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«Wir wollen wieder Frieden»

Das Haus ist noch im Bau: Der Putz fehlt, Türen und Fenster sind noch nicht eingesetzt. Hier lebt Ahmed*. Er gehört zu jenen Hunderten von Familien, die nach Taalabaya geflüchtet sind, einem Dorf im Osten des Libanon unweit der syrischen Grenze. Der siebzigjährige frühere Plattenleger lädt uns in sein knapp 10 Quadratmeter grosses Zimmer ein, das er mit seiner Frau seit drei Monaten bewohnt, und erklärt uns, weshalb er in den Libanon geflohen ist.

«Wir lebten in einem Vorort von Damaskus mit unseren drei Töchtern und deren Familien. Als unser Haus bombardiert wurde, gerieten wir in eine so grosse Angst, dass wir noch in der gleichen Nacht aufbrachen. Wir konnten nichts planen, wir waren geschockt und sind einfach geflohen.» Je mehr Ahmed erzählt, je mehr Erinnerungen tauchen auf und die Tränen laufen ihm übers Gesicht. «Verstehen Sie», sagt er seufzend, «dass wir alles verloren haben, ist das Eine. Diese Situation hat uns aber zudem um unser wertvollstes Gut gebracht, um unsere Würde.»

 

Zurück zum früheren Leben

Ahmed ist jeden Tag mit seinem Schmerz konfrontiert, denn er wünscht sich nichts so sehr wie eine Rückkehr. «Wir wollen wieder Frieden, damit wir zurück in unser früheres Leben können.»

Die Flüchtlingszentren von Caritas Libanon, der lokalen Partnerorganisation von Caritas Schweiz, stellen nicht nur Nahrungsmittel, Hygieneartikel und Decken bereit, sondern bieten auch psychosoziale Unterstützung an für Menschen mit einem posttraumatischen Schock. Ahmed wird das in Anspruch nehmen können. Zwar ist diese Hilfe immateriell, sie ist aber bei solchen humanitären Krisen unverzichtbar, damit Flüchtlinge wieder zu ihrer Identität finden. Ohne Behandlung kann ein posttraumatischer Schock unheilbare seelische Schäden hinterlassen und den Rückkehrprozess behindern. Mit dieser Hilfe kann Frieden wieder hergestellt werden – und Frieden wünschen sich, wie Ahmed, alle syrischen Flüchtlinge im Libanon.

*Name von der Redaktion geändert

Text: Caritas Schweiz / Foto: Caroline Nanzer

 

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