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Wo Flüchtlinge Kinder betreuen und betreuen lassen

Projekt McPhee in Freiburg stärkt soziale und berufliche Integration - Mediendienst 3/2017

Die Mütter unter den Flüchtlingen haben kaum Möglichkeiten, ihre Kinder in eine Betreuung zu geben, um sich selbst beruflich und sozial zu integrieren. Gleichzeitig ist aber die Kinderbetreuung für andere Flüchtlinge oft ein erster Schritt in die Arbeitsintegration. Seit September 2016 schlägt das Projekt McPhee die Brücke zwischen Angebot und Nachfrage.

Caritas Schweiz ist vom Kanton Freiburg damit beauftragt, anerkannte Flüchtlinge (Bewilligung B und F) bei ihrer beruflichen und sozialen Integration zu begleiten. Das Team der Abteilung Freiburg hat festgestellt, dass die berufliche Integration von kinderlosen Männern und Frauen im Rahmen der kantonalen Vorgaben einfacher zu erreichen ist als die berufliche Integration von Müttern, die häufig die Kinderbetreuung zu Hause übernehmen. Insbesondere Alleinerziehende können sich die hohen Kosten für eine externe Betreuung in der Regel nicht leisten – anerkannte Flüchtlinge haben keinen Anspruch auf kommunale Zuschüsse, wobei die kantonalen Vorgaben hier unterschiedlich sind –, was auf dem Weg zur Integration ein grosses Hindernis darstellen kann.

Flüchtlinge bieten eigenes Kinderbetreuungsprogramm an

Vor diesem Hintergrund und dank des Engagements von zwei Fachpersonen ist das Projekt McPhee entstanden. Die Idee: Von Caritas Freiburg begleitete Flüchtlinge bieten ein eigenes Kinderbetreuungsprogramm an, das der beruflichen und sozialen Ausgrenzung von geflüchteten Müttern und Alleinerziehenden entgegenwirkt. Das Projekt ist nach der zauberhaften „Nanny McPhee“ aus den gleichnamigen britischen Fantasyfilmen benannt: Sie eilt einem verwitweten Vater von sieben Kindern zu Hilfe und unterstützt eine Frau, deren Mann in den Krieg gezogen ist. Diese Parallele führt direkt zu den pädagogischen Zielen des Projekts, die den Initianten sehr am Herzen liegen.

Das Projekt McPhee will Kinderbetreuung in hoher Qualität anbieten; die Kinder sollen sich geborgen fühlen und die Möglichkeit erhalten ihre Neugierde auszuleben. Alle McPhee-Tageseltern besuchen einen Einführungskurs, der über die Bedürfnisse der Kinder und ihre Betreuung zu Hause informiert. Für die Teilnehmenden kann dieser Kurs auch eine erste Etappe einer Ausbildung in der Kleinkindbetreuung sein.

Tandems werden gebildet

Im Anschluss werden Tandems gebildet zwischen Müttern, die das Kinderbetreuungsangebot in Anspruch nehmen möchten (damit sie beispielsweise einen Kurs oder ein Praktikum absolvieren oder an einer anderen arbeitsmarktintegrierenden Massnahme teilnehmen können), und einer Person, die den Kurs zur Mc-Phee Tagesmutter oder zum McPhee-Tagesvater erfolgreich abgeschlossen hat. Eine Erziehungsfachfrau ist für die Vermittlung und die Begleitung und Betreuung der McPhee-Eltern zuständig. Sie legt besonderes Augenmerk auf die Integration der McPhee-Eltern in das kulturelle und soziale Netz der Region und organisiert und koordiniert Treffen, Ausflüge und Besichtigungen.

Das Projekt, das auf die Bedürfnisse der Flüchtlinge zugeschnitten ist, wurde von den Sozialbehörden und Verbänden des Kantons von Beginn an unterstützt. Stéphane Quéru, Leiter des kantonalen Jugendamts, sagt: «Damit die Kinder sich gut entwickeln, müssen wir die Eltern im Hinblick auf unterschiedliche Methoden und Formen der Erziehung unterstützen. Dieser Zielsetzung wird das Projekt McPhee gerecht. Angesichts der globalen wirtschaftlichen und politischen Situation müssen wir alles dafür tun, um die Integration zu fördern.»

«Ich habe mich noch nie so unterstützt gefühlt»

Sieben Tandems sind seit September 2016 gebildet worden. Eine Evaluation ist nach Abschluss der Projektpilotphase geplant. Die ersten Rückmeldungen sind sehr ermutigend. Die Mütter, die ihre Kinder in die Betreuung geben, können Kurse besuchen oder Praktika machen, während sie ihre Kinder bei den McPhee-Mamas oder McPhee-Papas bestens betreut wissen. Den McPhee-Müttern wiederum gibt die Arbeit Selbstvertrauen und sie motiviert, sich selbst aktiv um die berufliche Integration zu bemühen. Rahwa, zum Beispiel, eine alleinerziehende, junge Mutter aus Eritrea, die ein 18 Monate altes Kleinkind betreut, nimmt jede Woche an mehreren Eltern-Kind-Veranstaltungen teil mit dem Ziel, ihr Französisch zu verbessern und sich auf ein Praktikum vorzubereiten. Unter den McPhee-Eltern sind auch zwei dynamische Grossmütter, die den jungen Müttern mit ihrer Erfahrung zur Seite stehen. „Meine Söhne lieben sie sehr und ich habe mich noch nie so unterstützt gefühlt, seit ich weit weg von meiner Familie allein mit meinen beiden Kindern in der Schweiz lebe. Dieses Jahr kann ich ein Studium beginnen und das stimmt mich optimistisch für die Zukunft“, erzählt Weyni aus Eritrea.

 

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