungssystem verändert man nicht von heute auf morgen. Caritas Schweiz und ihre Partner haben sich im Auftrag der DEZA und des tschadischen Staates dazu verpflichtet, an der Neugestaltung des Berufsbildungssektors im Tschad langfristig mitzuwirken. Ziel dieses Programms ist es, die Bildungslandschaft strukturell zu verändern und ein System einzuführen, welches – ähnlich wie in der Schweiz – auf einer anerkannten Ausbildung in der Schule und in einem privatwirtschaftlichen Betrieb basiert (duales System). Caritas entwickelt Berufsbildungsangebote zusammen mit der Privatwirtschaft und strebt deren staatliche Anerkennung an. Junge Tschaderinnen und Tschader erhalten so eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt: Mit einer auf die wachsende Wirtschaft ausgerichteten Ausbildung inklusive anerkanntem Abschluss stehen die Chancen gut, im Tschad Arbeit zu finden – sowohl im ländlichen Bereich als auch in der Stadt. Dabei achtet Caritas darauf, den Zugang von Mädchen und Frauen zu solchen Lehrgängen zu verbessern. Das Programm zielt aber noch weiter: Auf staatlicher Ebene will es Einfluss nehmen, um die Bildungspolitik Schritt für Schritt zu verbessern und mit anderen Politiken, wie der Wirtschafts- oder Agrarpolitik, in Einklang zu bringen.

Bild: Alexandra Wey

 

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