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«Wenn Frieden ist, gehe ich wieder nach Hause.»

Ein grosser Teil der Flüchtlinge die nach Europa unterwegs sind, sind aus Afghanistan. In einem Belgrader Park treffen wir auf eine Gruppe junger Männer. Einer von ihnen ist erst 13 Jahre alt, seine Eltern hatten Angst, dass er zum Militär eingezogen wird.

„In meinem Land gibt es keinen Frieden“, sagt Ahmed resigniert. Ich treffe auf ihn in einem Park in Belgrad, wo er sich mit anderen jungen Männern aufhält. Allesamt sind sie Flüchtlinge aus Afghanistan.

Der Park, gegenüber des Belgrader Busbahnhofs, sieht aus wieder jeder andere Stadt-Park an einem Mittwochmorgen. Das Herbstlaub fällt zu Boden, und die Menschen sind unterwegs mit ihren Einkäufen und Kindern. Und doch ist etwas anders. Viele Flüchtlinge halten sich dort auf.

Zu Ahmeds Gruppe gehören ein Medizinstudent, ein Dolmetscher, ein Onkel mit seinem 15-jährigen Neffen und ein Freund. Ahmed selbst ist Student für Sozialwissenschaften. Besser, er war Student, bevor er gehen musste. „Zuhause sterben die Menschen“, sagt Ahmed. „Ich entkam und bin seit drei Monaten unterwegs durch den Iran, die Türkei, Bulgarien und jetzt eben in Serbien. Bulgarien war schrecklich. Ich schlief dort drei Tage im Wald ohne Essen und Wasser.“

„Vor drei Monaten verliess ich meine Eltern. Sie weinten, als ich ging. Sie sind alt und arbeiten nicht mehr. Meine Brüder arbeiten für europäische Firmen, aber die Taliban sagen ihnen immer wieder, dass sie ihren Job verlieren werden.“

„Ich will mich nicht den Taliban unterwerfen. Sie haben unser Land zerstört, es gibt keine Bildung mehr, alles ist kaputt.“

„Für eine lange Zeit war Afghanistan das Land mit den meisten Flüchtlingen weltweit. Seit 2014 ist das Syrien. Aber die Zahl der Afghanen die unterwegs nach Europa sind, wächst weiterhin. Sie allein machen 20% der Flüchtlinge aus.“

Die Flucht nach Europa ist für die Jüngsten in der Gruppe besonders hart. „Meine Eltern haben mich hierher geschickt, weil schon Kinder zum Militär in Afghanistan müssen“, erzählt ein 13-Jähriger, der auch der Jüngste der Gruppe ist. Jeden Tag habe er weinen müssen, als er in Bulgarien war. Sein Geld und sein Telefon seien gestohlen worden.

“In Afghanistan gibt es keine Arbeit, keine Schulen, keine Spitäler“, sagt sein 15-jähriger Freund. „An der Grenze zum Iran wurden wir beschossen. Ein Junge wurde verletzt, er musste zurück bleiben.“ Sie wollen nach Norwegen weiter. Denn sie haben gehört, dass die Jungen dort besonders betreut werden und, wenn möglich, wieder mit ihren Eltern zusammenkommen.

„Jeder hier vermisst seine Familie“, sagt Mohammad (26), der Dolmetscher. „Jeder Tag haben sie meine Familie bedroht, aber ich konnte sie jetzt nicht mitnehmen. Wie sollten meine Frau und mein Kind diese Reise schaffen? Ich will einen Asylantrag stellen und sie dann hierher bringen!“

Die Gruppe macht sich auf, sammelt ihre wenigen Gepäckstücke ein und geht die Strasse runter zum Flüchtlingslager. Dort gibt es etwas zu essen und sie können die Kleider wechseln. Das nächste Ziel ist Kroatien, wo sie einen Tag später eintreffen und von Caritas betreut werden.

„Jeder hier hat seine eigenen Träume und seine eigenen Ziele“, sagt Ahmed zum Abschied. „Ich will nach Belgien und wenn Frieden ist, gehe ich wieder nach Hause.“

Meabh Smith, Caritas Internationalis

 

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