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Unberührbar

Die Dalits werden in Nepal nach wie vor diskriminiert. Dass sich das auch nach dem Erdbeben vom 25. April nicht geändert hat, musste Kamala Nepali feststellen, die beim Erdbeben zwei ihrer Kinder verlor.

Die 35-jährige Kamala Nepali gehört zur Gruppe der Dalit, den “Unberührbaren” im hinduistischen Kastensystem. Obwohl das Kastensystem in Nepal seit Jahrzehnten offiziell abgeschafft ist, formt es das soziale Zusammenleben im Land nach wie vor massgeblich mit. So kommt es noch immer vor, dass Kinder von Dalit-Familien in der Schule in die hintersten Bänke gesetzt und vom Kochunterricht ausgeschlossen werden. Neben der sozialen Ausgrenzung, haben Dalit-Familien oft mit finanziellen Problemen zu kämpfen, und viele von ihnen zählen zu den ärmsten Einwohnern des Landes.

Im Falle von Kamala Nepali kommt zur wirtschaftlichen und sozialen Benachteiligung ein schweres persönliches Schicksal hinzu: Da ihr Mann, der an einer psychischen Erkrankung leidet, sie misshandelte, zog sie vor sechs Jahren mit ihren drei Kindern ins Haus ihrer Eltern. Als ihr Elternhaus beim Erdbeben am 25. April in sich zusammenstürzte, verlor die junge Mutter zwei Söhne.

Kamala Nepali lebt mit ihren Eltern in Bhotechaur, doch ihr offizieller Wohnort ist Melamchi, eines der Projektgebiete von Caritas. Als Einwohnerin von Melmachi bat sie Caritas nach dem Erdbeben um Wellblech für ihre Notunterkunft. Doch die Dorfgemeinschaft in Melamchi wollte nicht, dass sie die Hilfsgüter in das Dorf ihrer Eltern bringt, und stellte sich gegen sie. Kamala Nepali war verzweifelt: „Wenn ich mein neues Haus in Melamchi baue“, erklärte sie, „bin ich nicht weit genug von meinem Mann entfernt, und er wird mich wieder schlagen“.

Aufgrund ihrer schwierigen Situation entschied das Caritas Team, Kamala Nepali Wellblech zu geben, obwohl sie nicht im Projektgebiet wohnt. Das Wellblech ist zwar eine Hilfe, doch Kamala Nepali’s finanzielle und emotionale Not bleibt gross: Durch das Erdbeben hat sie neben wiederholten sozialen Diskriminierungen nun zusätzlich den Verlust ihrer Kinder und des Hauses zu verkraften.

Text: Manuela Brülisauer, Caritas Schweiz
Foto: Caritas Schweiz

 

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