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Wie soll es weitergehen?

Stefanie* lebt zusammen mit ihrer Tochter Miriam* in einem Dorf im Aargauischen. Trotz ihrer Arbeit ist sie auf Sozialhilfe angewiesen. Ihr Alltag ist geprägt von finanziellen und gesundheitlichen Sorgen.

«Ich wurde ungeplant schwanger, die Beziehung war noch recht frisch. Wir entschieden uns aber gemeinsam für das Kind und zogen zusammen. Doch schon bald kamen Dinge über meinen Partner „ans Licht“, die es unmöglich machten, mit ihm eine Partnerschaft zu führen, geschweige denn, zusammen zu leben.

Meine Tochter Miriam kam gesund zur Welt und trotz der widrigen Umstände war ich sehr glücklich. Da die Wohnung für mich allein zu teuer war, zog ich mit Miriam in mein altes Kinderzimmer bei meinen Eltern. Die Anfangszeit war sehr belastend: Ich war gesundheitlich angeschlagen und musste mich einer Operation unterziehen. Dazu kam der Stress mit dem Kindsvater, der seine Tochter erst nicht anerkennen wollte. Nach dem regulären Mutterschaftsurlaub fing ich wieder 30 Prozent im Verkauf an zu arbeiten und als ich nicht mehr stillte, stockte ich auf 40 Prozent auf. Da die Alimente respektive die Bevorschussung (der Kindsvater ist ausgesteuert) sehr bescheiden sind, sind wir zusätzlich auf das Sozialamt angewiesen. Für mich, war das zu Beginn schwer zu akzeptieren.

Psychisch bin ich eher labil, mit den ganzen Problemen umso mehr. Darum besuche ich eine Psychotherapie und andere Therapien. Die Organisation des Alltags ist eine echte Herausforderung: Wer schaut auf Miriam, wenn ich arbeite oder zur Therapie gehe? Ich habe viel Unterstützung im Umfeld, doch einige haben sich abgewandt, weil ich nur 40 Prozent arbeite und zum Sozialamt gehe.

Dann kam plötzlich der Bescheid von der Gemeinde, dass ich kein Anrecht auf einen PKW habe und mir wurde das Geld dafür gestrichen, weil es hiess, ein Auto wäre Luxus. Aber ich bin darauf angewiesen! Wie soll ich zur Therapie kommen und wie schaffe ich es ohne Auto, Miriam rechtzeitig aus dem Kindergarten abzuholen? Ich stand vor der Wahl: Entweder kein Auto und keine Therapien, oder weniger Geld und dafür Auto. Ich entschied mich für letzteres, aber ich weiss nicht, wie es finanziell weitergehen soll.

Die Arbeit, Kind, Termine und Haushalt unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach. Wenn man zudem noch psychische Schwierigkeiten hat, hat man einen Stempel, den man nicht mehr los wird. In einem Dorf merkt man dies vermutlich noch mehr als in der Stadt.

Mein Kind hat es verdient, eine schöne Kindheit zu haben. Zwar kann ich Miriam materiell nicht sehr viel bieten, dafür ihr aber Werte vermitteln. Mein Glaube an Gott gibt mit sehr viel Kraft, weiter zu machen, egal was kommt.

Ich denke, dass die die Gesellschaft die Situation Armutsbetroffener versteht, jedoch ist der Staat noch nicht soweit. Besonders im Kanton Aargau. Es wird kein Unterschied gemacht. Egal ob du ein Mann oder eine Frau bist, ob Kinder da sind, wie die Infrastrukturen bei den Einzelnen sind: alle werden vor der Sozialhilfe gleich gestellt, man schaut sich nicht die individuelle Situation der Menschen an. Das ist einerseits ok. Doch andererseits nicht nachvollziehbar. Wenn ich 100 Prozent arbeiten würde und Miriam 100 Prozent fremdbetreut wäre, hätte ich am Schluss weniger Geld zur Verfügung als jetzt. Ich kann also nur verlieren.

Mir ist klar, dass Solidarität nur in der Gemeinschaft funktioniert. Ich trage dazu meinen Teil bei und habe eine Plattform gegründet, die notbedürftige Kinder und Eltern im Kanton Aargau mit Sachspenden unterstützt.

Mein grösster Wunsch ist, dass meiner Tochter bei mir wohl ist und dass sie später nicht „abstürzt“. Mir selbst wünsche ich eine finanzielle Entlastung und mehr psychische Stabilität.»

Stefanie, 27 Jahre, aus dem Kanton Aargau (*Namen von der Redaktion geändert)

Text: Caritas Schweiz
Bild: Caritas Schweiz

 

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