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Tee für 6000 Flüchtlinge

Renato Seifert aus dem kroatischen Vukovar ist seit fünf Jahren als Freiwilliger für Caritas Kroatien tätig. Seit September arbeitet er nun im Flüchtlingscamp in Opatovac. Hier teilt er seine Eindrücke.

«Als Ungarn am 15. September seine Grenzen schloss, fing ich hier an zu arbeiten. Letztes Jahr war ich noch bei den starken Überschwemmungen im Einsatz, und ich wollte nun wieder etwas tun.

Am ersten Tag, als Ungarn die Grenze schloss, schliefen wir im Warenlager. Aber an schlafen, war gar nicht zu denken. Ich war sicher drei Tage fast ohne Pause im Einsatz und konnte das nur mit viel Koffein bewältigen. Wir mussten die Verteilung von Nahrungsmitteln, Kleidern und Decken planen und organisieren. Aber letztendlich war es chaotisch, denn innert kurzer Zeit kamen so viele Menschen hierher, das konnten wir so kurzfristig nicht besser planen. Jetzt aber ist im Camp alles gut organisiert.

Ich bin für den Tee verantwortlich: Jeden Tag koche ich davon 4000 Liter und helfe, wo ich gebraucht werde, denn die Situation kann sich von einer Sekunde auf die andere ändern. Am Wochenende erwarten wir bis 12 000 neue Flüchtlinge.

Was mich am meisten schockiert ist, wenn ich Kinder ohne Schuhe sehe. Eines Nachts war es kalt und regnete. Ich hörte ein Kind weinen, ein kleines Mädchen, vielleicht vier oder fünf Jahre alt. Sie hatte keine Schuhe an, keine Socken, sass im Schlamm und fand ihre Eltern nicht mehr. Wir wuschen sie und sahen dann, dass ihr Füsse voller Narben und Schnittwunden waren. Das war das Schlimmste, was ich bisher gesehen habe. Wir zogen ihr Socken und Schuhe an und fanden Gott sei Dank auch ihre Eltern. An einem anderen Tag kamen Eltern zu mir mit einem querschnittsgelähmten Kind. Sie haben es auf der Flucht die ganze Zeit getragen. Ich nahm ihnen das Kind ab, und ich war sehr froh, dass ich helfen konnte. Wir trugen es 1,5 Kilometer bis zum Arzt-Zelt.

Die Syrier sind alle sehr freundlich und nett. Ich hoffe wirklich, dass sie gesund dorthin kommen, wohin sie gehen wollen. Aber ich hoffe auch, dass sie eines Tages zurückkehren können, denn es gibt hier keinen Ort, der so ist, wie ihr Zuhause.»

Aufgezeichnet von Meabh Smith, Trocaire

 

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