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Über die Runden kommen

Marlene* wünscht sich, so viel arbeiten zu können, dass sie nicht mehr von anderen abhängig ist. Mit ihrem Sohn Lukas* lebt sie seit 2013 am Existenzminimum.

«Ich bin seit September 2013 alleinerziehend, nachdem ich mich von meinem Mann getrennt habe. Er zahlt bis heute keinerlei Unterhalt, trotz gerichtlicher Anordnung. Anfangs hatte ich vier Jobs gleichzeitig, damit ich mit meinem Sohn Lukas über die Runden komme. Ich brachte das aber irgendwann nicht mehr unter einen Hut, und wir lebten am Existenzminimum. Monatlich bekam ich vom Sozialamt 580 Franken Lebensunterhalt und 1300 Franken Mietzuschuss, dazu noch 800 Franken Kinderzulage, die bevorschusst werden. Macht zusammen 2680 Franken, die ich monatlich zur Verfügung habe.

Ich bin sehr froh, dass wir auf tolle Menschen mit Verständnis treffen: So bin ich zu unserer Wohnung gekommen. Ich habe dem Vermieter ehrlich unsere Lage geschildert, und er hat uns eine Chance gegeben! Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Ich bin sehr wütend auf meinen Ex-Mann, und wir haben grosse Probleme miteinander. Er zahlt nicht, er arbeitet nicht und ich kann mit ihm nicht vernünftig reden.

Kraft in dieser Situation gibt mir ganz klar mein Sohn und ich werde weiterkämpfen, nur für ihn. Mutterrolle heisst für mich, immer für mein Kind da zu sein, ihm in allen Lagen zu helfen, und ihn zu einem erwachsenen Menschen zu erziehen, auf dass er irgendwann selber eine tolle Familie hat. Einfach jede Minute mit meinem Sohn zu geniessen und mich darüber zu freuen, dass ich ein gesundes Kind habe, was leider schon viel Schlimmes erleben musste. Ich fühle mich oft nicht verstanden, da die Gesellschaft viel zu wenig weiss, wie es wirklich läuft, bzw. laufen kann, bei Alleinerziehenden.

Ich fühle mich auch von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde nicht verstanden. Die Gesellschaft sollte besser informiert werden, was Alleinerziehende leisten müssen.

Ich würde mir mehr Unterstützung in finanzieller Hinsicht wünschen. Und ich würde mir wünschen, dass die Lebensumstände der Alleinerziehenden vom Amt individuell geprüft werden und dass man nicht einfach aufs Abstellgleis geschoben wird.

Hätte ich drei Wünsche frei, dann wünschte ich mir als erstes, dass ich und mein Sohn gesund bleiben. Dann würde ich so gerne mal am Meer Urlaub machen. Und als letztes wünsche ich mir, dass ich so viel arbeiten kann, dass ich von niemanden mehr Hilfe brauche.

Bei letzterem kann ich wieder Hoffnung schöpfen: Seit kurzem habe ich eine 60 Prozent Stelle und freue mich darüber sehr.»

Marlene, 39 Jahre, aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden (*Namen von der Redaktion geändert).

Text: Caritas Schweiz
Foto: Symbolbild, Richard Ricciardi @Flickr.com

 

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